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Audi-Pilot Timo Scheider ist mit erst 16 Punkten chancenlos in der Fahrerwertung
Audi-Pilot Timo Scheider ist mit erst 16 Punkten chancenlos in der Fahrerwertung © DPA Picture-Alliance

München - Das Urteil im Funkskandal trifft Timo Scheider weit härter als Audi. Der DMSB glaubt ihm nicht. Der langjährige Vorzeigepilot leidet, steht er doch für klare Kante.

Timo Scheider schweigt.

Der Audi-Pilot muss das vorerst letzte Kapitel im Funkspruch-Skandal der DTM erst einmal sacken lassen. Das Urteil des DMSB-Sportgerichts einordnen, für sich bewerten. Die richtigen Schlüsse ziehen. Es ist die wohl schwierigste Situation seiner bisherigen Karriere.

Das Gute: Zeit dafür hat er erst einmal, denn der zweimalige Meister wurde für die beiden Läufe am kommenden Rennwochenende der Tourenwagenserie in Moskau gesperrt. Ein Denkzettel, der es in sich hat.

Funkspruch nicht gehört?

Denn das Urteil ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Scheider nach dem Funkspruch seines Audi-Motorsportchefs Wolfgang Ullrich ("Timo, schieb ihn raus") beim zehnten Saisonrennen in Spielberg offenbar doch nicht so unschuldig an der unmittelbar darauf folgenden Kollision mit Mercedes-Pilot Robert Wickens war. Der Kanadier hatte in einer Kettenreaktion dann auch noch seinen Markenkollegen Pascal Wehrlein mit ins Kiesbett genommen.

Seine Unschuld hatte Scheider im Anschluss zwar betont und erklärt, dass der Abschuss nicht mit Absicht erfolgte und er den Funkspruch nicht gehört habe.

Doch noch in Spielberg war er bereits disqualifiziert worden, da die Kollision nach Ansicht der Sportkommissare "absichtlich herbeigeführt wurde".

Verbale Prügel

Für seine Aktion hatte er vor allem in sozialen Netzwerken verbale Prügel kassiert, wurde als Lügner und Betrüger beschimpft und teilweise auch unter der Gürtellinie angegangen.

Timo Scheider mit Jessica Hinterseer im Januar bei der Audi Night in Kitzbühel
Timo Scheider mit Jessica Hinterseer im Januar bei der Audi Night in Kitzbühel © Getty Images

Die zusätzliche Sperre von zwei Rennen lässt seine Aussage aber nun in einem noch schlechteren Licht erscheinen. Denn dass er neben dem absichtlichen Abschuss den Funkspruch tatsächlich nicht gehört hat, kann ihm zwar letztendlich nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Doch die Sperre lässt natürlich den Schluss zu, dass das Sportgericht davon ausgeht.

Wie Scheider war auch Ullrich, der als Zeuge geladen war, bei der Verhandlung nicht anwesend. Für Audi Sport war Volker Nossek als Vertreter in Frankfurt, Scheiders Phoenix-Teamchef Ernst Moser, ein Dateningenieur sowie fünf Anwälte.

Ullrich von der Boxengasse ausgeschlossen

Ullrich, der vom DMSB sportrechtlich nicht direkt belangt werden konnte, muss bis zum Saisonende ein Stück weit draußen bleiben: Ihm wurde der Zutritt zur Boxengasse und der aktive Zugang zum Teamfunk verboten. Damit wird der 65-Jährige wohl leben können. Denn verantwortlich an der Boxenmauer ist sowieso Audis DTM-Leiter Dieter Gass, der in Spielberg krankheitsbedingt gefehlt hatte.

Die im zweiten Spielberg-Rennen erzielten 62 Punkte, die Audi in der DTM-Markenwertung gestrichen werden, tun zwar weh, sind aber trotzdem kein Vergleich zur Rekordgeldstrafe von 200.000 Euro.

Doch auch das wird Audi letztendlich verschmerzen können, auch wenn ein Imageschaden sicher nicht von der Hand zu weisen ist. Den gibt es aber nicht erst seit besagter Geldstrafe.

Saubermann-Image

Anders bei Scheider, der sich während seiner langjährigen DTM-Karriere nicht nur ein gewisses Saubermann-Image erarbeitet hatte, in der Motorsport-Branche eigentlich einen überaus guten Ruf genießt.

Scheider ist Mitinitiator der Fahrergewerkschaft DTMDA, Fahrersprecher bei Audi, war bislang ein gewichtiges Sprachrohr der Serie und setzte sich dabei immer wieder für die Belange der Fahrer im Speziellen und der Serie im Allgemeinen ein.

Der zweimalige Meister ist seit Jahren ein Gesicht der DTM. Ist nicht zuletzt Teamchef in der ADAC Formel 4, Vorbild für die junge Generation von Rennfahrern, die nachrückt. Eben jene Vorbildfunktion hatte Wehrlein ihm nach dem Skandal abgesprochen.

Die Bestrafung bleibt in Erinnerung

Scheider stand bislang immer für klare Kante, deutliche Worte, ob nun anderen oder auch sich selbst gegenüber. Seit dem Vorfall in Spielberg hat er zur Sache selbst geschwiegen.

Vor allem, weil er wegen des laufenden Verfahrens musste. Sicher ist: Jemand wie Scheider wird sich in absehbarer Zeit äußern, seine Sicht der Dinge erklären. Im Grunde muss er das.

Die Kratzer im Lack werden wohl trotzdem bleiben. Denn ob nun letztendlich Absicht oder nicht, ob er den Funkspruch gehört hat oder nicht: Hängen bleiben wird in erster Linie die Doppelbestrafung mit Disqualifikation und Sperre.

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