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Clemens Prokop DLV
Clemens Prokop ist unzufrieden mit dem Tempo bei der Aufklärung des Doping-Skandals © Getty Images

DLV-Präsident Clemens Prokop sieht die Glaubwürdigkeit des Sports in Gefahr und will eine schnellere Aufarbeitung des Doping-Skandals in Russland.

Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), fordert eine zügigere Aufarbeitung des russischen Dopingskandals.

"Die Glaubwürdigkeit des gesamten Sports steht auf dem Spiel, und die wird nicht durch die eine oder andere sporadische Aktion wiedergewonnen", sagte Prokop im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten. Die Aufarbeitung müsse viel schneller gehen.

"Radikale Konsequenzen fehlen"

Er vermisse "radikale Konsequenzen – so wie sie der Leichtathletik-Weltverband 2016 mit dem Ausschluss der Russen von Olympia und der EM gezogen hat", so Prokop, der nicht an einen WM-Starterlaubnis für den derzeit gesperrten russischen Verband RUSAF im August in London glaubt: "Ich gehe fest davon aus, dass Russland als Nation nicht an dieser Weltmeisterschaft teilnehmen wird."

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hatte der RUSAF vor kurzem einen Weg aufgezeigt, um seinen Sportlern 2017 ein internationales Startrecht zu ermöglichen. Damit sie unter neutraler Flagge an Wettkämpfen teilnehmen dürfen, müssen die Athleten einen umfangreichen Fragenkatalog beantworten, um nachzuweisen, dass sie von dem laut McLaren-Report staatlich verordneten Doping in ihrer Heimat nicht betroffen waren.

"Glaubwürdigkeit nie wieder zurückgewinnen"

Prokop erneuerte zugleich seine Kritik am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und bekräftigte seine Forderung nach einem Komplett-Ausschluss des Landes. "Es war ein fundamentaler Fehler des IOC, die Russen nicht von den Sommerspielen in Rio auszuschließen", sagte Prokop, "die IOC-Charta ermöglicht es, den russischen Sport grundsätzlich auszuschließen. Wenn das IOC dies jetzt nicht tut, nachdem klar ist, dass 1000 russische Athleten gedopt waren, dann wird der Sport seine Glaubwürdigkeit nie wieder zurückgewinnen."

Die im Auftrag des Kanadiers Richard McLaren arbeitenden Ermittler haben der IAAF jüngst die Namen von 200 russischen Athleten übermittelt, die im Verdacht stehen, Teil der Doping-Maschinerie ihres Landes gewesen zu sein. Insgesamt ist in dem zweiten McLaren-Report, der im Dezember veröffentlicht wurde, von über 1000 betroffenen russischen Sportlern die Rede.

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