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Sebastian Brendel holte in Mailand sein viertes Gold bei Weltmeisterschaften
Sebastian Brendel holte in Mailand sein viertes Gold bei Weltmeisterschaften © DPA Picture-Alliance

Sebastian Brendel holt sich bei der Kanu-WM den Titel, auch Rendschmidt/Groß triumphieren. Max Hoff enttäuscht dagegen - und zwei Europameister motzen nach Bronze-Klau.

Sebastian Brendel lag nach seiner furiosen Aufholjagd völlig ausgepumpt minutenlang auf dem Siegersteg, das Goldduo Max Rendschmidt/Marcus Groß feierte derweil ausgelassen: Die deutschen Kanuten haben am ersten Finaltag der WM in Mailand zwei Titel in den olympischen Klassen eingefahren.

Damit ist schon jetzt die magere Bilanz von Moskau 2014 übertroffen. Canadier-Olympiasieger Brendel siegte denkbar knapp über seine 1000-m-Paradestrecke, Rendschmidt/Groß ließen der Konkurrenz im Kajak-Zweier über den Kilometer keine Chance.

"Wir sind zurück. Wir haben offensichtlich die richtigen Lehren gezogen", sagte ein erleichterter Verbandspräsident Thomas Konietzko, der sich zudem über Bronze der Olympiasiegerinnen Franziska Weber/Tina Dietze (Potsdam/Leipzig) im K2 über 500 m freute.

Hoff "tief enttäuscht"

Eine Enttäuschung war unterdessen der Auftritt von Mitfavorit Max Hoff (Essen). Der Europameister verpasste als Vierter im Kajak-Einer über 1000 m die Medaillen deutlich und war danach "tief enttäuscht".

Ronald Rauhe und Tom Liebscher (l.) mussten nach Platz 3 erneut antreten - und verpassten eine Medaille
Ronald Rauhe und Tom Liebscher (l.) mussten nach Platz 3 erneut antreten - und verpassten eine Medaille © Getty Images

Sauer waren derweil die Europameister Ronald Rauhe/Tom Liebscher. Das Duo aus Potsdam und Dresden hatte im Finale des Kajak-Zweiers über 200 m zunächst Platz drei belegt, doch das Rennen musste nach einem Fehlstart wiederholt werden.

Bei der Neuauflage reichte es nur zu Rang sechs. Rauhe trat im Anschluss wütend eine Wasserflasche weg, Liebscher starrte fassungslos ins Leere. "Wir haben die letzten Jahre hart gearbeitet - und dann so etwas", sagte Liebscher.

Acht Quotenplätze für Rio sicher

Nach einem Wechselbad der Gefühle auf der Regattastrecke Idroscalo war Cheftrainer Reiner Kießler daher "zufrieden, aber nicht glücklich".

Das ambitionierte Ziel von sechs Medaillen in den zwölf olympischen Disziplinen wird für den Deutschen Kanu-Verband (DKV) nur schwer zu erreichen sein, mit zwei Titeln wurde aber ein Teilziel schon einmal erreicht.

Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Rio verspürt der erfolgsverwöhnte Verband wieder Rückenwind, nachdem er bei der WM vor einem Jahr mit nur einer Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung zu verzeichnen hatte. Acht Quotenplätze für Rio sind bereits sicher.

Brendel bekämpft Nervosität

In Mailand war derweil auf Top-Athlet Brendel wieder einmal Verlass, auch wenn es der 27 Jahre alte Titelverteidiger spannend machte und erst dank seines sensationellen Schlussspurts im Ziel 0, 017 Sekunden vor dem Tschechen Martin Fuksa lag.

"Ich war vor dem Start unsicher und nervös. Ich habe auf dem letzten Viertel alles rausgehauen. Da wurde Fuksa wohl auch nervös, als ich ankam", sagte Brendel, der mit der Goldmedaille um den Hals sichtlich bewegt der Nationalhymne lauschte.

Brendel sieht durch den Erfolg nun aber "ein Stück größeren Druck" für Rio: "Jetzt genieße ich aber erst einmal den Moment. Das Glück war ein wenig auf meiner Seite".

Hering/Kriegerstein triumphieren

Den Moment genossen auch Rendschmidt/Groß (Berlin/Essen), die schon 2013 bei der Heim-WM in Duisburg Gold gewonnen hatten. "Das gibt uns einen richtigen Motivationsschub. Wir haben den Grundstein für das nächste Jahr gelegt", sagte Groß, der nach der Siegerehrung seiner langjährigen Freundin Kathi einen Heiratsantrag machte

Über die nicht-olympischen 1000 m im Kajak-Zweier der Damen bescherten Sabrina Hering (Hannover) und Steffi Kriegerstein (Dresden) dem DKV Gold.

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