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Thomas Bach ist seit dem 10. September 2013 IOC-Präsident
Thomas Bach ist seit dem 10. September 2013 IOC-Präsident © getty

IOC-Präsident Thomas Bach hat erneut in aller Deutlichkeit für die Trennung von Sport und Politik plädiert.

Es könne nicht der Anspruch des Sports sein, "die politische Führung in einem Land zu übernehmen", sagte der deutsche Boss des Internationalen Olympischen Komitees: "Er kann zur Entwicklung beitragen - und das kann er nur, wenn er politisch neutral ist."

Es sei das "Wesen des Sports, dass überall auf der Welt die gleichen Regeln gelten", meinte der 60-Jährige: "Man darf sich nicht verleiten lassen, den Boden der politischen Neutralität zu verlassen. Nur wenn der Sport politisch neutral bleibt, kann er global sein."

Am Beispiel der Lage in der Ukraine erklärte Bach: "Das IOC hat 300.000 US-Dollar (umgerechnet 230.000 Euro, d. Red.) zur Verfügung gestellt, damit die Athleten in der Ost-Ukraine aus diesem unsicheren Gebiet ziehen und in Sicherheit trainieren und leben können."

Dies seien Aktionen, "die der Sport aus sich heraus" leisten könne.

Im Rahmen seiner "Agenda 2020" kündigte der IOC-Boss tiefgreifende Veränderungen an.

"Die Zeit für Veränderungen ist jetzt und wir brauchen substanzielle Veränderungen", sagte Bach in seiner Eröffnungsrede des "Camp Beckenbauer" in Österreich: "Wir können nicht nur ignorieren und sagen, solange wir mit dem Großteil der Welt erfolgreich sind, interessiert uns der Rest nicht. Das kann nicht unser Ziel sein."

Der Sport sei ein "globaler Player - mehr als jedes Geschäft", sagte ehemalige Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): "Wir müssen jetzt anfangen und uns den Herausforderungen stellen."

Allerdings schränke er ein: "Sport alleine kann die Welt nicht ändern. Sport kann seinen Beitrag leisten, kann Signale senden und der Eisbrecher sein, aber nicht allein den Frieden bringen. Dafür brauchen wir Partner."

Hinsichtlich der Veränderungen im IOC selbst untermauerte Bach das erneuerte Vergabe-Konzept für Olympische Spiele und verglich die bisherige Praxis mit den Filialen einer Fastfood-Kette.

"Es darf kein Franchise mehr geben", sagte Bach: "Wir müssen die zukünftigen Ausrichter fragen, wie sie die Spiele sehen, wie die Spiele am besten in das soziale und wirtschaftliche Umfeld passen. Wie ist ihre Idee, ihre Kultur der Welt zu präsentieren?"

Das IOC werde auch in Zukunft "Minimumstandards" voraussetzen, so Bach, den potenziellen Kandidaten werde aber mehr Freiraum gegeben. "Das müssen wir der Kreativität und den Bedürfnissen der Gastgeber überlassen. Die Spiele können keine Kopien der vorausgegangen Ausgaben sein."

Am Montag hatten in Deutschland Berlin und Hamburg ihre Pläne für eine eventuelle Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 vorgestellt.

In Going bei Kitzbühel/Österreich treffen im "Camp Beckenbauer" zahlreiche Persönlichkeiten des Sports zusammen.

Für Dienstag stehen unter anderen Reden von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach auf dem Programm.

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