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Am Abend des Meistermärchens von Leicester City gewinnt Mark Selby die Snooker-WM. Sein Schicksal ist eng mit dem der Foxes verknüpft. Nun will er mit den Fußballern feiern.

Mark Selby küsste seine kleine Tochter Sofia Maria, dann stellte er sie auf den riesigen Snookertisch neben den silbernen WM-Pokal.

Gerührt beobachtete der neue Weltmeister, wie die Einjährige im weißen Kleidchen mit den roten Kugeln spielte. Dann schnappte er sich eine Fahne von Leicester City und posierte im Crucible Theatre für sein Siegerfoto. Binnen zehn Minuten hatten Selby und der Fußballklub aus seiner Heimatstadt gemeinsam Sportgeschichte geschrieben.

Selby, geboren in der Arbeitersiedlung New Parks in Leicester, gewann am Montagabend das Finale der Snooker-Weltmeisterschaft gegen Ding Junhui aus China 18:14.

Ein Schicksal wie das der Foxes

Thema des Abends war jedoch der Doppel-Triumph der 330.000-Einwohner-Stadt, deren Fußballklub Minuten zuvor die englische Meisterschaft gewonnen hatte. "Ich freue mich, mit den Jungs zu feiern. Ein fantastischer Tag für unsere Stadt", sagte Selby.

Das Schicksal des "Jester from Leicester", wie Selby in Snookerkreisen genannt wird, ist eng mit dem des Fußballteams verknüpft: "Vor zwei Jahren sind sie aus der zweiten Liga aufgestiegen, und ich wurde Weltmeister. Nun hole ich erneut den Titel, und sie gewinnen die Premier League. Unglaublich!"

Mit der Faust auf den Tisch

Ins Finale startete Selby furios, er führte schnell 6:0. Ding wirkte müde, ihm unterliefen deutlich mehr Fehler. In der zweiten und dritten Session fing sich der Chinese jedoch und kam auf zwei Frames heran. Selby brach aber nicht zusammen. 

"Ich fühlte in diesem Jahr deutlich mehr Druck als bei meinem ersten Sieg. Ich habe lange nicht mein bestes Snooker spielen können", sagte Selby zu seiner Leistung.

Bezeichnend für die Strapazen des Endspiels eine Szene aus Durchgang 17 am Sonntag: Beim Stand von 9:7 lochte der 32-Jährige einen langen roten Ball und schlug mit der Faust auf den Tisch. Gut für Selby, dass es danach mit drei Frames Vorsprung in die Nacht ging.

Von der Mutter verlassen

Auch wenn er wegen seiner flapsigen Sprüche am Tisch als "Hofnarr" bezeichnet wird, zeichnen Selby Fokus und Nervenstärke aus.

Snooker ist schließlich nur ein Sport, nicht das Leben. Seine Mutter verließ ihn, als er acht war. Sein Vater starb an Krebs, da war Selby gerade 16.

Statt an den Rückschlägen zu scheitern, stellte er sich an den Snookertisch und trainierte wie ein Besessener - und widmet seinem Vater seine Titel: "Er hat sein ganzes Geld für meine Karriere ausgegeben. Ich habe ihm versprochen, dass ich den WM-Titel für ihn gewinne."

Mit den Fußballern in der Kabine?

Selby ist nun der 13. Mehrfach-Weltmeister der Snooker-Geschichte. "Es ist ein unglaubliches Gefühl, jetzt auf einer Stufe mit John Higgins, Mark Williams und Ronnie O'Sullivan zu stehen", sagte Selby bei Eurosport. Der große Turnierfavorit und fünfmalige Weltmeister O'Sullivan war im Achtelfinale an Barry Hawkins gescheitert. Vierfach-Champion Higgins verlor im Viertelfinale.

Selby blickte nach dem Titelgewinn gleich in die Zukunft - vor allem in die unmittelbare. Am Samstag spielt Leicester City gegen den FC Everton und bekommt den Meisterschaftspokal überreicht.

Selby wird im Stadion sein. "Ich weiß nicht, ob die Jungs mich in die Kabine lassen. Ich wäre allerdings mehr als glücklich, die Premier-League-Trophäe zu sehen und damit ein Foto zu machen."

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