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Ringerin Aline Focken in Aktion - 2014 wurde sie Weltmeisterin © Getty

Frankfurt am Main - Aline Focken ist Weltmeisterin im Ringen - und hat mit Sport, Studium und Arbeit eine Riesenbelastung. Im Interview spricht sie übers Kilometersammeln und die Sehnsucht nach längeren Mittagspausen.

Aline Focken gewann im September 2014 in Usbekistan als erste deutsche Athletin seit zwölf Jahren die Goldmedaille bei den Ringer-Weltmeisterschaften.

Parallel zum Leistungssport studiert die in Krefeld beheimatete Ringerin, die bereits im Alter von fünf Jahren mit ihrer Sportart begann, an der Deutschen Hochschule in Saarbrücken im Masterstudiengang "Prävention und Gesundheitsmanagement".

Bisher hat die 24-Jährige alle Klausuren im ersten Versuch bestanden und ist stets in der Regelstudienzeit geblieben. Neben Sport und Studium arbeitet die Kandidatin bei der Wahl zum "Sport-Stipendiat des Jahres" zudem als Sporttherapeutin.

Im Interview spricht Focken, die beim Votum gegen Maximalian Hartung, Sophia Saller, Maike Naomi Schnittger und Laura Grasemann antritt, über die Dreifachbelastung von Sport, Studium und Arbeit sowie Kilometerfressen und die Sehnsucht nach längeren Mittagspausen.  

"Im Schnitt 500 km pro Woche"

Frage: Im vergangenen Jahr wurdest Du überraschend Weltmeisterin. Wirkt dieser Erfolg heute noch nach?

Aline Focken: Nach der WM sind für mich viele schöne Dinge passiert. Ich habe einige Sponsoren bekommen, regional war das Medieninteresse sehr groß, in Ringerkreisen sowieso, ich wurde zu vielen Veranstaltungen und Ehrungen eingeladen. Einerseits ist das eine große Ehre für mich, andererseits schaffe ich es kaum, allem nachzukommen. Meine Woche ist von Montag bis Freitag streng durchgetaktet, weitere Termine sind schwierig, da geht mein Rhythmus im Alltag verloren.

Frage: Wie sieht denn der Alltag aus?

Focken: Bevor ich um 9 Uhr mit dem Auto 60 km nach Dormagen zum Training fahre, lerne ich morgens früh für mein Studium. Nach dem Training geht es weiter 30 km nach Neuss, wo ich bis nachmittags als Therapeutin arbeite, anschließend wieder zum Training und abends steht dann eventuell nochmals Lernen an. Pro Woche trainiere ich somit zehn Einheiten, arbeite 10 bis 15 Stunden in der Praxis, dazu kommt das Studium. Zum Glück bin ich aufgrund des Fernstudiengangs hier ein wenig ortsunabhängiger. Aber auch so kommen im Schnitt 500 km pro Woche zusammen.

Frage: Bist Du darauf angewiesen, neben Sport und Studium zu arbeiten?

Focken: In der Regel ja. Im März wurde ich jedoch ins ElitePlus-Programm der Deutschen Sporthilfe aufgenommen, so dass ich seitdem für die Zeit bis zu den Olympischen Spielen nächstes Jahr die Arbeitszeiten ein bisschen reduzieren kann. Auch das Deutsche Bank Sport-Stipendium hilft natürlich. Ganz aufgeben will ich das Arbeiten vor Rio aber nicht, denn ich will weiter berufliche Erfahrungen sammeln und es tut mir gut, hier auch mit Leuten zu tun zu haben, die nicht aus dem Sport kommen.

Frage: Du sprichst Rio 2016 an, zählst Du Dich als Weltmeisterin zu den Favoritinnen?

Focken: Bei uns ist die Leistungsdichte sehr groß, in meiner Gewichtsklasse bis 69 kg kämpfen etliche ehemalige Weltmeisterinnen mit. Für dieses Jahr steht als oberstes Ziel zunächst die Olympia-Quali an. Dafür muss ich bei den Weltmeisterschaften im September mindestens Platz sechs erreichen.

Frage: Wenn Du einen Wunsch frei hättest, damit Du Spitzensport und Studium auch weiterhin gut vereinbaren kannst, dann…

Focken: …würde ich mir wünschen, dass der Tag ein bisschen länger wäre. Dann hätte ich vielleicht Zeit für eine Stunde Mittagspause und für Familie und Freunde. Das ist auch etwas, was mir fehlt.

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