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Laura Grasemann im Einsatz auf der Buckelpiste
Laura Grasemann debüttierte 2008 im Buckelpisten-Weltcup © Florian Schöllhorn

Frankfurt am Main - Laura Grasemann ist Kandidatin für die Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres. Die Buckelpistenfahrerin erklärt im Interview, wie sie auch ohne finanzielle Förderung besteht.

Laura Grasemann wurde im Januar 2015 bei ihrer ersten Ski Freestyle-Weltmeisterschaft auf der Buckelpiste Neunte und überraschte auch im Weltcup durch vier Finalteilnahmen und Platz 24 im Gesamtweltcup – trotz großer Widrigkeiten, denn der Verband hatte im März letzten Jahres die Förderung der Disziplin Buckelpiste eingestellt.

Parallel zum Leistungssport studiert die 23-Jährige Molekulare Biotechnologie an der Technischen Universität München.

Wie Ringerin Aline Focken und drei weitere DOSB-Athleten ist Grasemann Kandidat bei der Wahl zum "Sport-Stipendiat des Jahres".

Frage: Im Februar 2014 hast Du in Sotschi Dein bis dahin sportliches Highlight erlebt, nur einen Monat später dann erfahren, dass der Verband die Förderung Deiner Disziplin einstellt. Hast Du in diesem Moment darüber nachgedacht aufzuhören?

Grasemann: Ganz klar ja. Das haben wohl alle gedacht. Ich hatte das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Aber dann stellte sich Trotz ein, nach dem Motto „jetzt erst recht“. Da hatten wir, das ganze Team, aber noch keine Vorstellung von dem Ausmaß, das mit der Streichung verbunden war. Die Einstellung der Fördermaßnahmen hatte zur Folge, dass wir einen Trainer organisieren und selbst finanzieren, mit Privatfahrzeugen zu Trainingslagern und Wettkämpfen fahren mussten, im Zeitraum zwischen August und Februar blieb sogar die Sporthilfe-Förderung aus. Wir mussten die gesamte Saison aus eigener Tasche finanzieren.

Frage: Wie ist Dir das gelungen?

Grasemann: Es wurde an jedem Ende gespart. Wir sind zum Beispiel mit dem Auto ins Trainingslager nach Norwegen gefahren, zwei Tage hin, zwei Tage wieder zurück. Bei einem Großteil der Wettkämpfe mussten wir auf sämtliche Betreuer und Physiotherapeuten verzichten. Um überhaupt die Saison bestreiten zu können, habe ich Tennis-Trainerstunden gegeben – neben eigenem Training und Studium.

Frage: Wie bekommst Du Arbeit, Sport und Studium unter einen Hut?

Grasemann: In meinem letzten Jahr des Bachelor-Studiums habe ich zum Beispiel eine Klausur um 6 Uhr morgens von Kanada aus geschrieben, anschließend ging es zum Frühstück, eine Stunde später begann das Aufwärmen für den finalen Trainingstag vor dem Weltcup in Val St Come.

Frage: Wärst Du gerne Profi-Skifahrerin?

Grasemann: Das Studium ist ein wichtiges zweites Standbein von mir, das ist mir durch die Verbandssituation im letzten Jahr ganz klar geworden. Schön wäre natürlich eine stärkere finanzielle Unterstützung und ich bin froh, dass ich im Februar nach der WM rückwirkend Sporthilfe-Förderung erhalten habe und weiter erhalte. Durch das Deutsche Bank Sport-Stipendium muss ich – bei einem Stundenlohn von 18 Euro – pro Monat rund 23 Tennis-Trainerstunden weniger geben. Allerdings bin ich die einzige Athletin aus meinem Team, die diese Förderung aktuell erhält.

Frage: Wenn Du einen Wunsch frei hättest, damit Du Spitzensport und Studium auch weiterhin gut vereinbaren kannst, dann…

Grasemann: … würde ich mir wünschen, dass die Förderung gerechter auf alle Sportarten verteilt wird. Mit mehr Unterstützung von Verbandsseite könnten wir unser großes Ziel Olympia 2018 etwas beruhigter angehen.

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