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Felipe Massa kann sich einen Weichsel in die DTM 2017 durchaus vorstellen
Felipe Massa kann sich einen Weichsel in die DTM 2017 durchaus vorstellen © xpbimages.com

Die DTM steht angesichts einiger Veränderungen erstmals seit langer Zeit wieder vor einem spannenden Winter - Oder bleibt am Ende doch alles beim Alten?

Einen echten Fahrermarkt - wie beispielsweise in der Formel 1 - gab es in der DTM in den vergangenen Jahren nicht. Mit Ausnahme von Champion Pascal Wehrlein, der in die Formel 1 wechselte, gehen 2016 alle 23 anderen Piloten für den jeweils gleichen Hersteller wie im Vorjahr an den Start. Das wird sich 2017 ändern. Tatsächlich wird aktuell so viel über die Fahrerkader von Audi, BMW und Mercedes für die kommende Saison spekuliert wie seit Jahren nicht mehr. Doch warum ist das so?

Punkt 1: 18 statt 24 Autos?Offiziell ist es zwar noch immer nicht, doch es gilt als sicher, dass alle drei Hersteller 2017 nur noch mit jeweils sechs statt acht Autos an den Start gehen werden. Das würde logischerweise bedeuten, dass alleine dadurch jeweils zwei Piloten pro Hersteller ihren Job verlieren. Bei BMW haben Martin Tomczyk und Antonio Felix da Costa bereits ihren Rücktritt angekündigt, doch bei Audi und Mercedes sind noch keine Streichkandidaten bekannt.

Ebenfalls möglich - aber deutlich unwahrscheinlicher - ist ein Szenario, in dem die Reduzierung auf sechs Autos freiwillig geschieht. So könnte BMW beispielsweise nur noch sechs Autos einsetzen, Mercedes aber weiterhin acht. Bis es hier zu einer offiziellen Entscheidung kommt, dürfen alle DTM-Fans allerdings erst einmal weiterhin kräftig spekulieren - und die Piloten müssen zittern.

Punkt 2: Wechselt Mortara?Besonders eng könnte es für einige Mercedes-Fahrer werden, denn es gilt als offenes Geheimnis, dass Edoardo Mortara von Ingolstadt nach Stuttgart wechseln wird. Somit wäre ein weiteres Cockpit weg, und die acht aktuellen Mercedes-Piloten müssten sich um nur fünf verbleibende Plätze streiten. "Wir können nichts bestätigen. Ich habe immer gesagt, dass wir die Saison zu Ende bringen wollen", erklärt Mercedes-DTM-Temachef Ulrich Fritz bei 'Sport1'.

"Noch sind zwei Rennen, danach werden wir uns über alle Fahrerfragen Gedanken machen. Ich habe nie bestritten, dass Edo ein toller Rennfahrer ist. Und damit belassen wir es fürs Erste", wiegelt Fritz ab. Klar ist allerdings auch, dass eine fehlende Bestätigung - oder ein Dementi - die Gerüchte nur noch weiter befeuert. Zumal ein Mortara-Wechsel Auswirkungen auf gleich zwei Hersteller hätte.

Spannend ist das vor allem deshalb, weil es seit gefühlten Ewigkeiten keinen Wechsel von einem DTM-Hersteller zu einem anderen mehr gab. Zuletzt wagte Jamie Green diesen Schritt nach der Saison 2012. Der Brite wechselte damals übrigens genau in die andere Richtung, nämlich von Mercedes zu Audi. Es hätte ganz sicher eine gewisse Brisanz, wenn sich die Stuttgarter nun den bestplatzierten Audi-Piloten in diesem Jahr schnappen würden.

Punkt 3: Kommt Felipe Massa?Dass Felipe Massa, der seine Formel-1-Karriere nach der Saison 2016 beenden wird, mit einem Wechsel in die DTM liebäugelt, dürfte den aktuellen DTM-Piloten gar nicht gefallen. Denn angesichts der bevorstehenden Reduzierung auf 18 Autos, dürfte es für den ein oder anderen sowieso schwer genug sein, ein Cockpit für 2017 zu bekommen. Wenn dann auch noch Piloten von außen in die Serie einsteigen wollen, könnte es richtig eng werden.

Fakt ist, dass Massa selbst die DTM in den vergangenen Jahren bereits mehrfach als interessante Option bezeichnete. Zuletzt erklärte sein Vater Felipe sen. gegenüber dem brasilianischen Fernsehsender 'SporTV': "Es gibt viele Möglichkeiten. Die WEC, die DTM, die Formel E. Es ist noch keine Entscheidung gefallen, aber es wird nicht auf eine andere Serie als eine von den dreien hinauslaufen."

Allerdings stellt sich die Frage, wo Massa unterkommen könnte. Zwar hätte der Formel-1-Vizechampion von 2008 aus Marketingsicht ohne Frage einen hohen Wert, doch Audi-DTM-Leiter Dieter Gass erklärt gegenüber 'Auto Bild motorsport' beispielsweise: "Grundsätzlich bin ich außer dem Vermarktungswert, den er möglicherweise haben könnte, nicht davon überzeugt, dass er das Niveau in der DTM anheben könnte."

Denn in der Vergangenheit haben sich viele Piloten mit einem Wechsel von der Formel 1 in die DTM schwer getan. Außerdem ist Massa mittlerweile schon 35 Jahre alt ist, weshalb eine Umstellung nach so vielen Jahren für ihn wohl alles andere als einfach wäre. Zudem haben die Hersteller auch noch eigene Piloten, die auf ihre Chance lauern, in ihren Reihen. Bei Audi wäre da zum Beispiel Rene Rast, der in diesem Jahr bereits vertretungsweise DTM-Luft schnuppern durfte.

Fazit: Es bleibt spannend!Interessant dürfte das Saisonfinale in Hockenheim Mitte Oktober werden. Zwar werden die Fahrerkader für die neue Saison erfahrungsgemäß erst im Winter bekanntgegeben, doch es wäre durchaus vorstellbar, dass der ein oder andere Pilot noch in beziehungsweise vor Hockenheim seinen Rücktritt aus der DTM bekanntgibt, um beim Finale noch einmal einen würdigen Abschluss zu bekommen - und nicht im Winter einfach zu verschwinden.

Auf jeden Fall steht der DTM ein spannender Winter voller Diskussionen bevor. Der Serie kann das eigentlich nur gut tun, den gerade in den Monaten nach Saisonende wird es in der Regel sehr still um die DTM. Eine "Silly Season" ist da sicherlich hilfreich, um das Interesse auch in den Wintermonaten aufrecht zu erhalten. Die Piloten selbst dürften hingegen wohl so schnell wie möglich Klarheit haben wollen.

© Motorsport-Total.com

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