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Mick Schumacher fuhr in seiner Rookie-Saison in der ADAC Formel 4 zweimal unter die Top 3
Mick Schumacher fuhr in seiner Rookie-Saison in der ADAC Formel 4 zweimal unter die Top 3 © SPORT1-Grafik Gabriel Fehlandt / SPORT1, Getty Images, ADAC Motorsport

München - Vom schüchternen Promi-Sohn mausert sich Mick Schumacher in seinem rasanten Premierenjahr in der ADAC Formel 4 zum Sympathieträger und zeigt trotz Rückschlägen sein Talent.

Es ist gerade einmal ein halbes Jahr her, dass sich das Leben eines 16-jährigen Jungen schlagartig geändert hat.

Seit Mick Schumacher Anfang April bei den offiziellen Testfahrten der ADAC Formel 4 (Das Saisonfinale, Sa., ab 11.55 LIVE auf SPORT1 und im LIVESTREAM) seine ersten Schritte im Formelsport unternommen hat, ist für ihn nichts mehr wie es war.

Allein der Name Schumacher reichte, um unter deutschen Motorsport-Fans einen Hype auszulösen, wie es ihn seit den großen Formel-1-Triumphen seines berühmten Vaters nur noch selten gegeben hat.

Angesichts dessen ist es allein schon ein großer Erfolg von Mick, dass er sich in seiner ersten Saison trotz des riesigen Trubels auf die wesentlichen Dinge konzentrieren und sein Talent unter Beweis stellen konnte.

Dass er schon an seinem allerersten Rennwochenende einen Sieg feiern konnte, ist unter diesen Umständen nicht hoch genug einzuschätzen.

SPORT1 blickt auf das erste Jahr von Mick Schumacher in der Formel 4 zurück, zeichnet Erfolge und Enttäuschungen nach und erklärt, warum ihn ein weiteres Jahr in der Formel 4 entscheidend weiterbringen würde.

Von Null auf Hundert: Mick Schumachers Start in der Formel 4

8. April, Motorsport Arena Oschersleben. Hier also beginnt die Geschichte des Mick Schumacher im Formelsport. Das Medieninteresse ist gewaltig, über 200 Journalisten hatten sich akkreditieren lassen.

Dabei ging es zunächst noch nicht einmal um Punkte und Siege, sondern nur um die ersten Tests. Dennoch: der Truck von Schumachers Team Van Amersfoort Racing wurde ununterbrochen von einer Schar aus Reportern und Fotografen belagert.

Ein Statement des jungen Piloten, das war den vielen Medienvertretern schon vorher klar, würde es jedoch vorerst nicht geben. Das hat seine Managerin Sabine Kehm, die zuvor schon jahrelang mit Michael Schumacher zusammengearbeitet hatte, unmissverständlich klar gemacht.

"Er wird ganz viele neue Erfahrungen schon im sportlichen Bereich sammeln müssen. Der ganze mediale Bereich ist dann eine zusätzliche Last" sagte Kehm bei SPORT1.

Und so gab es von Mick bei den Tests auch nicht nur nichts zu hören, sondern auch fast nichts zu sehen. Sobald er ins Scheinwerferlicht der Kameras trat, zog er sich seinen Helm auf und schützte sich damit gewissermaßen vor den interessierten Blicken.

Zweieinhalb Wochen später. Gleicher Ort, erstes Rennwochenende. Nun startete die Karriere des 16-Jährigen erst richtig - und wie. Nach Platz neun im ersten und Rang zwölf im zweiten Rennen raste Schumacher Junior im dritten Lauf zum ersten Sieg. Was für ein Premieren-Wochenende!

"Das ist unglaublich. Gratulation ans Team. Ich habe nicht mit so einem Start gerechnet, aber ich bin sehr froh darüber. Es ist gut gelaufen", sprudelte es am SPORT1-Mikrofon förmlich aus ihm heraus.

Zum ersten Mal seit dem China-Grand-Prix von 2006 stand wieder ein Schumacher nach einem Formelrennen auf dem höchsten Treppchen des Podiums.

Anschließend gab es sogar Lob vom viermaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel. "Er macht das schon sehr gut. Er hat viel Spaß daran, das ist zunächst einmal das Wichtigste", sagte Vettel, der zuvor die Schirmherrschaft für die Formel 4 übernommen hatte.

