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Daniel Abt (l.) im Gespräch mit SPORT1-Redakteur Carsten Arndt

Formel-E-Pilot Daniel Abt berichtet bei SPORT1 nach dem ersten Rennen von positiven Reaktionen. Eine Revolution ist möglich.

Von Carsten Arndt und Tobias Wiltschek

München - Diese Szene hätte es auch in sämtliche Highlight-Clips der Formel 1 geschafft.

Als Nicolas Prost seinen Rivalen Nick Heidfeld im Kampf um den Sieg kurz vor dem Ziel von der Strecke schoss und sich der Deutsche anschließend mehrfach überschlug, stockte den Zuschauern der Atem.

Der Schock legte sich erst, als Heidfeld unverletzt aus seinem Fahrzeug krabbelte.

Das Bild aus Peking

Es war nicht das Bild des Siegers Lucas di Grassi, das von der Premiere der Formel E auf dem Stadtkurs von Peking hängen blieb. Es war diese Kollision, die den Triumph des Brasilianers ja auch überhaupt erst ermöglicht hatte.

Und so zynisch es klingen mag: Der Boss der neugeschaffenen Ökologie-Serie, die ausschließlich auf Stadtkursen ausgetragen wird, war stolz auf die Bilder dieses Horror-Crashs (Highlights aller Rennen im TV auf SPORT1).

"Fernsehtechnisch war das das Beste, was der Formel E passieren konnte", sagte der Spanier Alejandro Agag: "Und es hat gezeigt, wie sicher unsere Autos sind."

Die neue Serie setzt also nicht nur Umweltstandards für den Motorsport, sie ist auch sicherheitstechnisch auf dem neuesten Stand. Diese Botschaft sollte aus der chinesischen Hauptstadt in die Welt hinausgehen.

Abt: "Das war gefährlich"

Dabei waren sich alle Beteiligten einig, "dass das gefährlich war", sagte Formel-E-Pilot Daniel Abt bei seinem Besuch in der SPORT1-Redaktion.

Aber auch der 21-Jährige, der normalerweise in der GP2-Serie fährt, ist sich der PR-Wirkung der spektakulären Bilder bewusst: "Für die Rennserie ist es natürlich ein Aufhänger um zu sagen, 'hier ist Action, hier passieren Dinge', und die Bilder sind um die Welt gegangen."

Auch in Kanada wird man die Bilder aus Peking gesehen haben. Nach Vancouver hat nun auch Montreal Interesse an der Austragung von Rennen signalisiert.

Mit Verantwortlichen aus Paris finden derzeit ebenfalls Gespräche über eine Einbindung in den Rennkalender statt, der in dieser Saison noch neun Austragungsorte umfasst.

Rennen in der Schweiz?

Das umweltfreundliche Image der neuen Serie, die im Juni 2015 in London ihren ersten Gesamtsieger küren wird, könnte sogar zu einer echten Revolution führen.

Denn selbst in der Schweiz, wo seit dem Unfalldrama von Le Mans im Jahr 1955 mit 83 Toten ein generelles Rundstreckenverbot gilt, stößt die Formel E auf Begeisterung.

Laut Schweizer Medienberichten fordern einflussreiche Politiker die Abschaffung des Verbotsgesetztes mit Hinweis auf die Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit der Formel E. Als Austragungsort ist Zürich im Gespräch.

Auch Abt berichtet von größtenteils positiven Reaktionen auf das erste Rennen: "Es ist klar, dass so eine Rennserie die Gemüter spaltet. Aber es waren viele, viele Leute, die gesagt haben, 'es war eine coole Veranstaltung, und es ist eine interessante Rennserie'".

Gemischte Bilanz

Seine persönliche Bilanz des ersten ePrix der Geschichte fällt indes gemischt aus.

Nachdem er das Rennen auf dem dritten Platz beendet hatte, fiel er wegen einer nachträglichen Bestrafung noch bis auf Rang zehn zurück.

Er hatte die erlaubte Energiemenge von 28 Kilowattstunden pro Fahrzeug und Rennen minimal überschritten.

"Im Endeffekt waren es 0,2 Kilowattstunden, die ich über dem erlaubten Wert lag. Das ist so gut wie gar nichts, aber es ist nun mal eine Regel", sagte Abt.

"Wieder angreifen"

Abgesehen davon war er aber zufrieden mit seinem ersten Auftritt: "Wir hatten den Speed, waren gut dabei und können es beim nächsten Mal besser machen. Wir werden auf jeden Fall wieder angreifen."

Bis dahin muss er sich allerdings noch etwas gedulden. Erst am 22. November macht die Formel E wieder Station - dann im malaysischen Putrajaya.

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