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München - Bei seinem Besuch in der SPORT1-Redaktion spricht DTM-Champion Marco Wittmann über Emotionen, Vorbilder und einen Kollegen.

Er ist der dominierende Fahrer dieser DTM-Saison.

Nach nur acht von zehn Rennen hatte der Maro Wittmann den Gesamtsieg perfekt gemacht. So früh stand seit 13 Jahren kein DTM-Champion mehr fest.

Dabei ist der 24-jährige erst seit 2013 Stammpilot in der prestigeträchtigen Tourenwagen-Serie und galt in diesem Jahr nicht unbedingt als Favorit auf den Titel.

Umso größer war die Freude des BMW-Fahrers, als er am auf dem Lausitzring schon vorzeitig den Titel perfekt machen konnte.

Dafür reichte ihm nach zuvor vier Siegen ein sechster Platz.

Bei seinem Besuch in der SPORT1-Redaktion spricht Wittmann über die emotionalen Momente nach seinem Triumph, sein großes Idol und den Wechsel von Pascal Wehrlein in die Formel 1.

SPORT1: Herr Wittmann, als ihr Titel endgültig feststand, flossen Freudentränen. Dieser Erfolg bedeutet Ihnen eine Menge, oder?

Marco Wittmann: Ja, definitiv. Für mich war das wirklich sehr emotional. Als ich über die Ziellinie gefahren bin, war das absolutes Gänsehautfeeling. Als ich dann ins Parc Ferme kam und meine Eltern und meinen Bruder umarmt habe, da kamen dann einfach die Tränen. Über die ganzen Jahre, in denen ich Motorsport betreibe, haben wir das als Familie immer zusammen gemacht. Sie waren eigentlich bei fast jedem Rennen dabei. Da blickt man dann nochmal auf die Vergangenheit zurück. Man hat immer auf dieses Ziel, diesen Traum hingearbeitet, und wenn man es dann endlich geschafft hat, kommen die Emotionen hoch.

SPORT1: Sie haben gerade angesprochen, wie wichtig Ihnen ihre Familie ist. Stimmt es, dass Sie nach der Titelfeier nicht im Hotel, sondern im Wohnwagen ihrer Eltern übernachtet haben?

Wittmann: Ja, das stimmt (lacht).

SPORT1: Sie haben schon drei Rennen vor Saisonende den Titel perfekt gemacht, so früh wie zuletzt Bernd Schneider im Jahr 2001. Eigentlich haben Sie sich von Saison zu Saison immer gesteigert. Müssen die Fans Angst haben, dass es im nächsten Jahr langweilig wird?

Wittmann: Nein, das glaube ich nicht. Wir haben in der DTM wirklich eine tolle Spannung und tolle Rennen. Wenn man sieht, wie eng das Feld zusammen ist, beispielsweise im Qualifying, dann haben wir wirklich einen tollen Wettbewerb. Von daher glaube ich nicht, dass Langeweile aufkommen wird. In der DTM fangen wir eigentlich sowieso jedes Jahr wieder bei null an und man kann nichts vorhersagen. Wir müssen da im Winter wieder hart arbeiten, um wieder ganz vorne mit dabei zu sein.

SPORT1: Sie steigen nach Ihren Siegen gerne mal aufs Auto, um zu feiern. Gibt es da keine Probleme mit dem Team?

Wittmann: Ich glaube nicht. Bisher musste ja immer nur die Motorhaube leiden. Nur nach dem Titelgewinn war dann eben mal das Dach dran (lacht).

SPORT1: Pascal Wehrlein wurde in der vergangenen Woche zum Ersatzfahrer in der Formel 1 berufen - und das, nach nur einem Sieg. Sind sie neidisch?

Wittmann: Nein, neidisch nicht. Er ist eben auch in einem anderen Förderprogramm und hat vielleicht eine andere Zielsetzung, je nachdem, was Mercedes mit ihm vorhat. Ich fühle mich wohl in der DTM, es macht einfach unheimlich viel Spaß und der enge Wettbewerb macht es einfach aus. Das ist der Reiz und die Herausforderung. Von daher ist kein Neid da. Er hat am Lausitzring eine gute Leistung abgeliefert, da gibt es nichts zu kritisieren. Jetzt muss man halt schauen, wo sein Weg hingeht.

SPORT1: Sie haben immer wieder betont, dass Ihr Reiz an der Formel 1 gar nicht so groß ist. Sehen Sie ihre Zukunft also auch weiterhin in der DTM?

Wittmann: Ja, vorerst schon. Wie gesagt, ich fühle mich sehr wohl in der DTM. Wenn dann, wie in diesem Jahr, auch noch der Erfolg stimmt, dann sowieso. Was dann vielleicht irgendwann mal die Zukunft bringt, muss man sehen. Momentan mache ich mir da keine Gedanken und konzentriere mich auf die DTM.

SPORT1: Sie sind gelernter Karosseriebauer und helfen auch immer noch ab und zu im Betrieb Ihrer Eltern aus. Selbst in der Woche vor dem Titelgewinn auf dem Lausitzring haben Sie fleißig geschraubt. Kommen Sie auch irgendwann mal zur Ruhe?

Wittmann: Naja, der Fulltime-Job ist natürlich mit BMW in der DTM, aber wenn es die Zeit zulässt bin ich eben noch im Betrieb meiner Eltern und helfe da aus. Mir macht dieser Job nach wie vor Spaß . Das ist ein guter Ausgleich, wenn ich den einen oder anderen Tag aushelfe. So kann ich meine Batterien aufladen und komme auch mal ein bisschen weg vom Motorsport.

SPORT1: Sie haben aber auch sportlich noch andere Interessen?

Wittmann: Ja, natürlich. Wintersport zum Beispiel. Ich spiele aber auch sehr gerne Squash oder absolviere das normale Ausdauer- und Kraftprogramm, das man macht, um sich fit zu halten.

SPORT1: Ihr großes Vorbild ist der beinamputierte Ex-Formel-1-Fahrer Alex Zanardi. Warum?

Wittmann: Als Kind habe ich natürlich schon Michael Schumacher nachgeeifert, und er war mein Vorbild. Seit Alessandro damals seinen schweren Unfall hatte, hat sich das dann geändert. Allein seine Einstellung zum Leben, sein Ehrgeiz und seine Leidenschaft sind einfach enorm. Mit so einem Handicap Motorsport zu betreiben und dann bei den Paralympics (2x Gold, 1x Silber, Anm. d. Red.) noch so erfolgreich zu sein, da kann er nur Vorbild für jeden sein. Die Lebenseinstellung ist einfach unglaublich.

SPORT1: Hatten Sie denn schon das Vergnügen, ihn persönlich zu treffen?

Wittmann: Ja. Dadurch, dass er in der BMW-Familie ist (Zanardi fährt in der Blancpain GT Serie, Anm. d. Red.), ist es schön, dass man sich ab und zu trifft und einfach mal Small-Talk halten kann oder gemütlich zusammen frühstückt. Es ist einfach immer wieder toll, mit ihm zu quatschen.

SPORT1: Zum Abschluss: der Titel ist eingefahren, es stehen aber noch zwei Rennen aus. Ist die Luft aus Ihrer Sicht raus?

Wittmann: Nein, die Motivation ist auf jeden Fall da. Es geht ja auch noch um die Team- und die Herstellerwertung, die wir mit BMW einfahren wollen. Von daher heißt es wirklich Vollgas geben und alles rausholen, um die maximale Punktzahl zu holen. Es wäre natürlich schön, die letzten beiden Rennen auf dem Podium oder sogar mit einem Sieg abzuschließen.

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