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Mattias Ekström hätte am Nürburgring etwas mehr Glück gebrauchen können
Mattias Ekström hätte am Nürburgring etwas mehr Glück gebrauchen können © LAT

Tabellenführer Mattias Ekström weiß, dass Pech und Glück im engen Meisterschaftskampf nah beieinander liegen - das hat der Nürburgring bewiesen

Der letzte Sieg von Mattias Ekström liegt gut zwölf Monate zurück. In der DTM-Saison 2017 ist er noch nicht einmal als Erster über die Ziellinie gefahren. Trotzdem führt er seit Anfang Juli souverän die Gesamtwertung an - fünf Podiumsplätzen, sechs Punkte-Platzierungen und ein bisschen Teamwork sei Dank. In einem Jahr, in dem sich das Blatt von Rennen zu Rennen schneller zu wenden scheint, als man "Performance-Gewichte" sagen kann, scheint der Schwede ein glückliches Mittelmaß gefunden zu haben. Das zeigt auch sein Nürburgring-Wochenende.

"Am Samstag wäre ich auch gerne Fünfter oder Sechster gewesen, aber da gab es leider ein bisschen schlechtes Timing mit dem Reifenwechsel. Ich habe dabei gefühlt zehn Punkte unnötig liegen lassen. Am Sonntag habe ich dafür vielleicht die Punkte ein wenig einfacher bekommen. Unterm Strich kann ich aber sagen, dass ich die Hälfte meines Ziels erreicht habe: Ich wollte zweimal Sechster werden und einmal habe ich es geschafft."

Der Nürburgring schien schon Beginn an kein gutes Pflaster für Audi zu sein. Da waren zunächst einmal die 25 Kilogramm an Performance-Gewichten, die Ekströms Auto im Vergleich zur Konkurrenz von BMW aufladen musste. Zudem erstarkte Mercedes zum verregneten Auftakt in der Eifel. Und in Ekströms Fall verzettelte sich das Team dann auch noch komplett mit der Strategie - er kam am Samstag als 15. über die Ziellinie. Sein Fazit am Samstagabend: "Jetzt ein Radler und morgen ist ein neuer Tag".

Kurios: Ekström hat sich zum Sonntagsfahrer entwickelt. An fünf von sieben Rennwochenende holte er sonntags mehr Punkte als samstags - so auch auf dem Nürburgring. Von Startplatz 15 aus ging es auf eine wilde Reise durch das Feld - die Spezialität des Schweden. Weiter vorne stiftete Teamkollege Nico Müller zudem einmal mehr Verwirrung, was Ekström den Anschluss halten ließ. Bereits in Moskau und Zandvoort war Müller Strategie den Titelambitionen des Älteren entgegengekommen.

Ekströms größtes Glück aber ist das Pech der Anderen - Lucas Auer zum Beispiel. Der Mercedes-Shootingstar hatte sich nach seinem starken Saisonauftakt schon beinahe aus dem Titelkampf verabschiedet und war vor dem Nürburgring mit 29 Punkten Rückstand Gesamtsechster. Pole-Position und Sieg brachten ihn aber bereits zur Hälfte des Wochenendes auf einen Zähler an den Tabellenführer heran. Am Sonntag drehte sich der Österreicher durch eigenverschulden und ging leer aus. Ekström hat wieder ein Neun-Punkte-Polster.

Andere Titelaspiranten, wie Marco Wittmann, Rene Rast oder Mike Rockenfeller, konnten ebenfalls nicht das Optimum aus ihrem Wochenende herausholen. Deshalb fühlt sich der gejagte Ekström aber noch lange nicht als Gewinner der siebten Saisonstation. "Ich fühle mich eher, als wäre ich am Samstag der größte Verlierer gewesen", erklärt er. "Am Samstag hatte ich nicht so viel Pech."

Glück und Pech - wird es darauf am Ende in der Titelentscheidung 2017 hinauslaufen? Zwei Rennwochenenden sind noch zu absolvieren, vier Rennen zu fahren und dabei theoretisch noch 112 Punkte zu holen. Rechnerisch können noch 16 Fahrer Meister werden. Die Top 10 trennen nur 39 Punkte. Schon bei der kommenden Station in Spielberg soll der Gewichtsvorteil wieder BMW in die Karten spielen, allerdings steht die DTM kurz davor, die Performance-Gewichte abzuschaffen. Das Final in Hockenheim könnte wieder ein gutes Mercedespflaster werden.

Hätte sich Ekström ein größeres Punktekonto anhäufen müssen? Und werden ihnen solche Taktik-Fehler wie im Eifel-Regen am Ende zum Verhängnis? "Hätte, wäre wenn gibt es nicht", betont der 39-Jährige. "Alle haben mal schlechte Rennen und es braucht auch immer ein Quäntchen Glück."

© Motorsport-Total.com

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