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In der DTM wird mit harten Bandagen gekämpft: zu hart?
In der DTM wird mit harten Bandagen gekämpft: zu hart? © xpb.cc

In der DTM 2017 wird mit harten Bandagen und mit allen Mitteln gekämpft: Ist die Gangart im Saisonendspurt und um den DTM-Titel zu hart geworden?

Die DTM biegt auf die Zielgerade und es wird mit harten Bandagen gekämpft. Es sind nur noch zwei Rennwochenenden mit jeweils zwei Rennen in der Saison 2017 - und der Titelkampf ist spannend wie lange nicht mehr. Audi-Pilot Mattias Ekström liegt mit 136 Punkten an der Spitze der Tabelle. Dem Schweden liegen Lucas Auer (127), Rene Rast (124), Marco Wittmann (115) und Jamie Green (113) dicht auf den Fersen. Nur 39 Punkte trennen den Tabellenführer vom Gesamtzehnten Paul di Resta (97). Bei insgesamt 112 Zählern, die bis zum Saisonfinale noch zu vergeben sind, bleibt das Rennen um den Titel offen.

Trotz der guten Ausgangslage sieht man sich bei Audi nicht als Favorit auf den Titel. Mit einem Gewichtsunterschied von 20 Kilogramm sind die Ingolstädter deutlich schwerer als die Konkurrenz aus München. Der Red-Bull-Ring gilt als gewichtsempfindlichste Rennstrecke im Kalender und auf der Berg-und-Talbahn wird der Zusatzballast eine große Rolle spielen.

Audi-Motorsportchef Dieter Gass glaubt, dass der Zeitunterschied gut vier Zehntelsekunden betragen wird. Um trotz des Gewichtsnachteils im Vorteil zu bleiben, werden in Österreich bei dem einen oder anderen Fahrer wieder die Ellbogen ausgefahren, um im Kampf um die Krone zu bleiben.

Verwarnung oder Strafe?

Denn im Saisonendspurt packen die 18 DTM-Piloten noch einmal alles aus, um sich mit guten Ergebnissen in die Winterpause zu verabschieden oder sich bei ihren Arbeitgebern für eine weitere Saison in der DTM zu empfehlen. Kein Wunder, dass vier Rennen vor Schluss eine härtere Gangart herrscht und mit allen (erlaubten) Mitteln gekämpft wird. Insgesamt neun Verwarnungen sprachen die Sportkommissare des Deutschen Motor Sport Bunds (DMSB) während dem Rennwochenende am Nürburgring aus.

Da stellt sich die Frage: Wird in der DTM zu hart gekämpft? "Sicher wird es härter - wir sind am Ende des Jahres! Schau dir Fußball oder Eishockey an - da ist das normal. Wenn es nicht so wäre, wäre ich enttäuscht", sagt Tabellenführer Ekström.

Und auch Timo Glock, der selbst ein Opfer eines Zweikampfs war und von Gary Paffett umgedreht wurde, glaubt, dass in der DTM hart gekämpft werden muss. "Für die Fans ist es mega zuzuschauen, sie wurden gut unterhalten. Das ist Tourenwagen-Sport und so soll es auch sein", sagt der BMW-Pilot.

Der Chef der Münchner stimmt dem Ex-Formel-1-Fahrer zu. "Das ist Tourenwagen-Sport und kein Kindergeburtstag", sagt BMW-Motorsport-Direktor Jens Marquardt. Dennoch war der 50-Jährige über die vielen Verwarnungen, die am Nürburgring von den Sportkommissaren ausgesprochen wurden, überrascht. "Die Rennleitung hat viele Verwarnungen ausgesprochen. Vielleicht ist es auch mal an der Zeit, nicht nur eine Verwarnung, sondern auch eine Strafe auszusprechen, wenn sie der Meinung sind, dass es zu hart ist", sagt er.

"Das wollen die Fans sehen!"

Dass die Autos Seite an Seite kämpfen und in die Kurven fahren, sei für ihn in Ordnung, denn: "Das wollen die Fans auch sehen!". Allerdings sei er nicht begeistert, wenn seine BMW mit Beschädigungen ins Ziel kommen.

Der BMW-Sportchef fordert, dass die Strafen schon während dem Rennen verhängt werden sollen, und nicht erst nach dem Rennen. "Wenn es ein grobes Foul war, dann sollte die Bestrafung auch gleich im Rennen erfolgen. Das ist im Fußball oder Handball auch so", so Marquardt.

Am Nürburgring verteilten die DMSB-Schiedsrichter insgesamt neun Gelbe Karten. Fünf Verwarnungen gingen an Audi-Fahrer, jeweils zwei an Piloten aus den Häusern BMW und Mercedes. Versuchen die Ingolstädter alles, um ihren Titelfavoriten Ekström zu seiner dritten Meisterschaft zu lotsen? "Aus meiner Erfahrung heraus, ist es normal in der DTM, dass es jetzt noch härter zur Sache geht. Mich hat am letzten Wochenende zum Beispiel die Strategie von Audi getroffen", sagt Mercedes-Fahrer Robert Wickens.

Taktikspielchen bei Audi

Der Sieger des Sonntagsrennens in der Eifel ergänzt: "Aber sie versuchten einfach, jeden einzubremsen, um den Titelkandidaten von Audi zu helfen. Ich weiß, dass das Teil der DTM ist, aber ich denke, dass wir bei Mercedes erhobenen Hauptes sagen können, dass wir das nicht machen. Wir versuchen, den Fans die bestmögliche Show zu bieten, faires und echtes Racing."

Auch Glock war Leidtragender der Audi-Taktik und krachte am Sonntag in das Heck von Nico Müllers Audi. Der Schweizer bremste früher als notwendig und wurde vom BMW-Mann beschuldigt, das Rennen zu manipulieren, um seinen Teamkollegen Ekström zu helfen. Für die Kollision wurde Glock verwarnt, Müller kam straffrei davon.

Am Samstag wurde der 35-Jährige im Rennen von Paffett umgedreht. Doch der Brite wurde für diese Aktion nicht verwarnt, was für Unverständnis bei Glock sorgte. Paffett konterte: "Die BMWs sind schlechte Fahrer. Sie haben mich von der Strecke gedrängt oder sind einfach in mich reingefahren. Das ist sehr frustrierend."

Es geht auch hart, aber fair

Der ehemalige Motorsportchef von Mercedes und Motorsportexperte Norbert Haug sieht die Sache etwas anders. "Gary ist ein harter und fairer Sportmann. Aber das Umdrehen muss nicht sein, schon gar nicht, wenn es um Platz zehn geht", sagt Haug in der 'ARD'. "Die Gangart wurde härter und man würde gut daran tun, es ein wenig einzubremsen."

Dass es auch hart, aber fair geht, bewiesen Robert Wickens und Marco Wittmann. "Wir versuchen, den Fans die bestmögliche Show zu bieten, faires und echtes Racing. Der Kampf zwischen Marco und mir war das ganze Rennen lang einfach nur pures 'Old-School-Racing'. Für mich war das sehr gute Unterhaltung, die mir sehr gefallen hat. Das hat richtig Spaß gemacht", sagt der Kanadier, der als Aussieger aus dem Zweikampf mit Wittmann hervorging.

Nächste Woche findet das vorletzte DTM-Wochenende der Saison statt und am Red-Bull-Ring werden die 18 Piloten wieder mit harten Bandagen um die besten Plätze kämpfen.

© Motorsport-Total.com

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