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Daniel Abt wurde 2012 Vizemeister in der GP3-Serie
Daniel Abt wurde 2012 Vizemeister in der GP3-Serie © imago

München - Am Samstag startet das Projekt Formel E. Vorab spricht Daniel Abt über den Reiz der neuen Serie und Vergleiche mit der Formel 1.

Am 13. September beginnt in Peking eine neue Ära.

Die neu gegründete Formel E wird ihr erstes Rennen abhalten, erstmals in der Geschichte des Motorsports wird es eine offizielle FIA-Weltmeisterschaft für Elektrorennwagen geben.

Als einziges deutsches Team tritt Abt Sportsline am Samstag (Highlights, So., 15.45 Uhr im TV auf SPORT1) gegen die internationale Konkurrenz an.

Neben dem ehemaligen Formel-1-Piloten Lucas di Grassi, ist auch Daniel Abt für den familieneigenen Allgäuer Rennstall am Start.

Der 21-Jährige ist eine der größten deutschen Nachwuchshoffnungen im Motorsport und parallel auch noch in der, als führende Talentschmiede der Formel 1 geltenden, GP2 aktiv.

Im SPORT1-Interview spricht er über den Reiz an der neuen Serie, das hochkarätige Fahrerfeld und Vergleiche mit der Formel 1.

SPORT1: Herr Abt, am Samstag ist es endlich soweit, in Peking startet das Projekt Formel E. Wie groß ist Ihre Vorfreude?

Daniel Abt: Die Vorfreude ist riesengroß. Es ist irgendwie ein komisches Gefühl, dass es jetzt wirklich losgeht. Es fühlt sich noch etwas unwirklich an, denn vor einem halben Jahr war das Thema noch sehr weit weg. Man hat gerade zum ersten Mal die Autos gesehen, dann kam der erste Test, und jetzt steht schon das erste Rennen an. Ich bin sehr gespannt, was es bietet.

SPORT1: Wie verlief denn die Vorbereitung in den letzten Wochen. Gab es viele Möglichkeiten die neuen Autos zu testen?

Abt: Wir haben schon einige Tests absolviert. Bei mir war es jetzt leider so, dass ich durch meinen parallelen Einsatz in der GP2 bei der Hälfte der Tests gar nicht dabei sein konnte, weil es sich mit den Rennen überschnitten hat. Aber trotzdem konnten wir uns als Team so aufstellen, dass wir wissen, was zu tun ist.

SPORT1: Worin besteht für Sie der Reiz an der Formel E?

Abt: Es ist dieser komplett unterschiedliche Ansatz, der einen da erwartet. Motorsport-Serien gibt es viele, man hat da eine große Vielfalt, aber mit rein elektrischen Autos ist eben bis jetzt noch keiner gefahren. Dazu sind wir in echten Metropolen unterwegs. Es sind tolle Teams dabei, viele gute Fahrer. Es wird mit Sicherheit eine geile Kulisse in Peking sein und ich hoffe, dass die Rennen spannend werden und es den Zuschauern gefällt.

SPORT1: Was würden Sie Kritikern sagen, die behaupten, eine reine Elektro-Serie habe nichts mehr mit Motorsport zu tun?

Abt: Eine ähnliche Diskussion gab es Anfang des Jahres wegen des fehlenden Sounds der Motoren ja auch in der Formel 1. Scheinbar gibt es immer Leute, die an der Vergangenheit festhalten und immer nach dem Motto 'früher war alles besser' leben. Das Thema Elektroautos kann man aber nicht mehr beiseiteschieben, die Entwicklung geht schnell voran. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Formel-E-Auto in ein paar Jahren ganz easy ein Formel-1-Auto schlagen kann.

SPORT1: Das Fahrerfeld ist sehr hochkarätig besetzt. Unter anderem sind Ex-Formel1-Piloten wie Nick Heidfeld, Bruno Senna oder ihr Teamkollege Lucas di Grassi dabei. Sind Sie als einer der wenigen junger Fahrer eher dabei um zu lernen...

Abt: Meine Konkurrenten sind natürlich wirklich zu 90 Prozent extrem erfahrene und starke Rennfahrer. Da mache ich mir keine Illusionen, dass da irgendwelche Schnarcher an den Start gehen. Aber ich glaube, mit meinen Erfahrungen aus den letzten Jahren sollte ich schon auf Augenhöhe fahren können. Das ist für mich einfach eine geile Herausforderung und wenn ich es schaffe sie zu schlagen, ist es umso besser.

SPORT1: Im ersten Jahr der Formel E werden alle Fahrer mit dem gleichen Auto, dem Spark-Renault SRT_01E, antreten. Kann man gerade im Vergleich zur Formel 1 sagen, dass es allein auf die Klasse des Fahrers ankommt?

Abt: Zumindest für den Start der Serie ist diese Lösung absolut förderlich. Jeder hat die gleichen Voraussetzungen, jedes Team hat die gleiche Chance. Und natürlich ist es als Fahrer immer gut zu wissen, dass man ein Auto hat, mit dem man gewinnen kann und nicht fünf Sekunden hinterher fahren muss.

SPORT1: Ein Rennen in der Formel E wird maximal 60 Minuten dauern. Zwischendrin werden Sie auch ihr Auto wechseln, da die Batterie die volle Renndauer noch nicht durchhält. Wie darf man sich so einen Wechsel vorstellen?

Abt: Den Fahrerwechsel an sich kennt man ja aus dem GT-Sport, wo die Fahrer getauscht werden. Und im Prinzip ist es nicht viel anders. Man parkt das Auto, schnallt sich ab, springt ins nächste Auto rein und weiter geht?s.

SPORT1: Ein interessanter Aspekt ist der sogenannte "Fan-Boost", durch den die Fans per Abstimmung drei Fahrern die Möglichkeit geben, für fünf Sekunden im Rennen ihre Leistung zu erhöhen. Was halten Sie von solchen Maßnahmen?

Abt: Die Grundidee der Serie war immer, so nahe wie möglich am Fan zu sein. Dazu soll viel mit Social Media, YouTube und Ähnlichem gearbeitet werden. Die Meinungen darüber sind sehr gemischt. Ich gehe persönlich aber eh nicht davon aus, dass ich einen Fan-Boost bekommen werde. Da sind Fahrer wie Karun Chandhok, die aus bevölkerungsreichen Ländern wie Indien kommen, klar im Vorteil.

SPORT1: Nach wie vor ist es ein großer Traum von Ihnen demnächst in der Formel 1 zu fahren. Sehen Sie die Formel E auch als eine Art weiteres Sprungbrett, wo man sich präsentieren kann?

Abt: Ich glaube, es ist immer gut, wenn man in einer Serie fährt, die so viel Beachtung bekommt. Aber ich glaube nicht, dass die Formel E direkten Einfluss auf meine mögliche Formel-1-Karriere haben wird. Aber wenn es so sein sollte, sage ich natürlich nicht nein (lacht).

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