vergrößernverkleinern
Ein Schlitzohr durch und durch: Mattias Ekström trickste in der Lausitz
Ein Schlitzohr durch und durch: Mattias Ekström trickste in der Lausitz © xpbimages.com

Schlitzohrigkeit, weniger als 100 Gramm Benzin, 2,355 Sekunden und eine ominöse Regeländerung bewahrten Audi-Piloten in der Lausitz vor einer Disqualifikation

Der zweimalige DTM-Champion Mattias Ekström war beim vierten Saisonlauf der DTM auf dem Lausitzring gleich zweimal mit der Glücksgöttin Fortuna im Bunde. Wir erklären, warum er vor zwei Wochen nach seiner Zieldurchfahrt als Zweiter vom Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) trotz anderweitiger Überlegungen nicht disqualifiziert wurde, ihn aber nur zwei Zufälle und eine "Notlüge" vor diesem Schicksal bewahrten.

Rückblick: Der auf Rang zwei liegende Schwede hatte in seiner 43. und letzten Runde Benzinaussetzer, was durch seine Rundenzeit von 1:20.127 Minuten belegt wird. Zuvor war Ekström 38 Umläufe am Stück auf dem gleichen Reifensatz konstante Zeiten gefahren, die zwischen 1:17.190 und 1:18.240 Minuten lagen. Wäre Sieger Jamie Green in seinen 43 Runden nur 2,355 Sekunden langsamer gefahren, hätten er und alle weiteren Starter, einen weiteren Umlauf drehen müssen.

Das hätte für Ekström fatale Folge gehabt, denn für diese eine Runde hätte der Abt-Pilot nicht mehr genügend Kraftstoff im Tank seines RS 5 DTM gehabt. Er wäre damit er aus der Wertung geflogen. Zur Erklärung: In der DTM beträgt die Renndistanz in diesem Jahr für beide Läufe 55 Minuten plus eine Runde. Green wurde von der Rennleitung exakt nach 55:02.354 Minuten abgewinkt.

Verwarnung statt Disqualifikation

Der zweite Glücksfall bescherte Ekström statt einer Disqualifikation lediglich eine Verwarnung. Direkt nach seiner Zieldurchfahrt gab es regen Funkkontakt (der nach dem Abwinken erlaubt ist) zwischen dem Abt-Kommandostand und ihm: "Spare Benzin, spare Benzin!", so die Ansage. Die Antwort Ekströms ließ nicht lange auf sich warten: "Etwas an meinem Auto ist kaputt. Ich schaffe es nicht zurück (womit "Eki" den Weg in den Parc ferme meinte; Anm. d. Red.). Ihr könnt ihnen (dem DMSB; Anm. d. Red.) sagen, dass sie mich abschleppen müssen", schallte es aus dem Cockpit.

Dass Ekström noch versucht hatte, nicht-regelkonform eine Abkürzung zu nehmen (von Kurve 1 direkt zu Kurve 5, was auf dem Eurospeedway möglich ist), ist kaum jemandem aufgefallen. Als erster roch 'ARD'-Co-Kommentator Klaus Ludwig den Braten, als er am Mikrofon feststellte: "Vielleicht hat man mit dem Sprit so knapp kalkuliert, dass er sich jetzt reinschleppen lässt, um Sprit zu sparen." Mit dieser Vermutung lag der dreimalige DTM-Champion goldrichtig.

Wenn Ekström tatsächlich mit Motorkraft in den Parc ferme gefahren wäre, hätte die noch im Tank befindliche Restmenge nicht ausgereicht, um die vorgeschriebene Mindestprüfmenge abzuliefern. Das wusste man bei Audi und dem Abt-Team. Offiziell will weder Audi noch der DMSB bestätigen, was 'Motorsport-Total.com' weiß: Es befanden sich regelkonform noch mehr als 500, aber weniger als 600 Gramm im Tank.

Keine Handhabe für Sportkommissare

Für die Sportkommissare gab es keine Handhabe, Ekström härter als mit einer Verwarnung zu bestrafen. Immerhin wurde nach unseren Informationen darüber diskutiert, ob Ekström mit seiner "Notlüge" am Funk, die in der 'ARD' deutlich zu hören war, gegen den Artikel 12.1.1.c des International Sporting Code des Automobil-Weltverbandes FIA verstoßen hatte. Er besagt, dass jede Aktion, die sich nachteilig auf die Interessen des Wettbewerbs und des Motorsports im Allgemeinen auswirkt, bestraft werden kann. Das gilt auch für diejenigen, die dem Ansehen des Rennsports schaden.

Als Konsequenz, dass Ekström nicht wie im Artikel 44.3 des Sportlichen Reglements der DTM vorgeschrieben, mit Motorkraft in den Parc ferme gefahren ist, hat der DMSB das Reglement geändert. Bei Fahrzeugen, die zukünftig den Parc ferme mit Motorkraft erreichen, muss noch mindestens ein Kilogramm Kraftstoff im Tank vorhanden sein. Wenn wie im Fall Ekström ein Auto in der Auslaufrunde liegen bleibt, sind zwei Kilogramm vorgeschrieben.

Merkwürdig ist, dass in einem vergleichbaren Fall der Brite Gary Paffett in der Saison 2004 in der Lausitz disqualifiziert worden ist. Der Brite war damals mit seinem Mercedes in der Auslaufrunde ebenfalls liegengeblieben. Ekström wurde nachträglich zum Sieger des Rennens erklärt. Warum das Reglement anschließend geändert wurde, bleibt aktuell ein großes Geheimnis und sorgte für Diskussionen. Kurios ist zudem, dass auch Ekström 2006 in der Lausitz schon einmal aus der Wertung genommen wurde - wegen Benzinmangels! Diesmal hat der Schwede Glück gehabt. "Ich bin mit einem blauen Auge davongekommen", meint "Eki" mit einem Augenzwinkern.

© Motorsport-Total.com

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel