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Die achte Station der Rennsaison 2016 findet in Oschersleben statt
Mick Schumacher © Getty Images

Mit seinem ersten Formel-4-Sieg zeigt Mick Schumacher sein Talent. Der Weg in die Königsklasse wird aber kein Selbstläufer.

Das Ziel ist die Formel 1. Keine Frage. Das ist sie bei Rennfahrern immer.

Also natürlich auch bei Mick Schumacher. Schließlich ist dem Sohn des siebenmaligen Weltmeisters Michael Schumacher das Talent schon in die Wiege gelegt worden, wie man so schön sagt.

Doch Schumacher Junior hat erst am vergangenen Wochenende in Oschersleben bewiesen, dass dies nicht bloße Worte sind. Der 16-Jährige hat offenbar das Benzin seines Vaters im Blut, feierte in der Provinz bei Magdeburg auch prompt seinen ersten Sieg in der Formel 4.

Der Beginn einer großen Karriere?

Die Hoffnung ist groß, sie ruht schon länger auf den schmalen Schultern des Schumacher-Sprösslings. Zum Auftakt der Nachwuchsserie ging Schumacher mit dem Druck eindrucksvoll um, ließ sich durch die hohen Erwartungen, die sich in über 200 Journalisten und einem immensen Zuschauerandrang äußerten, zumindest äußerlich nicht beeinflussen.

"Den ganz normalen Weg gehen"

"Er muss das alles wegtun, den ganz normalen Weg gehen und sich hinauf arbeiten", sagte zuletzt der dreimalige Weltmeister Niki Lauda. Andere Piloten können von diesem Weg ein Lied singen. Talent bringen viele mit, zeigen dürfen es längst nicht alle, da die Nachwuchspiloten ihre Einsätze entweder selbst zahlen, Sponsorengelder sammeln oder an einem Nachwuchsprogramm teilnehmen müssen.

Schumacher mangelt es weder am Talent noch am nötigen Kleingeld. Sein Problem ist vor allem die für das Alter fast schon abnormale öffentliche Aufmerksamkeit.

"Wie weit es für ihn in seiner Karriere gehen kann, hängt für mich in erheblichem Maße auch von uns Medien ab", sagte SPORT1-Experte Patrick Simon und fügte hinzu: "Wenn man ihm die Freude lässt, seinen Sport so zu betreiben, dass er sich entwickeln kann als 16-Jähriger, dann sehe ich durchaus die Möglichkeit, dass er noch große Schritte im Motorsport gehen wird."

Erste Schritte

Das hat bei seinem Aufstieg vom Kartsport in den Formelsport schon gut funktioniert. Die Managerin seines Vaters, Sabine Kehm, schirmte Schumacher so gut es ging ab, sein Umfeld versucht, die immensen Erwartungen zu dämpfen, den Druck von dem 16-Jährigen zu nehmen. Denn es sind gerade mal die ersten Schritte, die Mick Schumacher im Formelsport unternimmt. Wenn auch vielversprechende.

Schumacher selbst wirkte ähnlich cool, konzentriert und fokussiert wie sein Vater. Und natürlich stellt sich bei der Abstammung fast schon gar nicht mehr die Frage ob, sondern wann der Sohn in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters tritt. Mit Vollgas also in die Formel 1?

Nein, so einfach ist das natürlich nicht.

Neue Hürden eingebaut

Sportlich hat der Automobil-Weltverband ein paar neue Hürden eingebaut. Die FIA hatte mit der Maßnahme zu Beginn des Jahres auf die andauernde Kritik an der Verpflichtung des Teenagers Max Verstappen durch Toro Rosso reagiert. Der Niederländer, Sohn des früheren Formel-1-Piloten Jos Verstappen, ist gerade einmal 17 und hatte bei seiner Verpflichtung noch nicht einmal einen Führerschein für den normalen Straßenverkehr.

Deswegen wurden die Aufnahmebedingungen, die Regeln zur Erlangung der notwendigen Superlizenz, verschärft.

18 und mit Führerschein

Die Fahrer, die sich um selbige bewerben, müssen ab dem kommenden Jahr mindestens 18 Jahre alt sein, einen Führerschein besitzen und in Sachen Sportliches Reglement der Formel 1 fit sein. Für Schumacher wäre ein Cockpit in der Königsklasse also sowieso frühestens 2017 ein Thema.

ADAC Formula 4 Oschersleben - Race Day 2, Mick Schumacher
Das Reglement der Formel 1 ist auch für Mick Schumacher strikter geworden © Getty Images

So weit, so klar und einfach.

Doch daneben müssen sie auch Erfahrung in bestimmten Nachwuchsserien vorweisen können und dort nach einem festgelegten Schlüssel Punkte sammeln. Mindestens zwei Jahre Erfahrung sind Voraussetzung, in den drei Jahren vor der Bewerbung für den Aufstieg in die Königsklasse müssen sie 40 Punkte einfahren.

Es soll so noch mehr auf das Können ankommen. Es zählt also nicht mehr nur das Geld, auch wenn diejenigen, die am meisten Geld auf den Tisch legen können, in den Nachwuchsserien in der Regel auch im besten Cockpit sitzen. Früher gab noch das Schlupfloch, dass bei mehr als 300 zurückgelegten Kilometern an zwei Tagen in einem Formel-1-Fahrzeug unter Rennbedingungen (Testfahrten zum Beispiel) die Superlizenz beantragt werden konnte.

Unterschiedliche Gewichtung

Doch bei der neuen Punktevergabe fängt es an, kompliziert zu werden. Denn die Serien werden unterschiedlich gewichtet. So bringt der Titel in der sich noch in der Planung befindlichen Formel 2, in der GP2, der Formel-3-Europameisterschaft, der LMP1-Klasse der WEC sowie in der IndyCar-Serie bereits die nötigen Punkte.

Der Gesamtsieg in der GP3 oder in der Formel Renault 3.5 beispielsweise bringt nur 30 Punkte ein, was eine weitere Saison Wartezeit zur Folge hat. Die DTM zum Beispiel taucht in dieser Liste gar nicht erst auf.

Verstappen? Der hätte nach dem neuen Reglement nach einem dritten Platz in der Formel 3 den Sprung in die Formel 1 zumindest in dieser Saison nicht geschafft.

Und Mick Schumacher? Der kann in der Formel 4 auf zehn Zähler kommen. Wohlgemerkt bei einem Gesamtsieg.

Doch die Formel 4 soll ja sowieso nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach oben sein.

Der Punkteschlüssel im Detail:

Künftige FIA-Formel 2: 60–50–40–30–20–10–8–6–4–3 (die ersten Zehn)

GP2: 50–40–30–20–10–8–6–4–3–2

Formel-3-EM, LMP1 und IndyCar: 40–30–20–10-8–6–4–3–2–1

GP3 und Formel Renault 3.5: 30–20–15–10–7–5–3–2–1 (die ersten Neun)

Japanische Super Formula: 20–15–10–7–5–3–2–1 (die ersten Acht)

Nationale Formel 3 und Formel 4: 10–7–5–2–1 (die ersten Fünf)

Formel Renault (international und national): 5–3–1 (die ersten Drei)

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