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Hörmann ist seit 2013 DOSB-Präsident
Alfons Hörmann wurde als DOSB-Präsident einstimmig im Amt bestätigt © getty

DOSB-Präsident Alfons Hörmann bekommt einen überwältigenden Vertrauensbeweis. Die Wahl zwischen Berlin und Hamburg gibts nicht.

Dresden - Klares Ja zu Olympia in Deutschland, überwältigender Vertrauensbeweis für Präsident Alfons Hörmann, warnende Worte durch Innenminister Thomas de Maiziere:

Die 10. Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Dresden brachte die erwarteten Ergebnisse.

Hörmann der große Gewinner

Großer Gewinner war Hörmann, der einstimmig von den 456 anwesenden Mitgliedern für vier weitere Jahren im Amt bestätigt wurde.

"Wir werden mit viel Einsatz und nach bestem Wissen und Gewissen für den deutschen Sport tätig sein", sagte der Nachfolger des heutigen IOC-Präsidenten Thomas Bach stellvertretend für das gesamte neue Präsidium.

Auch der neue Vizepräsident Leistungssport, Judo-Olympiasieger Ole Bischof, wurde ohne Gegenstimme bei sechs Enthaltungen ins Amt gewählt.

Klares Votum für Olympische Spiele

Ebenfalls einstimmig wie Hörmanns Wahl fiel das Grundsatzvotum für die Austragung Olympischer Spiele 2024 oder notfalls 2028 aus.

Auch die Satzungs- und Strukturreform der Führungsgremien, die der ehrenamtliche Präsident Hörmann quasi als Aufsichtsrats-Chef und der hauptamtliche Vorstandsvorsitzende Michael Vesper anführen werden, wurde bei nur einer Gegenstimme mit der notwendigen Dreiviertelmehrheit abgenickt.

De Maiziere und Hörmann machten sich erneut nachdrücklich für das Projekt Olympia stark.

"Die Bewerbung ist total richtig", sagte der Innenminister und betonte, dass es nicht um eine Bewerbung Hamburgs oder Berlin gehe, sondern um eine "deutsche".

"Deutschland kann Olympia"

Laut Hörmann wolle man die Bürgerinnen und Bürger davon überzeugen, "dass die olympischen Werte nach wie vor erstrebenswert" seien.

Er ergänzte: "Sport-Deutschland will Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland, und wir sind alle sicher, Sport-Deutschland kann Olympische Spiele!"

Sowohl der DOSB-Präsident, als auch der Innenminister brachten ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass Bachs IOC-Reformagenda, die am Dienstag in Monaco beschlossen werden soll, zu einer besseren Stimmungslage in den potenziellen Bewerberstädten beitragen wird.

Berlin oder Hamburg? Mitglieder haben nicht die Wahl

Voraussetzung für eine Bewerbung ist dann ein positives Bürgervotum in der potenziellen Ausrichterstadt.

Die Entscheidung über den Bewerber fällt auf einer außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung am 21. März 2015 in der Frankfurter Paulskirche - allerdings werden die Mitglieder dann nicht die Wahl haben, ob sich Berlin oder Hamburg um die Olympischen Spiele 2024 bewerben soll. (NEWS: Kein Zweikampf Berlin/Hamburg)

Hörmann wies auf die bereits zuvor getroffene Regelung hin, nach der die Mitglieder nur noch über den vom DOSB-Präsidium fünf Tage zuvor empfohlenen Bewerber abzustimmen. Die Empfehlung wird auch öffentlich gemacht.

Abstimmung "nicht sinnvoll"

Eine Abstimmung über beide Städte durch die Mitgliederversammlung hätten laut Hörmann ein Großteil der Mitgliedsverbände, beide Städte, das Präsidium und auch der Bund als "nicht sinnvoll" erachtet.

"Wir können allerdings keinem Mitgliedsverband verbieten, Anträge zu stellen. Ob das dann sinnvoll ist, ist etwas anderes", ergänzte Hörmann.

Bis spätestens 8. Januar 2016 müssen Bewerbungsunterlagen und eine Finanz-Garantieerklärung beim IOC eingereicht werden.

Zurück an die Weltspitze

Dass die Macher trotz aller Harmonie und Einigkeit in Dresden nicht sorgenfrei waren, verdeutlichten Hörmann und de Maiziere fast wortgleich, als sie betonten, der deutsche Spitzensport stehe "am Scheideweg".

"Entweder wir gehen langsam Schritt für Schritt in Richtung Mittelmaß - verdeckt durch einige großartige Spitzensportler, die das ein bisschen kaschieren. Das hat bereits begonnen. Oder aber, wir gehen entschlossen und mutig wieder zurück in die Weltspitze, wo wir hingehören", sagte de Maiziere, der für seine Ausführungen donnernden Applaus der Delegierten erhielt.

Diskussionen um Förderung

Erneut verwies de Maiziere auf angestrebte Veränderungen in der Spitzensportförderung, die bis 2016 vorgestellt werden sollen.

Der 60-Jährige deutete dabei an, dass sich der organisierte Sport vor allem in der Breite der bisherigen Förderung auf Veränderungen einstellen muss.

"Breite ist nicht alles. Breite heißt nicht, dass alle gleich behandelt werden", sagte de Maiziere: "Breite heißt nicht Vollständigkeit, aber die völlige Konzentration wäre auch falsch."

Breite vs. Spitze

In dieser Sache deuten sich schwierige Verhandlungen an, die Hörmann und de Maiziere ab Januar führen wollen, denn die Worte des DOSB-Präsidenten plädierten deutlicher für eine breite Förderung.

Eine auch finanzielle Fokussierung auf medaillenträchtige Verbände "kann nicht unser Weg sein", sagte Hörmann: "Wir müssen breiter aufgestellt bleiben. Wir lassen keine Verbände fallen, wie es zuletzt beim Curling kolportiert wurde."

Voting für Anti-Doping-Kampf

Grundsätzliche Einigkeit herrschte im Punkt Anti-Doping-Kampf.

Wohl auch mit Blick auf die Enthüllungen über ein staatlich gestütztes Dopingsystem in Russland erklärte de Maiziere: "Kann das unser Weg sein? Ein ganz klares Nein!"

Hörmann kündigte einen "nationalen und internationalen Anti-Doping-Kampf mit aller Konsequenz" an. (BERICHT: Das große Dopingbeben)

Der DOSB-Präsident ließ keine Zweifel daran, dass die Unstimmigkeiten mit den Ministerien für Justiz und Inneres über das Anti-Doping-Gesetz ausgeräumt werden sollen.

"Dieses Thema muss vom Tisch und wird vom Tisch kommen", sagte Hörmann.

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