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München - Nach der Hai-Attacke auf Mick Fanning wird nicht nur der Angegriffene als Held gefeiert. Auch Finalgegner Julian Wilson erhält von der Surfwelt Lob in höchsten Tönen.

Von Henner Thies und Stefan Junold

Julian Wilson und Mick Fanning haben viel gemeinsam: Beide kommen aus Australien. Beide kämpfen in diesem Jahr um die Krone in der besten Surfliga der Welt, der World Surfing League (WSL). Seit dem 19. Juli 2015 verbindet sie zudem ein im Surfsport einmaliges Ereignis.

"Ich habe Julian signalisiert, dass er zum Strand paddeln soll. Aber er hat sich nicht beirren lassen und ist mir zur Hilfe geeilt", erklärte Fanning im TV-Interview kurz nach der Attacke eines Hais im Finale der J-Bay Open vor der Küste Südafrikas und fügte hinzu: "Was für eine Legende."

"Dachte, ich würde zu spät kommen"

Wilson selbst schien von dem unvorhersehbaren Angriff des Raubfisches auf seinen Freund und Konkurrenten noch mehr mitgenommen zu sein als Fanning selbst. Immer wieder musste der 26-Jährige sein Interview abbrechen. Zu groß war der Schock über das Erlebte.

"Ich war einige hundert Meter von Mick entfernt, als ich sah, wie hinter ihm dieses Ding auftauchte", schilderte Wilson. Dann kamen dem Titelanwärter die Tränen. "Ich habe noch gesehen, wie er unter Wasser gezogen wurde, dann habe ich ihn nicht mehr gesehen. Ich bin gepaddelt wie ein Wahnsinniger, aber ich dachte, ich würde zu spät kommen", so Wilson weiter.

Im Angesicht des Todes hatte er dennoch einen Verteidigungsplan zurechtgelegt.

Mick Fanning und Julian Wilson
Julian Wilson (l.) und Mick Fanning kämpfen gegen Haie und um den WM-Titel © twitter.com/WSL

"Ich dachte, zur Not habe ich mein Brett, mit dem kann ich den Hai angreifen", erklärte der Dritte der Gesamtwertung. Nachdem Boote und Jet-Skis gekommen waren und die beiden Helden sicher zum Strand befördert hatten, reagierte Wilson erleichtert: "Ich bin einfach nur froh, dass Mick am Leben ist."

"Purer Instinkt" im Angesicht des Todes

Für seinen unglaublichen Mut wird Wilson nun von der Surfwelt in höchsten Tönen gelobt.

Kieren Perrow, Chef der WSL, sagte: "Zu sehen wie Julian in solch einer Ausnahmesituation auf Mick zupaddelt, um ihm zu helfen, war das Heldenhafteste, das ich je gesehen habe. Er wusste, dass Mick und er in Lebensgefahr waren und trotzdem ist er Mick zur Hilfe geeilt. Dieses Bild werde ich nie mehr vergessen."

"Das war purer Instinkt, sowohl von Mick als auch von Julian", analysierte TV-Kommentator Peter Mel.

Sprachloser Rekord-Weltmeister

Auch einer der ganz Großen der Szene war angesichts des historischen Ereignisses völlig aus dem Häuschen.

"Als ich die Bilder der Attacke gesehen habe, wollte ich lachen und weinen zugleich. Ich bin sprachlos", sagte der mit elf Titeln dekorierte Rekord-Weltmeister Kelly Slater, der bereits seit 22 Jahren auf der WM-Tour surft. Dennoch: Die Hai-Attacke war auch für ihn ein unglaubliches Novum.

Es war der erste Vorfall dieser Art überhaupt, der von TV-Kameras festgehalten wurde.

Erstaunlich war ebenfalls, was nach der Rückkehr an Land passierte. Nachdem die Wettbewerbsleitung entschieden hatte, das Event abzubrechen und die beiden Finalisten als Zweitplatzierte zu werten, musste noch die Frage der Preisgeldvergabe geklärt werden.

In einer Diskussion mit Perrow einigten sich Fanning und Wilson darauf, die Prämie für den ersten Platz zu teilen. So wird es zumindest von der WSL beschrieben. Damit sind beide um etwa 50.000 US-Dollar - und um ein gemeinsames, unvergessliches Erlebnis - reicher.

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