vergrößernverkleinern
Hulk Hogan ist der berühmteste Wrestling-Star aller Zeiten WWE Rassismus Wrestling
Hulk Hogan ist der berühmteste Wrestling-Star aller Zeiten © Getty Images

München - Die Wrestlingliga WWE distanziert sich nach dem Skandal von Legende Hulk Hogan. Doch ihr Rassismus-Problem liegt tiefer, als der Fall nahelegt - und ist Teil der Show.

Der Schnitt nach dem Skandal war radikal, so radikal es nur ging.

Die Wrestlingliga WWE entließ Hulk Hogan nicht nur, sie beseitigte auf ihrer Website alle Spuren ihres einstigen Idols, nachdem bekannt wurde, dass der 61-Jährige rassistische Beleidigungen gegen das private Umfeld seiner Tochter losgelassen hatte.

So konsequent wie Hogan wurde zuletzt Chris Benoit aus dem öffentlichen Gedächtnis der Firma gelöscht - der Wrestler, der 2007 seine Frau, sein Kind und sich selbst tötete.

Eine Konsequenz, die das Schaukampfunternehmen in solchen Dingen nicht immer an den Tag legt. Die Liga, bei der künftig auch Ex-Nationalkeeper Tim Wiese antreten soll, hat hier ein Problem, das größer ist als die Affäre Hulk Hogan.

Die WWE hält die Vielfalt hoch

"Die WWE ist Menschen aller Hintergründe verbunden und feiert sie - so wie es die Vielfalt unserer Angestellten, Wrestler und Fans weltweit demonstriert", hielt die Liga im Zuge von Hogans Verbannung fest. Ein Statement, das sie vor einem Jahr schon wortgleich an das Magazin The Atlantic sandte, als das der Rassismus-Frage im Wrestling nachging.

Tatsächlich kann man der WWE mangelnde Vielfalt erstmal nicht vorwerfen. Ihre Stars von früher und heute gehören verschiedensten Ethnien an. Der afroamerikanisch-samoanische Dwayne "The Rock" Johnson schaffte es in der Liga bis ganz nach oben, und von dort auf die Hollywoodleinwand. Auch der schwarze und offen homosexuelle Darren Young ist in der WWE aktiv, die hier sogar weiter ist als - sagen wir: die Fußball-Bundesliga.

Der Anteil schwarzer Anhänger der WWE ist nach ihren eigenen Erhebungen größer als der Anteil Schwarzer in der US-Bevölkerung insgesamt, die Liga hat die Fanmärkte weltweit im Blick: Rassismus kann sie sich also schon aus geschäftlichen Gründen eigentlich nicht leisten.

WWE Monday Night Raw In Las Vegas
Mark Henry (l., mit Ex-WWE-Kollege Montel Vontavious Porter) war zweimal World Champion der WWE © Getty Images

Spiel mit den Stereotypen

Trotzdem löst die Art und Weise, wie die Liga in ihrem Programm mit ethnischen Stereotypen spielt, immer wieder Kritik aus.

Schwarze, Samoaner und Lateinamerikaner traten und treten in der WWE regelmäßig als Klischee-Charaktere auf: Als Gangster- und Zuhältertypen, als Rapper-Karikaturen, als (böse) Black-Power-Aktivisten, als Afro-Krieger (Kamala, Saba Simba).

"Beim Wrestling geht es darum, Knöpfe bei einem zu drücken", zitiert das Portal Daily Beast einen früheren WWE-Autoren: "Was auch immer der Knopf ist, der am einfachsten zu drücken ist. Du verkaufst Emotionen, du machst Geld."

In den vergangenen Jahren hat die WWE sich in dieser Hinsicht bemüht, mehr Sensibilität zu zeigen, arbeitete dazu auch mit Anti-Diskriminierungs-Organisationen zusammen. Hinter den Kulissen aber scheint mehr im Argen zu liegen.

Entgleisungen hinter den Kulissen

Im Jahr 2008 soll der hochrangige Drehbuchautor Michael Hayes Wrestler Mark Henry das N-Wort entgegengerufen haben. Die WWE suspendierte Hayes nur kurzzeitig, er ist bis heute Teil der Liga. Bobby Lashley, gerade dabei, als Topstar aufgebaut zu werden, ging im selben Jahr in Unfrieden. Auch bei ihm sollen rassistische Beleidigungen durch Hayes der Grund gewesen sein.

Erst im vergangenen Sommer ohrfeigte der mexikanische Ex-Champion Alberto Del Rio einen Social-Media-Redakteur der WWE, der einen rassistischen Witz auf seine Kosten machte. "Eigentlich ist es dein Job, meinen Tisch sauber zu machen", sagte er nach Berichten mehrerer Quellen. Die Liga trennte sich stillschweigend von dem Redakteur, aber auch von Del Rio - wegen "unprofessionellen Verhaltens".

Vince McMahon und Triple H bei einer WWE-Show 2009
WWE-Boss Vince McMahon (l.) und sein jetziger Vizepräsident Triple H bei einer Show 2009 © Getty Images

Del Rio hielt der WWE darauf vor, dass den kleinen Angestellten solche Dinge von oben vorgelebt würden: "Wir hören ständig solche rassistischen Witze von dir, also denken auch andere, dass das okay ist", habe er einer Führungskraft der Liga erklärt. Nach Angaben des seriösen Wrestling Observer war es Paul Michael Levesque alias Triple H, langjähriger Star und heute Vizepräsident der WWE.

Auch Vince McMahon, Boss des Imperiums und Schwiegervater Levesques, wird von Ex-Mitarbeitern ein Hang zu mindestens grenzwertigen Bemerkungen vorgeworfen.

Ein Systemfehler

Von einem Systemfehler sprechen Del Rio und auch andere frühere Angestellte der WWE wie der Autor Court Bauer oder Wrestler Jayson "JTG" Paul: Auf den Entscheider-Positionen seien Minderheiten unterrepräsentiert, die nicht-weißen Performer spürten es, mal mehr, mal weniger offensichtlich. "Schwarze Wrestler müssen doppelt so hart arbeiten wie weiße", glaubt Paul.

Das Durchgreifen gegen Hogan wirkt vor diesem Hintergrund eher wie eine PR-Maßnahme als ein Akt der Überzeugung, auch weil die WWE in anderen Fällen moralischer Verfehlungen keineswegs so rigoros war.

Stone Cold Steve Austin zum Beispiel, der größte WWE-Star der späten Neunziger, wurde 2002 wegen häuslicher Gewalt gegen seine damalige Ehefrau zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Distanziert hat die Liga sich deswegen nicht von ihm, sie engagiert ihn bis heute regelmäßig für Auftritte - und die Fans bejubeln ihn.

2009 nahm die WWE Austin in ihre Hall of Fame auf. Die Hall of Fame, aus der Hogan nun herausgelöscht wurde.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel