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SPORT1-Experte Patrick Simon blickt auf die zurückliegende Saison im ADAC GT Masters und gratuliert Jules Gounon © SPORT1-Grafik: Imag /iStock/SPORT1

SPORT1-Experte Patrick Simon zieht in seiner Kolumne ein positives Fazit zur ADAC-GT-Masters-Saison. Fürs kommende Jahr warnt er aber vor Ambitionismus.

Liebe Motorsport-Fans,

Jules Gounon ist der verdiente Champion des ADAC GT Masters. Sein Erfolg war durchaus eine Wiedergutmachung für das dramatische Finale im letzten Jahr. Damals hatte er die Meisterschaft nach einem schweren Unfall verloren. Aber dieses Jahr hat er seine Leistung erneut sehr gut zusammengebracht.

Er ist ein bisschen unglücklich gestartet mit einem Ausfall, aber dann hat er über die Saison gezeigt, dass er zu den Leuten zählt, die man im Meisterschaftskampf schlagen muss.

Am Sachsenring wurde es noch einmal spannend, weil ihm die Technik einen Strich durch die Rechnung machte und so sein Punktevorsprung schrumpfte. Insgesamt muss man sagen: Das Paket aus Corvette und Jules Gounon war dieses Jahr auf allen Strecken gut. Das war auch ihre große Stärke: Man hatte nicht die Höhen und Tiefen wie andere Hersteller, sondern hat auf allen Strecken performt.

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Mit Mücke und Schnitzer sind dieses Jahr zwei weitere Top-Teams ins Masters dazugekommen und haben die Duelle belebt. Beide konnten gewinnen und zeigen einmal mehr die Qualität der Rennserie. Über alle sieben Hersteller hinweg herrschte große Ausgeglichenheit, jedes Team hatte seine Momente. Das macht das ADAC GT Masters so faszinierend und spannend.

Ich glaube, die gesamte Saison war eine Erfolgsgeschichte: Wir haben bei SPORT1 gezeigt, dass wir gemeinsam mit dem ADAC das Format gut in die Wohnzimmer bringen. Die Quote ist gestiegen, was sehr erfreulich ist.

Potenzial, eine solche Serie zu entwickeln gibt es immer. Die Frage ist nur, ob man das zwingend machen muss. Ist nicht die Konstellation, wie sie aktuell ist, ein großer Erfolgsfaktor dieser Serie? Der Pressesprecher eines Fahrers kann auch mal die Mama sein, der Mechaniker der Schwager und der Rennfahrer ist zum Anfassen.

Das ADAC GT Masters ist ein Kundensport. Jedes Team, jeder Fahrer trifft seine eigenen Entscheidungen und lebt den Motorsport. Das macht die Serie so attraktiv gegenüber anderen Rennserien. 

Diese Unabhängigkeit sollte man sich bewahren. Entwicklung ja, aber mit Fingerspitzengefühl. Die Identität des ADAC GT Masters sollte nicht verloren gehen.

In der Formel 4 war es ein sehr ausgeglichenes Jahr mit zehn verschiedenen Siegern in 21 Rennen, da hatten einige Piloten Momente, die granatenmäßig waren. Einen Superstar von Morgen, der wie Sebastian Vettel oder Nico Rosberg durchstarten kann, habe ich aber 2017 nicht gesehen.

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Felipe Drugovich hat zum Saisonende sieben Läufe gewonnen, so viele wie kein anderer Fahrer. Am Ende ist er aber nur Dritter geworden. Champion Juri Vips hingegen hat nur zwei Rennen gewonnen, war aber konstanter.

Der Sprung in die Formel 1 ist nicht so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt. Am Beispiel Lance Stroll sieht man: Du musst am Ende Meisterschaften gewinnen. Es ist nicht so wie früher, dass Geld alleine reicht. Auch die Bezahlfahrer müssen liefern, so wie eben Stroll in der Formel 3.

Ein Wort noch zu Sophia Flörsch: Sie hat in ihrer zweiten Saison schwach angefangen, aber richtig stark aufgehört. Damit hat sie gezeigt, dass auch die Ladies richtig Gas geben können. Es wäre schön, wenn wir sie im nächsten Jahr um die Meisterschaft kämpfen sehen würden.

Euer Patrick Simon

Patrick Simon startete seine Rennfahrer-Karriere im Kartsport. In seiner weiteren Laufbahn war der heute 42-Jährige unter anderem im Porsche Carrera Cup, in der Deutschen Tourenwagen Challenge und bei diversen Rennen auf der Nordschleife unterwegs. Zu seinen größten Erfolgen gehören die Klassensiege in der European Le Mans Series und beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring. Außerdem gewann er sowohl die deutsche als auch die europäische Meisterschaft in der Formel Ford.

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