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Sebastian Vettel (l.) muss in Monza zum wiederholten Male Teamkollege Daniel Ricciardo ziehen lassen

Red-Bull-Berater Marko räumt Versagen bei Sebastian Vettels Strategie ein. Sieger Hamilton schwärmt von den Tifosi. Stimmen.

Monza - Zum sechsten Mal stand Sebastian Vettel in diesem Jahr vor Teamkollege Daniel Ricciardo in der Startaufstellung, zum zehnten Mal sieht er am Endes eines Rennens nur noch dessen Rücklichter.

Im teaminternen Duell bei Red Bull zeigt der Australier beim Grand Prix von Italien (Bericht) einmal mehr, wer in dieser Saison die Nase vorn hat.

Falsche Strategie bei Vettel

Das liegt zum einen an der erneut bravourösen Leistung Ricciardos, der sich immer mehr zum Überholkönig der Formel 1 entwickelt und dafür von Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko das Prädikat "unglaublich" erhält.

Zum anderen aber vergriff sich das Red-Bull-Team in Sachen Strategie komplett, wie Marko nach dem Rennen einräumen muss. Vettel ist so in der Schlussphase gegen den Angriff des Teamkollegen chancenlos.

Vettel selbst hadert neben der Strategie vor allem mit seinen Reifen, die sich gegen Ende "verabschiedet" hätten.

Hamilton schwärmt

Lewis Hamilton erlebt dagegen ein Wechselbad der Gefühle. Nachdem ihn sein Mercedes beim Start im Stich lässt und der Brite mehrere Plätze verliert, schließt er bald wieder zu Teamkollege und WM-Leader Rosberg auf.

Der Brite bekommt vom Team die Anweisung, es langsam angehen zu lassen, will davon aber nichts wissen und drängt Rosberg zu einem Fehler. Am Ende feiert er den sechsten Saisonsieg und zeigt sich begeistert von der Stimmung an der Strecke.

SPORT1 fasst die Stimmen zum Rennen in Monza zusammen:

Lewis Hamilton (Mercedes, Platz 1):

"Das war hier ein unglaubliches Publikum. Ich könnte mir keinen schöneren Ort vorstellen, auf dem Siegerpodest zu stehen ? die Menschen standen auf der ganzen Geraden, so weit das Auge reichte, das ist atemraubend hier. Mein Start war nicht berauschend, aber ich war heilfroh, nicht mehr Ränge zu verlieren. Man darf das nicht so auslegen, dass ich die Team-Anweisung (Als Hamilton Rosberg immer näher rückte, erhielt er von der Mercedes-Box die Anweisung, es langsam angehen zu lassen, Anm. d. Red.) ignoriert habe. Ich fand einfach, ich habe in diesem Moment den notwendigen Speed, um Nico die Hölle heiß zu machen. Also habe ich an Bord entschieden, jetzt anzugreifen."

Nico Rosberg (Mercedes, Platz 2):

"Nach den Schwierigkeiten der vergangenen paar Wochen war die Anweisung sehr klar, dass wir hier Platz eins und zwei holen müssen. Für mich selbst ist es natürlich sehr enttäuschend heute. Lewis war einfach sehr schnell unterwegs, und da musste ich dann schon mehr ans Limit gehen und habe mich dann verbremst. Damit war das Ganze dann gelaufen. Der zweite Platz ist trotzdem noch einigermaßen ok und gibt immer noch viele Punkte. Von daher gibt es Schlimmeres."

Felipe Massa (Williams, Platz 3):

"Ich freue mich über das erste Podium dieser Saison. Ich freue mich so, hier stehen zu können, und das war sicher noch nicht alles. In manchen Rennen hatte ich etwas Pech, aber dieses Mal war das Glück auf meiner Seite. Heute haben wir gezeigt, dass wir mithalten können. Ich kann versprechen, dass wir bis zum letzten Rennen kämpfen werden."

Sebastian Vettel (Red Bull, Platz 6):

"Es lief nicht ganz ideal. Es wäre vielleicht mehr drin gewesen, aber im Nachhinein waren wir vielleicht ein bisschen zu aggressiv mit der Strategie. Wir sind hinten raus zu sehr eingebrochen. Es war am Ende sehr rutschig, die Hinterräder haben sich verabschiedet. Sobald Daniel an Kevin (Magnussen, Anm. d. Red.) vorbei war, kam er so schnell ran, dass ich dann keine Chance mehr hatte dagegen zu halten. Ich glaube, dass die Strategie am Ende entschieden hat. Vielleicht sind wir zu früh in die Box gefahren. Wir geben aber weiter Gas und werden versuchen, diese Saison noch einen Sieg einzufahren."

Daniel Ricciardo (Red Bull, Platz 5):

"Man muss für solche Überholmanöver schon großes Vertrauen in das Auto haben. Ich habe gemerkt, dass das Auto heute beim Bremsen sehr stark war. Als ich auf Sebastian (Vettel, Anm. d. Red.) aufgeschlossen habe, war mir klar, dass er sich verteidigen würde. Aber wir haben hart und sauber gekämpft. So sollte ein Rennen laufen. Vor dem Rennen hat das Team gesagt 'Ihr startet nebeneinander, wir werden euch fahren lassen, aber seid vorsichtig'. Während des Rennens meinten sie dann 'Wir werden es dich versuchen lassen, bring das Auto nur in einem Stück nach Hause'."

Toto Wolff (Teamchef Mercedes):

"Lewis hat es verdient, heute zu gewinnen. Seine Pace war beeindruckend, und das ist der Grund, warum er gewonnen hat. Es war ein perfektes Ergebnis. Es war aufregend, es gab keine Berührung, aber trotzdem großartigen Rennsport. Die Adrenalinschübe brauchen wir nicht mehr, dass sie fighten. Es war spannend genug."

Helmut Marko (Red-Bull-Motorsportberater):

"Das war optimale Schadensbegrenzung. Beide Fahrer haben einen unglaublich guten Job gemacht. Uns ist allerdings ein grober Fehler bei der Strategie unterlaufen. Wir haben Sebastian viel zu früh hereingeholt. Wir hatten keine Erfahrungswerte und dadurch war er am Ende des Rennens wehrlos gegen Ricciardo. Aber trotz null Reifen hat er die anderen hinter sich gehalten. In dieser Situation hat man sein Können und seine Erfahrung gespürt. Ricciardos Manöver kommen einfach aus dem Nichts. Wo andere nicht einmal daran denken würden, schnappt er einfach zu. Besonders das Manöver gegen Räikkönen auf der Start/Zielgeraden war unglaublich."

Claire Williams (stellvertretende Teamchefin Williams):

"Das ist ein tolles Ergebnis für uns. Und wir haben hier den dritten Platz geklaut, da sind wir zufrieden. Valtteri (Bottas, Anm. d. Red.) ist einfach schlecht weggekommen. Aber es war natürlich ein tolles Rennen, wenn man da so durchs Feld pflügen kann, wie er das getan hat. Das war super, das hat er ganz fantastisch gemacht. Felipe hat das absolut verdient heute. Er war vor dem Rennen so unter Strom und wollte hier unbedingt etwas zeigen vor seinen Fans aus alten Ferrari-Tagen."

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