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Die Ruderin Carina Bär wurde 2015 Vize-Weltmeisterin im Doppelvierer
Die Ruderin Carina Bär wurde 2015 Vize-Weltmeisterin im Doppelvierer © Deutscher Ruderverband

Frankfurt am Main - Ruderin Carina Bär, Kandidatin zum Sport-Stipendiat des Jahres, spricht im Interview über ihre Olympia-Vorbereitung, ein schwebendes Boot und Ablenkung durchs Lernen.

Carina Bär gewann im September 2015 bei den Weltmeisterschaften Silber im Doppelvierer. Bei den Olympischen Spielen in Rio zählt sie gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen zu den Medaillenkandidaten. 

Die 26-Jährige studiert Humanmedizin an der Ruhr-Universität in Bochum. Im Sommersemester 2015 hat sie den theoretischen Teil des Studiums in Regelstudienzeit erfolgreich abgeschlossen. 

Neben vier weiteren Weltklasse-Athleten ist Bär Kandidatin bei der Wahl zum "Sport-Stipendiat des Jahres".

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Im Interview spricht sie über über ihre Olympia-Vorbereitung, das Gefühl eines schwebenden Boots sowie die Vereinbarkeit von Sport und Studium.

Frage: Aktuell bereiten Sie sich im Trainingslager auf die Olympischen Spiele vor. Wie sieht der Feinschliff für Rio aus?

Carina Bär: Für einen guten Vierer macht das Zusammenspiel sehr viel aus, wir arbeiten aktuell intensiv am Rhythmus. Wenn es läuft, haben wir das Gefühl, das Boot schwebt über das Wasser. Aber Spaß macht es allenfalls am Anfang, das letzte Drittel ist extrem anstrengend, da schmerzt jeder einzelne Muskel.

Frage: Ist eine Medaille in Rio planbar?

Bär: Wir können hart daran arbeiten, bei den Spielen unsere stärkste Leistung zu bringen, aber wie stark die anderen sind, können wir nicht beeinflussen. Planen kann man deshalb eine Medaille nicht. Wir haben die letzten drei Jahre versucht, das Beste rauszuholen. Im zurückliegenden Winter war die interne Qualifikation sehr hart. Bis April hat einen das stark beschäftigt, eigentlich denkt man den kompletten Winter daran. Aber letzten Endes macht uns der Leistungsdruck als Team stärker.

Frage: Haben Sie deshalb vor den Olympischen Spielen zwei Urlaubssemester eingelegt?

Bär: Im Juli letzten Jahres habe ich den theoretischen Teil erfolgreich abgeschlossen. Darauf folgt bei uns Medizinern das Praktische Jahr, sprich jeden Tag von 8 Uhr morgens mindestens acht Stunden Arbeit im Krankenhaus am Patienten. Da ist es unmöglich, auch noch täglich zwei bis drei effiziente Trainingseinheiten einzuschieben. Deshalb habe ich das "PJ" auf die Zeit nach Rio verschoben. Aber es ist schon komisch, sich nur auf den Sport konzentrieren zu können. Dann ist Ablenkung unerlässlich - ich habe angefangen, mein Französisch aufzufrischen und Spanisch zu lernen -, denn wenn man alle Konzentration auf das Training legt, ist es nicht einfach, locker zu bleiben.

Frage: Wie hat sich zuvor der Leistungssport mit dem Medizinstudium vereinbaren lassen?

Bär: Unsere Uni hat einen Vertrag mit dem Olympiastützpunkt, so dass ich entsprechend unterstützt werde. Das heißt nicht, dass mir etwas geschenkt wird, das will ich ja auch gar nicht. Aber es werden mir keine Steine in den Weg gelegt, weil ich größere Fehlzeiten aufgrund von Trainingslagern oder Wettkämpfen habe.

Frage: Wie sehen die Trainer die Doppelbelastung?

Bär: Wenn die sportliche Leistung stimmt, ist es in Ordnung. Das heißt dann aber morgens gegen 7 Uhr die erste Trainingseinheit, anschließend Fahrt von Dortmund nach Bochum zur Uni oder Klinik, nachmittags zurück zum Stützpunkttraining, dann Stabilisation, nach Hause, essen, lernen. Das geht nur mit sehr viel Disziplin.

Frage: Was bedeutet für Sie, für die Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres nominiert zu sein?

Bär: Es ist eine herausragende Anerkennung für das, was man tagtäglich leistet. Sport und Studium ist und bleibt eine Herausforderung, nicht zuletzt, weil kaum Freizeit vorhanden ist. Deshalb bin ich sehr dankbar für die Unterstützung. Noch nebenher arbeiten zu müssen, wäre unmöglich, dann könnte ich den Leistungssport gleich bleiben lassen. Ohne die ElitePlus-Förderung, das Deutsche Bank Sport-Stipendium und meine lokalen Sponsoren hätte ich ein großes Problem.

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