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2015 World Chess Rapid And Blitz Championship
Schachweltmeister Magnus Carlsen ist seit fünf Jahren ungeschlagen. © Getty Images

Magnus Carlsen ist das Wunderkind des Schachs: Mit 22 der erste WM-Titel, seit fünf Jahren ungeschlagen. Abseits des Schachbreitts ist der Norweger auf dem Weg zum Popstar.

Magnus Carlsen kommt viel herum. Sogar an Orte, die es gar nicht gibt.

Nach Entenhausen etwa, wo der Schach-Weltmeister dieser Tage bereits zum zweiten Mal als Figur in einem Donald-Duck-Comic auftaucht. Oder ins fiktive Springfield der Zeichentrick-Serie "Die Simpsons", wo er nach seinem ab Freitag beginnenden dritten WM-Match gegen den Russen Sergej Karjakin ebenfalls eine Gastrolle einnimmt.

Carlsen ist ein Schach-Popstar, nebenbei Model und neuerdings sogar Unternehmer. Kurzum: Er ist der perfekte Werbeträger für seine Sportart.

Als sich der Norweger 2013 im Alter von 22 Jahren erstmals zum Weltmeister kürte, war die Schachwelt in heller Aufregung. Jung, gutaussehend, intelligent - einen besseren Botschafter hätte man sich kaum ausdenken können.

In seine Rolle hineingewachsen

Carlsen sollte die Königsfigur bei dem Bestreben sein, eine breitere Masse für das Spiel der Könige zu begeistern. Drei Jahre später ist er in die angedachte Rolle endgültig hineingewachsen.

Wirkte er früher noch überwiegend schüchtern und verschlossen, ist Carlsen inzwischen wesentlich offener und vor allem präsenter in der Öffentlichkeit. "Ich hoffe, dass ich mehr Leute motivieren kann, Schach zu ihrem Hobby zu machen, besonders Kinder", sagte Carlsen im Februar in einem Interview mit der Zeit.

Schach als "Werkzeug für eine klügere Welt"

Sein Ziel sei es, "Schach als Werkzeug einzusetzen, um die Welt zu einem klügeren Ort zu machen."

Die Sponsoren reißen sich um den 25-Jährigen, unter anderem engagierte eine Jeans-Modelinie den Wuschelkopf mit dem markanten Kinn als Model. Carlsen ist zur Marke geworden.

Über seine Homepage vertreibt er eigene Schach-Artikel, entwickelte zudem eine App, mit der Nutzer beispielsweise gegen sein fünfjähriges Ich antreten können.

Beinahe nebenbei ist Carlsen zudem weiter der mit Abstand beste Schachspieler der Welt. Zwar verlor er im Oktober des Vorjahres in Berlin seinen WM-Titel im Blitzschach, in der klassischen Variante kann dem "Mozart des Schachs" aber nach wie vor kaum jemand gefährlich werden.

Konditionelle Vorteile

Seit Juli 2011 ist Carlsen durchgängig Weltranglistenerster. Auch bei seiner zweiten Titelverteidigung gegen Karjakin ist er der klare Favorit. Carlsens größte Stärken sind seine überragende Kombinations-Fähigkeiten und seine überdurchschnittliche Ausdauer.

Während andere Spieler den Feinheiten der Eröffnung oberste Priorität einräumen, verlässt sich "König Magnus" eher auf seine Improvisations-Künste im Mittel- und Endspiel. Nach oft stundenlanger Anspannung und Konzentration kann er hier gegen die oft älteren Kontrahenten zudem seine konditionellen Vorteile ausspielen und damit Fehler provozieren.

Foto mit Erdogan, Bloomberg und Kissinger

Im Internet kursierte kürzlich ein Foto, das Carlsen bei einer Konferenz in New York zeigte. Mit am Tisch: Der umstrittene türkische Premierminister Recep Erdogan, New Yorks früherer Bürgermeister Michael Bloomberg und der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger.

Über die Gründe, warum das Schach-Genie mit den Politiker-Granden konferierte, wurde anschließend viel gerätselt. Eines zeigt das Bild jedoch allemal: Carlsen ist auch in hohen Gesellschaftskreisen ein gern gesehener Gast - ein echtes Aushängeschild des Schachsports eben.

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