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Gustav-Adolf Schur verharmlost das DDR-Doping © imago

Der ehemalige Radsportler Gustav-Adolf Schur verpasst die Aufnahme in die Hall of Fame. Grund sind verharmlosende Aussagen über das Doping-System in der DDR.

Das DDR-Radsportidol Gustav-Adolf "Täve" Schur hat die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports erneut verpasst. Der 86-Jährige erhielt nicht die erforderliche einfache Mehrheit der Jurymitglieder. Das gab die Stiftung Deutsche Sporthilfe, Trägerin der Hall of Fame, am Freitag bekannt.

An der Nominierung, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf Vorschlag seiner Landessportbünde anregte, hatten sich wegen Schurs mangelnder Distanzierung zum DDR-Regime zuletzt heftige Diskussionen entzündet.

Als Mitglieder aufgenommen wurden dagegen Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler, Skispringer Sven Hannawald, Kombinierer Franz Keller und Fußball-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Sie erhielten laut Sporthilfe "jeweils eine deutliche Stimmenmehrheit". Detaillierte Zahlen wurden nicht genannt.

Schur war bereits 2011 von der Jury abgelehnt worden. Wegen der Diskussionen könnte der Sporthilfe eine Neustrukturierung bevorstehen. "Schur ist nicht gewählt worden, und es wird in dieser Weise keinen dritten Anlauf geben. Denn die Sporthilfe ist überzeugt, dass man der gesamten Diskussion um die deutsche Sport-Vergangenheit nur versuchen kann gerecht zu werden, wenn man sich nochmals sehr grundsätzlich mit der Thematik auseinandersetzt und nicht nur über Jury-Stimmen redet", sagte Sporthilfe-Chef Michael Ilgner: "Die Sporthilfe stößt deshalb an, eine neuerliche öffentliche Diskussion über die Vergangenheit des deutschen Sports und deren Aufarbeitung zu führen."

Ines Geipel, die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins und eine der größten Kritikerinnen Schurs, zeigte sich erleichtert. "Nach einer intensiven Diskussion ist die Jury ihrem Wertekodex gefolgt. Das ist sehr zu begrüßen", sagte Geipel: "Die von der Sporthilfe angekündigte Diskussion über die Geschichte des deutschen Sports ist überfällig, sollte aber nicht ohne seine Opfer geschehen."

Andreas Silbersack, Präsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt und Initiator der erneuten Schur-Nominierung, war dagegen bitter enttäuscht. "Ich halte diese Entscheidung für einen kapitalen Fehler. Es wurde die Chance vertan, einen großen Sportsmann noch zu seinen Lebzeiten in die Hall of Fame aufzunehmen." Er werde es nicht unterlassen, so der Rechtsanwalt, Schurs "sportliche Leistungen hochzuhalten. Deutschland würde gut daran tun, intensiv zu diskutieren, wie solche Fragestellungen künftig zu beantworten sind."

Die Jury setzt sich zusammen aus allen lebenden Hall-of-Fame-Mitgliedern sowie aus den Vorsitzenden von Vorstand, Aufsichtsrat und Stiftungsrat der Deutschen Sporthilfe, den Mitgliedern des Stiftungsrats, Vertretern des Deutschen Olympischen Sportbundes, des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, der Politik sowie Persönlichkeiten weiterer Institutionen des Sports. Mit den vier aktuellen Neuaufnahmen besteht die Hall of Fame nun aus 108 Mitgliedern.

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