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Max Hartung gewann Silber bei der Fecht-WM © Getty Images

Säbelfechter Max Hartung, Vorsitzender der Athletenkommision des DOSB bemängelt die Sportförderung der Bundeswehr. Das Geld könne intelligenter eingesetzt werden.

Säbelfechter Max Hartung (27), der neue Vorsitzende der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), stellt die Sportförderung der Bundeswehr infrage.

"Ich halte die Bundeswehr nicht für ein besonders gutes Instrument der Sportförderung", sagte Hartung im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Bei der Polizei, in den Ländern und beim Bund erhalten die geförderten Athleten eine Berufsausbildung und haben die Aussicht, nach dem Sport übernommen zu werden. Bei der Bundeswehr ist dies generell nicht der Fall", sagte Hartung.

Förderung nicht nach Leistung

Bei Kosten von rund 50 Millionen Euro seien die Stellen bei der Bundeswehr der größte Baustein für die direkte Förderung von Athleten, sagte der Ex-Weltmeister: "Ich bin überzeugt, dass man das Geld intelligenter und fairer einsetzen kann."

Hartung bemängelte, dass die Bundeswehr bei ihrer Förderung nicht nach Leistung differenziere. Zudem sei der Verwaltungsaufwand, der bei der Bundeswehr entstehe, enorm. "Wenn man die Aufwendungen der Bundeswehr mit denen der Stiftung Deutsche Sporthilfe vergleicht - 50 Millionen Euro Steuergeld zu zwölf Millionen, die ganz überwiegend privat aufgebracht werden -, erkennt man das Ungleichgewicht", sagte Hartung: "Bei der Bundeswehr sind gut 700 Sportlerinnen und Sportler beschäftigt, und nicht einmal nur die besten. Für den Rest der Athleten steht nicht einmal ein Viertel dieser Summe zur Verfügung. Wenn es nach mir ginge, würde ich vorschlagen, das Geld anders einzusetzen und es ohne den Umweg über die Bundeswehr direkt an die Sportler auszuschütten."

Weniger Medaillen durch Sportsoldaten 

Zuletzt hatte bereits der renommierte Sportökonom Wolfgang Maennig die Förderstruktur der Bundeswehr in einer Anhörung vor dem Sportausschuss kritisiert. In einer Studie stellte der Ruder-Olympiasieger von Seoul 1988 fest, dass die Sportsoldaten in den Olympiamannschaften von London 2012 (14,8 Prozent) und Rio 2016 (15,8 Prozent) im Schnitt signifikant weniger Medaillen gewannen als der Rest des Teams (44,6 Prozent in Rio, 25 Prozent in London). Maennig errechnete, dass die Medaille eines Sportsoldaten mindestens das Siebenfache einer Medaille eines Athleten koste, der durch die Sporthilfe gefördert werde.

Als einen möglichen Grund für die schwächere Bilanz der von der Bundeswehr geförderten Athleten nannte Maennig: "Athleten, die sich für Sportsoldatentum entscheiden, wissen um ihre langfristg begrenzten sportlichen Potenziale."

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