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Ausgerechnet in Spa, dem "Wohnzimmer" seines Vaters, läuft für Mick Schumacher nicht viel zusammen. Nach starker Aufholjagd nimmt er sich mit einem Abflug alle Chancen.

Aus Spa-Francorchamps berichtet Andreas Reiners

Mick Schumacher ging volles Risiko. Und verlor.

Als der 16-Jährige im dritten Rennen des Formel-4-Wochenendes in Spa auf dem Weg in die Top Ten seinen zweiten Überholversuch startete, verlor er die Kontrolle und rauschte in die Reifenstapel.

Schumacher Nase kaputt
Nach diesem Crash musste sich Mick Schumacher eine neue Nase holen © SPORT1

Dabei demolierte er seinen Frontflügel und auch sein ganzes Rennen. Denn am Ende stand der 34. Platz - und erst einmal ganz viel Frust.

"Ein Scheiß-Wochenende"

"Das ist in die Hose gegangen, anders kann man es nicht sagen. Man muss was riskieren, aber die Curbs waren noch ein bisschen nass", sagte Teambesitzer Frits van Amersfoort SPORT1. Somit ging Schumacher an seinem dritten Rennwochenende nach Platz 15 in den ersten beiden Läufen komplett leer aus.

"Das war zusammengefasst ein Scheiß-Wochenende", so van Amersfoort.

Dabei hatte der Sonntag nach einem enttäuschenden und frustrierenden Samstag gut begonnen. Denn als in Spa am Mittag der fast schon übliche Regen einsetzte, kamen die Erinnerungen an seinen Vater unweigerlich wieder hoch.

Erinnerungen an den Vater

An Michael Schumachers Erfolge in seinem "Wohnzimmer". Sein Formel-1-Debüt. Sein erster Sieg, seine sechs Erfolge in Spa insgesamt. Die zahlreichen historischen Momente. Die Regenrennen.

Eine nasse Strecke, die Gischt, die aufgewirbelt wird und mittendrin "Regengott" Michael Schumacher, der die Konkurrenz in Grund und Boden fährt.

Klar: Die Formel 4 ist bei weitem nicht die Motorsport-Königsklasse. Sie ist und bleibt in erster Linie eine Nachwuchsserie. Es ist ein anderes Niveau, es sind vor allem andere Ziele.

Neben dem Wettbewerbsgedanken steht die Ausbildung der Jungspunde ganz oben auf der Agenda.

Rückschläge erfolgen mit schöner Regelmäßigkeit, sind einkalkuliert, ja sogar zwingend notwendig für die Weiterentwicklung. Höhen und Tiefen wechseln sich munter ab. Wie bei Schumacher junior.

Schumacher zeigt Kämpferqualitäten

Der Sohn des Rekordweltmeisters zeigte im zweiten Rennen die vom berühmten Vater bekannten Kämpferqualitäten. Die fahrerischen Künste auf regennasser Strecke, die Wut im Bauch, die Fähigkeit, negative Erlebnisse und Ergebnisse in positive Energie umzuwandeln.

Am Samstag hatte Schumacher im ersten Lauf eine mögliche Pole Position für das dritte Rennen auf den letzten Metern noch verloren, war danach sauer. Vor allem auf sich selbst.

Am Sonntag war der zweite Lauf ergebnistechnisch im Grunde aussichtslos. Von Rang 27 aus war Schumacher ins Rennen gegangen.

30 Minuten blieben ihm, um das Beste daraus zu machen. Und er machte das Beste daraus: Alleine in der ersten Runde überholte Schumacher auf regennasser Strecke sieben Konkurrenten, am Ende hatte er sich zwölf Gegner geschnappt.

Ein Schritt nach vorne, zwei zurück

Ein Aufwärtstrend, den er sich nur wenige Stunde später mit seinem selbst verschuldeten Crash wieder einriss, als er sich bei seiner zweiten Aufholjagd auf Platz zwölf liegend an seinem Konkurrenten die Zähne ausbiss.

Einem Schritt nach vorne folgte wieder einer zurück.

Natürlich denken viele Beobachter automatisch, dass der Name alleine bereits verpflichtet. Doch oft wird dabei vergessen, dass Schumacher erst 16 Jahre alt ist und seine ersten Schritte im Formelsport macht.

"Sehr spezieller Erfolg" für Ludwig

Doch dass Söhne bekannter Motorsport-Größen Erfolg haben können, beweisen Luca Ludwig und Sebastian Asch.

Der Nachwuchs der Tourenwagen-Legenden Klaus Ludwig und Roland Asch feierte im zweiten Rennen des Wochenendes am Sonntag nicht nur den ersten Saisonsieg im ADAC GT Masters, sondern baute den Vorsprung in der Gesamtwertung gleichzeitig aus.

Nach den ersten sechs Rennen des Jahres haben beide 109 Punkte auf dem Konto und damit ein Polster von 28 Zählern auf den ersten Verfolger.

"Für mich ist der Sieg eine gewisse Genugtuung, denn die beiden vergangenen Jahre waren nicht einfach, da musste ich einiges einstecken. Es ist unglaublich toll, dass wir momentan so erfolgreich sind. Das ist eine Belohnung für eine lange Durststrecke", sagte Ludwig und fügte hinzu: "Man muss an sich glauben und weiter machen."

Ganz nebenbei ein Rat, der so auch für Mick Schumacher gilt.

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