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Fabian Hambüchen wurde in Stuttgart 2007 Weltmeister am Reck

Der Turner ist gezeichnet vom Hochleistungssport. Aber für das deutsche Team ist Hambüchen bei der WM in Nanning unersetzlich.

Nanning - Irgendwas ist fast immer.

Bei den Europameisterschaften in Sofia im Mai zwickte die Schulter, manchmal schmerzen die Füße, und die Handgelenke haben auch schon einiges mitgemacht.

Für Fabian Hambüchen alles kaum der Rede wert: "Ich bin hier soweit fit."

Elf Jahre im Grenzbereich

Doch elf Jahre Kunstturnen im Grenzbereich haben spürbare Spuren hinterlassen.

Zum achten Mal geht der Wetzlarer in den kommenden Tagen in Nanning bei Welttitelkämpfen an die Geräte und schließt dadurch zum bislang alleinigen Rekordhalter Andreas Wecker auf.

Und damit der ehemalige Reck-Weltmeister zumindest bis Olympia 2016 in Rio durchhält, muss er rationeller und dosierter als in der Vergangenheit trainieren.

Mehrkampf bleibt Königsdisziplin

"Früher habe ich an schlechten Tagen gefühlte 100 Versuche gemacht, bis die Übung klappte. Das schaffe ich heute nicht mehr", bekennt der Olympiazweite am Reck.

Ungeachtet der zahlreichen Erfolge an seinem Lieblingsgerät war und ist für den 35-maligen deutschen Meister immer noch der Mehrkampf die Königsdisziplin - aber sie fällt ihm immer schwerer.

Training geht vor Werbung

Bis Rio, das hat er Cheftrainer Andreas Hirsch in die Hand versprochen, wird er konsequent an allen sechs Geräten trainieren.

Auch eine Frage der Einstellung, niemals hätte Hambüchen wegen Werbeverpflichtungen auf den Sechskampf verzichtet, wie es der Olympiazweite Marcel Nguyen über ein Jahr lang tat.

Der Stuttgarter fehlt in China wegen eines im September erlittenen Kreuzbandrisses.

Umschulung jenseits der 30

Erst nach Olympia will sich Hambüchen neu orientieren, andere Schwerpunkte setzen: "Ich möchte schon noch ein bisschen weitermachen, einen richtigen Cut wird es nicht geben."

Er könnte umschulen - zur Teilzeitkraft am Reck und einem oder zwei weiteren Geräten.

Gerade am Königsgerät gibt es genügend Beispiele für Erfolge auch jenseits des 30. Lebensjahres.

Als Allrounder unersetzlich

Aber da neben Nguyen in Südchina auch die verletzten Routiniers Matthias Fahrig und Sebastian Krimmer nicht zur Verfügung stehen, ist der fast 27 Jahre alte Riegensenior Hambüchen als Allrounder unersetzlich, wenn am Samstag der Qualifikationswettkampf beginnt.

Chefcoach Hirsch: "Allein durch den Ausfall von Marcel dürften uns 1,5 bis 2 Punkte fehlen. Wir brauchen einen starken Fabian Hambüchen."

Fast immer in Form

Wie wichtig der alte Haudegen für die deutsche WM-Riege ist, bewies das Podiumstraining im Guangxi Sports Center.

Nur Hambüchen gelang ein sturzfreier Durchgang, kein Teamkollege kam ohne größeren Patzer durch.

Einer, der den Vize-Weltmeister am Reck aus langen gemeinsamen Jahren im Nationaltrikot und beim ehemaligen deutschen Mannschaftsmeister KTV Straubenhardt besonders gut kennt, hat das Phänomen Hambüchen kürzlich so kurz wie treffend auf den Punkt gebracht.

"Fabian", sagte Thomas Taranu, 2010 WM-Dritter mit dem deutschen Team, "ist eigentlich immer in Form."

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