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Der Kanu-Olympiasieger triumphiert bei der Wahl in Belek und wird Nachfolger von Eric Frenzel. Zwei Kampfsportler, eine Biathletin und eine Speerwerferin haben das Nachsehen.

Am Ende ließ es der "Champion des Jahres" standesgemäß krachen. Von seinen Kanu-Kollegen auf den Schultern getragen, tanzte Sebastian Brendel ausgelassen zu heißer Diskomusik. In der einen Hand den Pokal, in der anderen einen Cuba Libre, in den Augen Stolz.

"Kurz nach dem Olympiasieg" - so ordnete der Kanufahrer die prestigeträchtige Auszeichnung ein: "Das ist eine Riesenehre für mich."

Die Krönung einer perfekten Saison

77 deutsche Spitzensportler hatten den Potsdamer zum Abschluss der gemeinsamen Urlaubswoche unter türkischer Sonne im Küstenort Belek zum Besten der Besten gewählt. Für Brendel, der sowohl bei der WM als auch der EM Doppelsiege im Canadier-Einer eingefahren hatte, war es die Krönung einer perfekten Saison.

Die Wahl lohnt sich für ihn auch materiell: Der 27-Jährige darf sich über einen Kleinwagen, eine Traumreise und ein lebenslanges Teilnahmerecht beim Event "Champion des Jahres" freuen.

Brendel setzte sich bei der Wahl gegen Biathletin Laura Dahlmeier, Speerwerferin Katharina Molitor, Ringerin Aline Focken und Judoka Karl-Richard Frey durch. An "Mr. Zuverlässig", der schon 2014 nominiert war, führte in diesem Jahr kein Weg vorbei.

Rodler Felix Loch war einer der ersten Gratulanten und bezeichnete Brendel als "einen der Großen im Sport."

Volle Attacke in Rio

"Weltcups, Europameisterschaft, Europaspiele, Weltmeisterschaft - alles habe ich gewonnen. Jetzt muss ich natürlich Gas geben, dass das mindestens noch ein Jahr so weiter geht", sagt Brendel. Denn bei den Olympischen Spielen will er seinen Gold-Coup von London wiederholen: "Ich will in Rio noch mal zuschlagen."

Seit 2013 ungeschlagen

Dafür wird Brendel, der auf seiner Paradestrecke 1000 m seit 2013 ungeschlagen ist, ab Montag wieder alles aus seinem Körper herausholen. Der Potsdamer ist extrem trainingsfleißig und hochprofessionell.

Wahrscheinlich kann er sich deshalb immer wieder auf seinen famosen Schlussspurt verlassen. So wie beim Gold-Krimi bei der WM in Mailand, als er mit einem hauchdünnen Vorsprung von 17 Tausendstelsekunden vor dem Tschechen Martin Fuksa siegte.

"Meine Freundin wird dabei auch immer verrückter", sagt Brendel: "Sie wünscht sich, dass sie sich die Wettkämpfe etwas entspannter anschauen kann."

"Nachwuchs steht in den Startlöchern"

Entspannt wird sich Brendel die olympischen Rennen 2024 ansehen - am liebsten natürlich in Hamburg. "Das wäre ein super Ereignis. Ich wäre da zwar nicht mehr aktiv, aber man schaut sich das ja auch gerne von der Tribüne aus an", sagt er: "Wir haben guten Nachwuchs, der steht schon in den Startlöchern."

Bevor Brendel am Samstag mit dem Preis im Koffer die Heimreise antrat, hatte er den einwöchigen Aktivurlaub in vollen Zügen genossen. "Man lernt hier viele Sportler kennen, die man sonst nicht trifft. Man kann sich austauschen, Kontakte knüpfen", sagt der Kanute, der auch im Urlaub nicht von seinem Element Wasser lassen konnte: Er fuhr Jetski, machte beim Stand up Paddling eine gute Figur und hatte Spaß beim rasanten Rafting.

Außerdem probierte sich Brendel wie die meisten anderen Athleten auch im Axtwerfen und Kettensägen: "Das war eine richtige Männersache."

Die Zeit zwischen den vielen Aktivitäten genoss der Familienvater mit seiner Frau und seinen zwei Kindern, die ihn auch bei vielen Wettkämpfen begleiten. Dieser Rückhalt gibt Brendel Kraft - und eine verlockende Aussicht für die Zeit nach der Karriere: "Ein paar Jährchen werde ich noch paddeln, dann aber auch die Zeit mit der Familie genießen."

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