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DTM-Boss Gerhard Berger freut sich über das BMW-Bekenntnis
Gerhard Berger möchte die Performance-Gewichte am liebsten sofort abschaffen © ITR

DTM-Boss Gerhard Berger ist ein überzeugter Gegner der Performance-Gewichte - "Wir müssen die Gewichte loswerden, am besten noch heute!"

Und wieder gibt es in der DTM 2017 nur ein Thema: die Performance-Gewichte. Fahrer, Teams, Hersteller, sogar der DTM-Chef Gerhard Berger ist gegen den umstrittenen Erfolgsballast. Und trotzdem konnte man sich bisher noch nicht darauf einigen, die Gewichtsregel abzuschaffen. "Es ist kein Geheimnis: Ich hasse den Erfolgsballast. Ich arbeite weiter daran, ihn aus der DTM zu verbannen", wird Berger von 'Autosport' zitiert.

Den Höhepunkt im Gewichts-Wirr-Warr gab es nach dem Samstagsrennen der DTM in Zandvoort. Obwohl BMW einen Dreifacherfolg feierte, durften die Münchner vor dem zweiten Rennen auf dem niederländischen Dünenkurs fünf Kilo ausladen. Audi, mit Mike Rockenfeller auf Platz vier als besten Fahrer der Ingolstädter, musste über Nacht fünf Kilo zuladen. Für Außenstehende und DTM-Fans ist dieses Szenario unverständlich.

Auch die Hersteller sind mit dieser Vorgehensweise unzufrieden. "Die Tatsache, dass wir am Nürburgring Gewicht einladen müssen, ist ein großer Nachteil für uns", sagt Audi-Motorsportchef Dieter Gass. "Es ist offensichtlich, dass das aktuelle System ihren Zweck nicht erfüllt. Die bedingungslose Abschaffung ist die einzige Lösung dieser absurden Lage."

"Sie fahren nicht so schnell, wie sie können..."

Am Nürburgring wird Audi satte 25 Kilo schwerer sein als BMW (1.107,5 kg). Mercedes wird mit einem Gesamtgewicht von 1.122,5 kg immer noch deutlich schwerer als die Fahrzeuge der Münchner sein, aber zumindest zehn Kilo leichter als die Ingolstädter. "Ich werde schon mal anfangen, mit einem 25-Kilo-Rucksack zu trainieren", scherzt der Audi-Pilot Mattias Ekström über die Gewichtsunterschiede. "In der DTM geht es so eng zu, da macht jedes Kilo einen Unterschied. Ich hätte gerne ein leichteres Auto", sagt Mike Rockenfeller.

"Das Gewicht an sich ist nicht das Problem, sondern die Konsequenz aus dem System", so Berger. "Die Teams suchen nach Strategien, um keine Zusatzgewichte zu erhalten. Sie fahren nicht so schnell, wie sie eigentlich können. Die Ergebnisse sind trotzdem gut, auch wenn man nicht das schnellste Auto ist."

Der Ex-Formel-1-Pilot möchte die Regelung gerne ändern, braucht dazu aber die Stimmen der Hersteller. "Um das Reglement zu modifizieren, müssen alle Hersteller zustimmen", so der Österreicher, der sich wünscht, dass die Hersteller das beste Auto entwickeln müssen und sich nicht auf die Ausbalancierung etwaiger Performance-Nachteile durch die Zusatzgewichte verlassen können.

Wenn niemand über seinen Schatten springt...

"Aufgrund der DNS der DTM darf man die Show niemals über den Sport stellen. Auch nicht dann, wenn die Show schlecht ist. Ich bevorzuge immer den richtigen Sport. Kritisch sind hingegen nur die Show und die anfallenden Kosten", erklärt Berger.

Auch bei Mercedes ist man für eine Abschaffung der Performance-Gewichte. "Wir müssen die Gewichte loswerden, am besten noch heute!", sagt Mercedes-DTM-Teamchef Ulrich Fritz. "Aber an unserer Stimme lag es nicht: Wir waren von Anfang an dafür."

Aber: "Die anderen verbinden es mit bestimmten Bedingungen. Ich kann ihren individuellen Standpunkt verstehen. Aber wenn man nicht über seinen Schatten springt, dann wird man niemals das Beste für die Serie erreichen. Wir brauchen ganz schnell eine Entscheidung", so Fritz.

Ein Tisch mit drei Beinen

Bei BMW äußert man sich nicht so deutlich über eine schnelle Abschaffung des Erfolgsballasts. Die Münchner hatten bisher am meisten von der Regelung der Performance-Gewichte profitiert und trotz guter Rennresultate das mit Abstand leichteste Auto im Feld.

"Die Regularien wurden ähnlich wie ein Tisch mit vier Beinen entworfen", erklärt BMW-Motorsport-Direktor Jens Marquardt. "Und einer dieser Beine waren die Performance-Gewichte. Wenn wir ein Bein wegnehmen, dann fällt der Tisch um. Wir müssen also daran arbeiten, einen Tisch zu konstruieren, der mit drei Beinen stabil steht. Darauf muss die Diskussion basieren."

Es müsse eine dauerhafte Lösung gefunden werden, "eine, die nicht nur diese Saison bestand hat, sondern auch im nächsten Jahr und in der Zeit danach", schließt Marquardt ab. Ob sich die Beteiligten vor dem nächsten DTM-Lauf am Nürburgring (9./10. September) auf eine Abschaffung der Performance-Gewichte einigen, bleibt abzuwarten.

© Motorsport-Total.com

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