Auf dem harten Boden: Unfälle, Handbruch, Disqualifikation

Bereits am nächsten Rennwochenende wurde Schumacher jedoch wieder unsanft in die Realität zurückgeholt. In Spielberg erlebte er ein schwarzes Wochenende, das sogar im Krankenhaus endete.

Bei einem heftigen Einschlag im ersten Rennen kam er noch mit einer Schrecksekunde davon, im zweiten Rennen hatte er nicht so viel Glück. Bei einem Crash zog sich der Rookie einen Bruch der rechten Hand zu. Auf das dritte Rennen musste er deshalb verzichten und auch für das nächste Rennwochenende drohte er auszufallen.

Doch Schumacher kämpfte für seinen Einsatz, schließlich fanden die nächsten Rennen ausgerechnet in Spa - dem Wohnzimmer seines Vaters - statt. An dem Ort, wo dieser einst sein erstes Formel-1-Rennen fuhr, seinen ersten Sieg und seinen siebten WM-Titel feierte, wollte sein Sohn auf keinen Fall fehlen.

Nachdem die Ärzte ihm grünes Licht für einen Start in Spa gaben, war die Freude dementsprechend groß: "Ich wollte unbedingt fahren, jetzt bin ich doch sehr erleichtert. Es hat sich glücklicherweise bewahrheitet, was mir schon in Österreich gesagt wurde: dass der Bruch sehr unkompliziert ist."

Das Wochenende verlief dann aber nicht nach Wunsch. Auch durch seine Verletzung gehandicapt, musste Schumacher in Spa eine Menge Lehrgeld zahlen. Fahrfehler kosteten ihn in den drei Rennen ein besseres Resultat als Platz 15.

Sein Teambesitzer Frits van Amersfoort brachte es bei SPORT1 anschließend auf den Punkt und sprach von einem "Scheiß-Wochenende" für Mick. "Es muss von Anfang an laufen. Und wenn es nicht von Anfang an läuft, dann gibt es Probleme. In einem Feld mit so vielen Autos muss alles passen", sagte van Amersfoort.

Doch der Tiefpunkt in seiner noch jungen Formel-4-Karriere sollte erst noch folgen. Nachdem Schumacher im Qualifying auf dem Lausitzring eine schnelle Runde unter roten Flaggen erzielte, sperrte ihn die Rennleitung für das erste Rennen. Rang 16 und ein weiterer Ausfall rundeten ein völlig verkorkstes Wochenende ab.

Kam der Triumph in Oschersleben womöglich zu früh und erwies sich aufgrund der gestiegenen Erwartungshaltung als Bumerang? Fakt war: Nach dem Sieg konnte Schumacher nur noch einen Punkt am Red Bull Ring holen. "Vielleicht war das erste Wochenende für uns schön, aber letztlich auf lange Sicht nicht richtig gut. Mit einem Sieg glaubte man, jetzt kommt mehr", meinte auch van Amersfoort rückblickend.

Mit Lockerheit zum nächsten Coup

Schumacher und van Amersfoort nutzten dann die Pause vor dem Nürburgring, um die erste Saisonhälfte zu analysieren und die große Erwartungshaltung wieder in richtige Bahnen zu lenken.

"Wir haben alle verstanden, dass es so nicht weitergeht. Er hat das auch realisiert. Wir haben miteinander gesprochen. Der Kopfbereich spielt auch eine ganz wichtige Rolle", sagte van Amersfoort.

Das Gespräch verfehlte seine Wirkung nicht. Mit neuer Lockerheit sowie Unterstützung von Mutter Corinna, Schwester Gina sowie Onkel Ralf Schumacher raste Schumacher auf dem Nürburgring zu drei Top-Ten-Plätzen.

Danach verteilte van Amersfort bei SPORT1 das wohl größte Lob, dass ein junger Rennfahrer bekommen kann: "Er ist immer fit, immer gut gelaunt, arbeitet immer tüchtig. Er ist ein richtiger Schumacher."

Mit Platz fünf im ersten Rennen auf dem Sachenring setzte Schumacher seinen auf dem Nürburgring gezeigten Aufwärtstrend nahtlos fort. Nicht einmal das unverschuldete Aus im zweiten Rennen konnte ihm die Laune verderben.

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Doch Schumachers größten Erfolg konnte man abseits der Strecke beobachten. Auf dem Sachenring präsentierte sich Schumacher in der Öffentlichkeit entspannt wie selten zuvor und scherzte sogar mit den Streckenposten.

Das war nicht mehr der Schumacher vom Saisonbeginn, der das Gefühl weckte, dass jemand ihm in den Arm nehmen muss, um ihn zu beschützen. "Er wird immer lockerer, man unterhält sich immer wieder mal. Er ist inzwischen wie jeder andere Fahrer auch", stellte auch Kollege Marvin Dienst fest.

Der Teenager hatte sich offenbar mit der Situation arrangiert, dass er stets im Mittelpunkt des Interesses stand - Schumacher war dem Hype entwachsen.

Rückkehr an den Ort des ersten Triumphs

Dies unterstrich er noch einmal nachdrücklich bei der Rückkehr nach Oschersleben - an den Ort, wo er beim Saisonauftakt den größten Erfolg seiner noch jungen Formel-4-Karriere gefeiert hatte.

Nachdem Schumacher bereits im ersten Rennen dank Platz vier als bester Rookie auf das Podium durfte, feierte er im folgenden Rennen mit Platz drei sein zweitbestes Saisonresultat. Da war es auch nur ein kleiner Rückschlag, dass ihm eine Kollision im dritten Rennen sicher geglaubte Punkte entriss.

DTM-Pilot Timo Glock zeigte sich danach jedenfalls beeindruckt von Schumacher Junior. "Ich ziehe den Hut vor ihm, wie cool er das angeht. Es lastet schon ein Druck auf ihm, aber momentan ist er eine ganz coole Socke", sagte Glock im Gespräch mit SPORT1.

Die Erfolge schlugen sich auch in der Gesamtwertung nieder, in der Schumacher inzwischen auf Platz elf geklettert ist. In der wesentlich wichtigeren Rookie-Wertung liegt er sogar auf Rang drei.

Das große Rätsel: Wie geht's weiter?

Noch bevor das letzte Rennwochenende in Hockenheim (Das Saisonfinale, Sa., ab 11.55 LIVE auf SPORT1 und im LIVESTREAM) beginnt, rätseln bereits alle, wie die Renn-Zukunft des jungen Schumachers aussehen wird?

Für Teamchef Van Amersfoort ist es wichtig, dass die Schritte bei jungen Talenten wie Schumacher nicht zu früh gemacht werden: "Er ist ein junger Bursche und muss sich weiterentwickeln. Im Rennsport schaut man von Jahr zu Jahr, aber keiner kann vorhersagen, wie lange man braucht."

Formel-1-Fahrer Max Verstappen rät Schumacher dagegen zu einem sofortigen Wechsel. "Ein weiteres Jahr in der Formel 4 wäre eine Verschwendung, denn er lernt da nichts über die Aerodynamik. Meiner Meinung nach sollte er schon im nächsten Jahr in der Formel 3 dabei sein", sagte der 18-Jährige dem Express.

Der Aufstieg in die Formel 3 wäre tatsächlich kein großes Problem, da sein Team Van Amersfoort Racing auch dort unterwegs ist. Doch es ist ironischerweise ausgerechnet Verstappens Schuld, dass Schumachers Verbleib in der Formel 4 einen weiteren Bonus hätte.

Denn seit dem rasanten Aufstieg des Niederländers in die Formel 1 wurden die Anforderungen an die Superlizenz verschärft. Um den Formel-1-Führerschein zu bekommen, muss man zuvor 40 Punkte gesammelt haben. In der Formel 4 könnte Schumacher deutlich leichter erste Zähler dafür einfahren, auch wenn es dort weniger Punkte als in der Formel 3 zu gewinnen gibt.

Ex-Formel-1-Fahrer und DTM-Pilot Timo Glock nennt SPORT1 noch einen weiteren Grund, warum Schumacher ein weiteres Jahr in der Formel 4 bleiben sollte: "Ich kenne das aus meiner Formel-BMW-Zeit: Wenn du ein Auto hast, das simpel ist, dann kannst du selbst anfangen zu verstehen, wie man so ein Auto bewegen muss. Weil es vom Kart in solch ein Formelauto schon etwas anderes ist."

So oder so: Mick Schumacher hat bewiesen, dass er mit den Herausforderungen wächst.

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