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Fernando Alonso scheidet beim Heim-Grand-Prix von Ferrari in Monza aus

München - Ausgerechnet beim Heimspiel in Monza ist die Scuderia am Tiefpunkt angelangt. Baldige Besserung ist nicht in Sicht.

Felipe Massa machte die Demütigung für die stolze Scuderia Ferrari perfekt.

Der Brasilianer - und nicht Fernando Alonso - stand nach dem Großen Preis von Italien auf dem Podium.

Massa, der nach der vergangenen Saison noch vom Hof gejagt worden war, nahm als Dritter die Ovationen der Tifosi entgegen.

Sein Nachfolger Kimi Räikkönen brachte es als Neunter auf magere zwei Pünktchen, Alonso hatte zum Zeitpunkt der Siegerehrung schon längst Feierabend.

Erstmals seit vier Jahren bremste ihn ein technischer Defekt. Nicht einmal mehr auf die Zuverlässigkeit des F14 T kann sich die Scuderia also etwas einbilden.

Die wirklich großen Probleme des Traditionsrennstalls liegen aber in anderen Bereichen.

Die Spekulationen um die baldige Ablösung von Präsident Luca di Montezemolo sind trotz aller Dementis ein untrügliches Zeichen dafür, dass es in der Führungsriege des Teams gewaltig brodelt.

Zwischen Montezemolo und Sergio Marchionne, Geschäftsführer von Ferrari-Hauptaktionär Fiat, soll es zum Bruch gekommen sein.

Selbst ein Rücktritt des erst vor wenigen Monaten inthronisierten Teamchefs Marco Mattiacci ist nicht mehr ausgeschlossen.

Die Personalquerelen sind aber auch nur die Folgeerscheinungen des eigentlichen Dilemmas bei Ferrari.

Bei der Entwicklung des Motors - der mit Abstand wichtigste Bestandteil der aktuellen Formel-1-Autos - ist im vergangenen Winter auf ungeheuerliche Art und Weise geschlampt worden.

Er ist zu schwer, zu schwach und falsch konzipiert worden. Diese Schwachpunkte wurden den Ferraristi ausgerechnet beim Heimspiel so deutlich vor Augen geführt wie bislang noch auf keiner anderen Strecke in diesem Jahr.

Der Kurs in Monza besteht fast ausnahmslos aus langen Geraden, sie sind die schnellsten im gesamten Formel-1-Zirkus. Da haben die Ferrari gegen die starken Motoren der Mercedes-Teams nicht den Hauch einer Chance. Bis zu 10 km/h beträgt der Unterschied in den Vollgaspassagen.

Zudem verbraucht die Antriebseinheit durch ihr großes Gewicht so viel Sprit, dass das in dieser Saison eingeführte Limit von 100 Kilogramm Benzin pro Rennen Ferrari vor ein weiteres Problem stellt: Die Piloten müssen sparsamer fahren als ihre Konkurrenten.

Dass Ferrari die Probleme in diesem Jahr noch in den Griff bekommt, ist ausgeschlossen. Änderungen an den Motoren, die die Leistung steigern, sind schon seit Beginn der Saison nicht mehr erlaubt.

Ferrari täte also gut daran, sich möglichst bald für das kommende Jahr zu rüsten und den Motor noch einmal komplett neu zu konzipieren.

Gut möglich, dass diese Aufgabe nicht mehr die derzeit Verantwortlichen in Angriff nehmen. Mattiacci selbst hatte vor einigen Tagen um die Rückkehr von Ross Brawn geworben.

Unter Leitung des Briten, der als Technischer Direktor sechs Mal den Konstrukteurs-Titel nach Maranello holte, hätte Ferrari die größten Chancen auf ein erfolgreiches Comeback im nächsten Jahr.

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