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DTM-Leader Marco Wittmann hat vor den letzten vier Saisonrennen 33 Punkte Vorsprung auf Edoardo Mortara
DTM-Leader Marco Wittmann hat vor den letzten vier Saisonrennen 33 Punkte Vorsprung auf Edoardo Mortara © Imago

Nürburgring - Marco Wittmann ist auf dem besten Weg zu seinem zweiten DTM-Titel. Was zeichnet den BMW-Piloten aus? Bei SPORT1 nennen Weggefährten und er selbst Erfolgsfaktoren.

Marco Wittmann hatte irgendwann genug. Deshalb pampte er seinen Ingenieur kurzerhand einfach mal an.

"Sei ruhig jetzt!", bellte der BMW-Pilot über den Funk, nachdem er in der heißen Phase des 14. Saisonrennens auf dem Nürburgring eine Info nach der anderen aufs Ohr bekommen hatte.

Wittmann brauchte auf den letzten beiden Runden Ruhe. Konzentration. Den Fokus auf den Zweikampf mit Mattias Ekström, der den 26-Jährigen unter Druck setzte.

Doch Wittmann ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Behielt kühlen Kopf. Und fuhr mit dem dritten Platz mal wieder wichtige Punkte auf dem Weg zu seinem zweiten Titel ein. Vor den letzten vier Saisonrennen der DTM hat Wittmann 33 Punkte Vorsprung auf seinen ersten Verfolger Edoardo Mortara.

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Das Erfolgsgeheimnis? "Es muss ein Gesamtpaket dahinterstehen, damit man sich wohlfühlt und sein ganzes Potenzial abrufen kann", sagte Wittmann im Gespräch mit SPORT1. Viele Kleinigkeiten also, aus denen sich ein erfolgreiches Gesamtgebilde ergibt.

SPORT1 zeigt, was den 26-Jährigen so stark macht.

- Sein Team RMG

Mit der Mannschaft von Stefan Reinhold hat er den Titel 2014 geholt. Nach einem schwachen Jahr 2015 wurde im Winter viel analysiert, an den notwendigen Stellschrauben gedreht.

"Wir haben härter denn je gearbeitet, und der Erfolg bestätigt das", sagte Wittmann. Er zählt alle dazu, vom Reifenmann über den Mechaniker bis zum Ingenieur, die Chemie stimmt. Vor jedem Rennwochenende ist der 26-Jährige zur Vorbereitung bei seinem Team, alles wird sehr detailliert vorbereitet. Vor allem das Setup, das seinen Vorlieben entspricht, seinen Fahrstil unterstützt.

Das bekommen RMG und Wittmann mit Abstand am besten hin. Und am konstantesten. In Zahlen: Wittmann leistete sich in den 52 DTM-Rennen seiner Karriere nur zwei Ausfälle, 39 Mal fuhr er in die Top Ten. In dieser Saison punktete er in 14 Rennen zwölfmal, so oft wie kein anderer Fahrer.

- Charakter

 "Er hat sich toll entwickelt, was seine Souveränität angeht. Das ist im Vergleich zu früher ein komplett anderer Marco Wittmann", sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt SPORT1. Mit smarten Entscheidungen im Auto. Leidenschaft kombiniert mit kühler Taktik, zwischen vorsichtigem und klugem Abwägen und zielgenauer Kaltschnäuzigkeit. Wo andere sich gegenseitig von der Piste räumen, sammelt er die Punkte ein, die möglich sind.

Es gibt keinen Druck, wenn es mal doch nicht läuft, kein Hadern, keine gegenseitigen Vorwürfe. Paradebeispiel ist Moskau: Im ersten Rennen wurde er nur 19. Am Tag darauf gewann er den Lauf. Wittmann ist kein jugendlicher Haudrauf, der mit dem Kopf durch die Wand will, sondern ein gereifter Rennfahrer.

"Manchmal muss man sich als Fahrer auch mal aus gewissen Dingen heraushalten und kühlen Kopf bewahren. Da habe ich vielleicht einen Vorteil gegenüber den anderen", sagte Wittmann SPORT1.

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- Familie

Sein Rückzugsort. Die Menschen, die ihm am meisten bedeuten. "Familie war schon immer wichtig für mich. Sie lebt mit dem Motorsport von Kindesbeinen an", so Wittmann. Sein Vater Herbert schraubte früher am Kart, seine Mutter Angelika hat gekocht und sein Bruder Nico die Zeiten gestoppt. Mit seiner besseren Hälfte Anna-Lena lebt er in Fürth zusammen und arbeitet als gelernter Karosseriebauer auch im elterlichen Betrieb mit.

"Die volle Unterstützung ist da, ob in guten oder schlechten Zeiten. Man bekommt auch ehrliche Meinungen, die man sonst vielleicht nicht so bekommt. Es ist mein Rückzugsort, wo ich mich wohlfühle und Energie aufladen kann", so Wittmann.

- M4:

Die Beziehung zu seinem Dienstauto ist besonders. Mit ihm gelang ihm 2014 mit dem ersten Titel in seinem zweiten DTM-Jahr der große Durchbruch. Wittmann ist der BMW-Flüsterer, bereits vor zwei Jahren kam er mit Abstand am besten mit dem Boliden zurecht. Auch in dieser Saison steckt er seine Markenkollegen deutlich in die Tasche.

"Er liegt mir sehr gut. Im vergangenen Jahr haben wir nicht ganz so gut harmoniert, jetzt haben wir uns wieder zusammengerauft und haben uns wieder lieb", sagte Wittmann. Und wahrscheinlich beschenken sie sich auch 2016 mit dem Titel.

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