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Trotz des bitteren Aus im dritten Rennen: Mick Schumacher zeigt seine bislang stärkste Saisonleistung. Teamchef van Amersfoort und DTM-Pilot Glock loben ihn bei SPORT1.

Mick Schumacher war sauer.

Der 16-Jährige schlug zunächst die Hände vor sein Visier und stieg dann völlig ernüchtert aus seinem Auto. Schließlich stapfte er wild gestikulierend zurück in die Boxengasse.

Der Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher war enttäuscht. Traurig. Denn eine kleine Kollision mit großer Wirkung hatte ihm sicher geglaubte Punkte kurz vor dem Ende des 21. Saisonrennens der Formel 4 in Oschersleben wieder entrissen.

Es wäre das Sahnehäubchen auf ein bis dato beeindruckendes Wochenende gewesen. Stattdessen ging der Pilot von Van Amersfoort Racing leer aus.

Der Gesamteindruck bleibt

Doch der Gesamteindruck bleibt. Und der war stark wie noch nie in dieser Saison. Denn Schumacher hatte bei seinen beiden Podiumsfahrten zuvor eine breite Palette seines Könnens gezeigt. Mit offenem Visier, voll auf Angriff im ersten Lauf am Samstag, mit vielen starken Manövern am Limit, mit "dem Messer zwischen den Zähnen", wie van Amersfoort es ausdrückte. Der Lohn: Als Vierter durfte er als bester Rookie mit aufs Treppchen.

Am Sonntag fuhr Schumacher im zweiten Lauf mit abgefahrenen Reifen nach starkem Start abwartend, taktierend, mit kalkuliertem Risiko auf Platz drei. Alles mit breiter Brust, einem in den vergangenen Monaten nach einigen Tiefs gewachsenem Selbstvertrauen. Auch im dritten Rennen hatte er einige sehenswerte Manöver gezeigt, ehe bei ihm nach der Berührung mit Joel Eriksson auf Platz sechs liegend der Frontflügel brach.

Glock zieht den Hut

Doch Frits van Amersfoort hatte an diesem Wochenende nur Gutes über seinen Schützling zu berichten. "So fährt ein Schumacher, ich bin sehr stolz auf ihn", sagte der Niederländer SPORT1.

Und auch DTM-Pilot Timo Glock ist beeindruckt von Schumacher Junior. "Ich ziehe den Hut vor ihm, wie cool er das angeht. Es lastet schon ein Druck auf ihm, aber momentan ist er eine ganz coole Socke", sagte Glock, der die Formel 4 intensiv verfolgt, im Gespräch mit SPORT1. "Das Clevere ist: Er macht sich den Druck nicht. Er muss seinen Weg gehen und ich hoffe, dass er das so weitermacht, wie er es angefangen hat."

In der Gesamtwertung belegt Schumacher inzwischen Platz elf, in der für ihn wesentlich wichtigeren Rookie-Wertung ist er weiterhin Dritter, knabbert den Rückstand auf David Beckmann und Mike Ortmann aber weiter fleißig ab.

Erfahrungen sammeln und Spaß haben

"Er hat großes Potenzial. Es gibt natürlich auch immer Situationen, in denen er vielleicht mal was nicht versteht. Aber das ist völlig normal. Das ist ein kleiner, junger Mann, der seine ersten Schritte im Formelauto macht", so Glock. "Ich hoffe, dass er seinen Weg gehen, Erfahrungen sammeln und Spaß haben kann."

Schumacher hat Spaß. Die ganz große Aufregung um ihn hat sich ein wenig gelegt, auch in Oschersleben, wo die Nachwuchsserie erstmals im Rahmenprogramm der DTM fuhr, setzte er sich zu seinen Fahrerkollegen und schrieb fleißig Autogramme. Ansonsten sah man ihn überwiegend mit einem breiten Grinsen, natürlich auch bedingt durch seine starken Resultate.

Schumacher hat sich mit dem Hype arrangiert, wirkt lockerer und offener als noch zu Saisonbeginn, als die geballte Aufmerksamkeit über ihn hereinbrach. Das gehört ebenso zum Lernprozess wie seine eigenen Fehler in den Rennen oder Rückschläge wie der abgebrochene Frontflügel.

Gespräche über die Zukunft laufen

Doch wie schaut die mittelfristige Zukunft des 16-Jährigen aus? Die Gespräche laufen, ein paar Fragezeichen gibt es zwar noch. Doch das Schumacher-Lager hat natürlich keine Eile. Nach dem Saisonfinale in Hockenheim (2. bis 4. Oktober, live bei SPORT1 und im LIVESTREAM) geht die Formel 4 erst einmal in eine mehrmonatige Winterpause.

Zeit genug also, sich in Ruhe Gedanken zu machen, wo Schumacher in der kommenden Saison fahren wird. Fakt ist, dass er sich bei Van Amersfoort Racing pudelwohl fühlt, die Niederländer sich bestens damit auskennen, wie man so junge Talente anpackt und bestmöglich fördert.

"Ich kenne das aus meiner Formel-BMW-Zeit – wenn du ein Auto hast, das simpel ist, dann kannst du selbst anfangen zu verstehen, wie man so ein Auto bewegen muss. Weil es vom Kart in solch ein Formelauto schon etwas anderes ist", sagte Glock SPORT1. Der frühere Formel-1-Fahrer weiß, wie wichtig der Lernprozess ist, der behutsame Aufbau, um den nächsten Schritt machen zu können.

Der ist ja im Grunde schon länger geplant.

Schritt in die Formel 3 noch zu groß

Beim Einstieg in die Formel 4 war natürlich auch immer im Hinterkopf, dass der im Grunde logische Aufstieg in die Formel 3 bei Van Amersfoort Racing ein kurzer ist, schließlich sind die Niederländer auch dort unterwegs.

Glock aber würde ihm zum jetzigen Zeitpunkt davon abraten. "Der Schritt ist zu groß. Vielleicht würde er es auch schaffen, aber er ist noch jung genug. Wieso soll er da irgendwas überstürzen? Er sollte sich die Zeit nehmen und ich bin mir sicher, dass er das auch machen wird."

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