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Paul di Resta landete in Budapest einen überraschenden Sieg
Paul di Resta landete in Budapest einen überraschenden Sieg © xpbimages.com

Überraschung in Ungarn: Der Mercedes-Pilot profitierte von einer heiß diskutierten Safety-Car-Phase - BMW bestreitet Manipulation - Audi trotz Dominanz geschlagen

Mercedes-Pilot Paul di Resta hat einen überraschenden Sieg im DTM-Samstagsrennen in Budapest gefeiert. Dank eines frühen Boxenstopps und einer Safety-Car-Phase setzte sich der Ex-Formel-1-Fahrer von Startplatz 13 kommend vor den BMW-Konkurrenten Timo Glock und Bruno Spengler durch - und foppte die bis dato dominante Audi-Armada. "Teilweise hat man im Sport das Glück auf seiner Seite", jubelt di Resta. "Aber als wir vorne waren, haben wir das Tempo kontrolliert."

Die Frage, die sich viele Zuschauer stellten, war: Hatte di Resta Glück oder profitierte er von einem unlauteren Trick der BMW-Mannschaft? Die Offiziellen leiteten noch während des Rennens eine Ermittlung wegen unsportlichen Verhaltens gegen die Münchener ein. Grund war die Safety-Car-Phase, die ihr Fahrer Maxime Martin nach acht Runden ausgelöst hatte. Der Belgier blieb mit einem havarierten Auto (nach einer Startkollision mit Tom Blomqvist samt Untersuchung gegen ihn) in einer Passage, in der es bergab geht, unweit des Grünstreifens auf der Strecke stehen, statt wegzurollen.

Er half damit seinen Markenkollegen Glock und Spengler, die bereits die Reifen gewechselt hatten. Ihr großer Rückstand wurde so eingedampft und die vier führenden Audi-Piloten fielen nach ihren späteren Boxenstopps in das Mittelfeld zurück. BMW-Sportchef Marquardt wehrt sich gegen den Manipulationsverdacht: "Das ist ein absurder Vorwurf. Jeder, der mich kennt, weiß es." Er begründet das Martin-Manöver anders: "Er hatte blockierende Bremsen und es ging einfach nichts mehr."

Jens Marquardt wehrt sich gegen Manipulationsvorwurf: "Absurd"

Profiteur Glock, der nach einem Start von Position 14 auf Rang zwei gespült wurde, wundert sich über den unverhofften Erfolg: "Mit ihm haben wir alle nicht gerechnet." Er hatte vor seinem frühen Reifenwechsel hinter Marco Wittmann festgesteckt und war trotz DRS nicht vorbeigekommen. Also entschied man sich für eine aggressive Strategie: "Ich habe mir gesagt: 'Ich habe nichts zu verlieren.'" Glock ließ anschließend bewusst Abstand zu di Resta, um die Pneus am Gummifresser M4 DTM nicht zu verheizen, vermochte den Schotten aber zum Schluss nicht mehr zu attackieren.

Trotzdem will Glock nicht klagen: "Am Ende haben wir Glück gehabt", spielt er auf das Safety-Car an. "Sonst hätten wir keinen Blumentopf gewinnen können." Das weiß auch Spengler, der schon in der Startrunde frische Reifen gefasst und vor dem Martin-Zwischenfall erneut die Crew angesteuert hatte. "Wir wussten, dass wir etwas riskieren mussten", meint der Kanadier. Zwei Stopps waren ein Muss. Auf einem Satz durchzufahren wäre für BMW unmöglich gewesen. Beleg: Am Ende geriet er mit abbauenden Pneus unter den Druck Mike Rockenfellers (4.), hielt ihm aber mit Mühe stand.

Audi hatte nicht nur Pech: "Wir haben einen taktischen Fehler gemacht"

"Ich habe mich verteidigt, wie es nur ging. Er war aber auch sehr fair", sagt Spengler über die Angriffe, die der enttäuschte Audi-Pilot in der Schlussrunde ritt. Denn Rockenfeller war einer der Piloten, die durch einen Boxenstopp nach der Safety-Car-Phase weit zurückgereicht wurden. Das gleiche Schicksal traf Mattias Ekström, Rene Rast und Jamie Green, die auf den Plätzen fünf bis sieben ins Ziel kamen - nach Qualifying-Dominanz und Vierfach-Führung der Ingolstädter zu Beginn.

Audi-Sportchef Dieter Gass hadert: "Da ist ein großes Maß an Enttäuschung drin. Wir fahren jetzt ohne Punkte, aber dafür mit mehr Gewicht nach Hause." Denn die Performance-Zuladung wird seit Ungarn anhand des Renntempos bemessen, bei der dem RS 5 DTM kein Auto das Wasser reichte. Das wurde nach dem Start deutlich, als Pole-Mann Rast seine Führung zunächst behauptete. Er wurde beim Indy-Neustart jedoch von Ekström und an der Box von Rockenfeller kassiert.

Lucas Auer "entsorgt": Tabellenführer blieb ohne Punkte

Gass erkennt den taktischen Fauxpas, mit einer Phalanx der eigenen Leute an der Spitze nicht für eine Safety-Car-Phase vorgesorgt zu haben: "Wir haben den Fehler gemacht, dass wir nicht mit wenigstens einem Auto in die Box gekommen sind, als die ersten Fahrer reingegangen sind."

Ebenfalls enttäuscht wurde der DTM-Gesamtführende Lucas Auer (13.). Der Mercedes-Pilot, der die Tabellenspitze behielt, kämpfte auf dem Hungaroring um Rang sieben, als er während des Restarts das Opfer einer Kettenreaktion wurde und sich von der Strecke drehte - wie der bis dahin beste BMW-Mann Augusto Farfus (12.). In die Szene verwickelt waren auch die Audi-Piloten Nico Müller (11.) und Loic Duval (15.), den die Rennleitung als Schuldigen ausmachte und mit einer belanglosen 30-Sekunden-Strafe belegte. Mercedes' DTM-Chef Ulrich Fritz spricht davon, dass Auer "entsorgt" worden sei: "Das darf aus meiner Sicht nicht sein."

© Motorsport-Total.com

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