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Sophia Flörsch blickt ihrer ersten Saison in der ADAC Formel 4 entgegen © tobyseifinger

München - Sophia Flörsch ist das schnellste Mädchen Deutschlands. Vor ihrem Start in der ADAC Formel 4 spricht sie bei SPORT1 über Erfolge, Ziele und Mick Schumacher.

Grünwald. Nobelvorort südlich von München. Die meisten, die hier wohnen, haben es weit gebracht. Filmstars, Fußball-Weltmeister, erfolgreiche Unternehmer.

Mit Motorsport hat man die oberbayerische Gemeinde bislang noch nicht in Verbindung gebracht. Das aber könnte sich bald ändern.

Denn mit der 15-jährigen Gymnasiastin Sophia Flörsch schickt sich eine junge Frau an, in die Männer-Domäne Motorsport einzubrechen und ihren Weg bis hin zur Formel 1 zu beschreiten.

Und nicht nur das. Sie will, das sagt sie ohne mit der Wimper zu zucken, Weltmeisterin in der Königsklasse werden.

Nächster Schritt ADAC Formel 4

Der nächste Schritt zum großen Ziel ist in diesem Jahr die ADAC Formel 4 (ab 15. April LIVE im TV auf SPORT1). Hier will sie erstmals einem größeren Publikum in Deutschland beweisen, dass hinter ihren ambitionierten Zielen mehr steckt als die Träume eines Teenagers.

"Ich will zeigen, dass wir Frauen in diesem Sport auch sehr schnell sein können", sagt sie im Gespräch mit SPORT1 kurz vor den offiziellen Testfahrten zur neuen Saison.

Dieses Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Im Kartsport ist sie den Jungs reihenweise davon gefahren. 2008 wurde sie süddeutsche Meisterin, 2010 dann Europameisterin - jeweils als erstes Mädchen.

Zum Kartsport gebracht hat sie Vater Alexander, selbst ehemaliger Rennfahrer und passionierter Motorsportler. Er hilft seiner Tochter dabei, ihren Traum zu verfolgen, und begleitet sie auf den Stationen ihrer noch jungen Karriere.

Sophia Flörsch beim Training am Simulator © Tobias Wiltschek

Neun Jahre lang saß Sophia im Kart, bis sie im vergangenen Jahr eigentlich schon in die Formel 4 wechseln wollte. Allein ihr junges Alter verhinderte dies, sie erreichte erst nach der Saison das Mindestalter von 15 Jahren.

"In England sofort eingeschlagen"

Da sie aber nicht noch eine Saison im Kart dranhängen wollte, schrieb sie sich kurzerhand in die Ginetta-Serie ein; eine Tourenwagen-Nachwuchsserie, die im Rahmenprogramm der britischen Tourenwagenmeisterschaft läuft - und die junge Bayerin in England praktisch über Nacht bekannt machte.

"Beim dritten Rennwochenende in Thruxton konnte ich gleich mal einen Doppelsieg erzielen, was in England sofort eingeschlagen hatte. Nach dem ersten Rennen musste ich gleich zwei Stunden Interviews geben", sagt Flörsch mit funkelnden Augen.

Mit diesem Doppelsieg stellte sie gleich zwei Rekorde auf. Noch nie hatte es einen jüngeren Sieger eines Ginetta-Rennens gegeben, und sie war der erste Rookie, dem zwei Rennsiege an einem Tag glückten. Von den ganzen "Mädchenrekorden", wie sie es bezeichnet, ganz zu schweigen.

Diese Erfolge sind auch der Grund, warum es auf der englischen Wikipedia-Seite bereits einen Eintrag über sie gibt. Auf Deutsch sucht man so einen Eintrag bislang vergebens.

Mick Schumacher schon oft besiegt

Gut möglich aber, dass sich auch das spätestens nach dieser Formel-4-Saison ändert. Denn auch dort will sie um die Spitzenplätze mitkämpfen, wie sie betont. Dass in Mick Schumacher der Sohn des Formel-1-Rekordweltmeisters gegen sie antritt, flößt ihr keinen Respekt ein. Warum auch? Auch ihn hat sie in Kart-Zeiten schon häufiger besiegt.

"Für mich ist er nur ein Konkurrent und ein Freund außerhalb der Strecke. Wir kennen uns seitdem wir acht sind, sind sozusagen zusammen aufgewachsen. Natürlich habe ich da auch mal gegen ihn gewonnen", sagt sie.

Auch der Sohn des großen Michael Schumacher hat die Stärken der jungen Frau also schon zu spüren bekommen. "Ich bin sehr ehrgeizig. Wenn ich jemanden überholen will, dann überhol ich den auch wirklich", sagt die Zehntklässlerin, die täglich nach Schule und Hausaufgaben noch mehrere Stunden am Rennsimulator und im Fitnessstudio trainiert.

Jeden Tag mindestens zwei Stunden verbringt Sophia Flörsch im Fitnessstudio © Tobias Wiltschek

Gesponsert von Under Armour

Ihr Hobby, das sagt sie selbst, ist für sie mittlerweile schon zum Beruf geworden. Ein Beruf, der es ihr ermöglicht, auch finanziell schon größere Sprünge zu machen als die meisten ihrer Konkurrenten.

Sie wird nicht nur von der ADAC Stiftung Sport unterstützt, sondern eben beispielsweise auch vom amerikanischen Sportartikelhersteller Under Armour. Auch deshalb kann sie es sich leisten, zwei Wochen zum Testen nach Spanien zu fahren oder im hochmodernen Simulationszentrum von Red Bull in Milton Keynes zu trainieren.

Dort ist bereits Sebastian Vettel, eines ihrer Vorbilder, zum Formel-1-Weltmeister gemacht worden. Ob Sophia Flörsch in seine Fußstapfen treten kann, steht derzeit noch "in den Wolken", wie sie selbst sagt. Schließlich ist auch ihr bewusst, dass es bislang nur eine Handvoll Frauen überhaupt als Rennfahrerin in die Formel 1 geschafft haben.

Die Voraussetzungen aber könnten bei der selbstbewussten jungen Dame aus Grünwald nicht besser sein. Vielleicht wohnt im Vorort von München tatsächlich bald auch eine Formel-1-Weltmeisterin.

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