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Ulrich Fritz und Dieter Gass sind sich in der Beurteilung nicht ganz einig
Ulrich Fritz und Dieter Gass sind sich in der Beurteilung nicht ganz einig © xpbimages.com

Ulrich Fritz hat kein Verständnis für das Manöver von Mattias Ekström - Dieter Gass entschuldigt sich, möchte seinen Piloten allerdings nicht an den Pranger stellen

Das übermotivierte Manöver von Mattias Ekström ist das große Gesprächsthema nach dem Samstagsrennen der DTM auf dem Norisring . In der Grundig-Kehre nahm der Schwede das führende Mercedes-Duo auf Christian Vietoris und Robert Wickens aus dem Rennen. Der Sieg ging dadurch am Ende an Audi-Pilot Edoardo Mortara, der vor der Aktion lediglich auf dem vierten Platz lag. Fühlt sich Mercedes durch dem Vorfall um den Sieg betrogen?

"Von Betrug möchte ich nicht gerne reden, aber grundsätzlich stehen wir jetzt natürlich mit leeren Händen da - nachdem die Situation eigentlich nach einem kontrollierten Doppelsieg aussah", erklärt Mercedes-DTM-Teamchef Ulrich Fritz auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'. Seiner Meinung nach war die Attacke von Ekström schlicht und ergreifend "inakzeptabel".

"Da muss ich sagen, dass mir das Verständnis fehlt, wenn ein einzelner Fahrer meint, da eine übertriebene Attacke reiten zu müssen und die beiden Führenden - und den Meisterschaftsführenden - rausreißt. Insbesondere, wenn es ein erfahrener Fahrer ist, der sich davor zum Moralapostel aufgeschwungen hat und der Meinung war, er könnte über andere Leute im Fahrerfeld urteilen", so Fritz.

Mercedes: Keine Kritik an Audi

Ekström hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach negativ über einige DTM-Kollegen geäußert, die seiner Meinung nach zu aggressiv fahren. Nun bekommt Ekström selbst die Wut seiner Rivalen zu spüren. "Ich glaube, wenn man die Bilder anschaut, dann gibt es keine Rechtfertigung. Er war einfach völlig übermotiviert und hat viel zu spät gebremst. Er hat erst Robert abgeräumt und dann auch noch den armen Chris", erklärt Fritz.

Durch die Aktion wurde das Getriebe an Wickens' Mercedes beschädigt, und auch der Vietoris-Bolide wurde dabei so hart getroffen, dass ihm anschließend jegliche Balance fehlte. Wickens sah die Zielflagge nicht, Vietoris wurde lediglich Zehnter. Ekström droht nun noch eine Strafe durch die Rennkommissare, doch Fritz erklärt: "Ich glaube, das ändert nicht mehr wahnsinnig viel."

Der Teamchef verrät: "Dieter Gass war relativ schnell bei mir und hat sich entschuldigt." Daher wollte man Audi nach der Aktion keinen generellen Vorwurf machen. Laut Fritz handelt es sich um ein "Fehlverhalten eines einzelnen Fahrers". Auf die Frage, wie wütend er persönlich sei, erklärt er mit einem etwas gequälten Lachen: "Auf einer Skala von 0 bis 100 so bei 120."

Hätte Audi auch "ganz sauber" gewinnen können?

"Für Vietoris tut es mir sehr leid, er kann überhaupt nichts dafür. Er hat einfach Pech gehabt, dass er an der Stelle war", erklärt Audi-DTM-Leiter Dieter Gass, der versichert, dass es "natürlich keine Absicht" von Ekström gewesen sei. Er nimmt seinen Piloten in Schutz und erklärt: "Ich denke, wenn Vietoris nicht da vorne gefahren wäre, würden wir gar nicht darüber reden. Mattias hat versucht, Wickens zu überholen."

"Wickens hat versucht, sich zu verteidigen - soweit alles okay. Wickens hat versucht, ein bisschen nach innen zu ziehen. Das ist beim Anbremsen in der ersten Kurve natürlich immer sehr, sehr kritisch. Da sind ein paar Bodenwellen, und Mattias hat sicherlich auch etwas blockiert. Dann hatten die beiden einen Kontakt und sind leider in Vietoris reingerutscht", so Gass.

"So eine Kettenreaktion kann grundsätzlich immer mal passieren", erklärt er. Interessant: Gass geht davon aus, dass Audi auch ohne die Aktion eine Chance auf den Sieg gehabt hätte. "Natürlich hätten wir hier gerne ganz sauber gewonnen. Aber das Rennen war glaube ich zehn von 40 Minuten alt. Das heißt nicht, dass wir sonst nicht auch gewonnen hätten", erklärt Gass, der der Meinung ist, dass Ekström seine "bessere Pace" als das Mercedes-Duo hatte.

© Motorsport-Total.com

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