vergrößernverkleinern
Daniel Ricciardo (r.) liegt auf Platz drei, Sebastian Vettel ist Sechster
Daniel Ricciardo (r.) liegt auf Platz drei, Sebastian Vettel ist Sechster © getty

München und Monza - Nach den jüngsten Erfolgen fühlt sich Daniel Ricciardo als Nummer 1 bei Red Bull. Mit Hilfe seines Teams will er Mercedes jagen.

Die Europa-Saison ist vorbei, jetzt geht es nach Übersee.

In den vergangenen Jahren war das die Phase, in der Sebastian Vettel seine Konkurrenten nach Belieben dominierte.

2010 und 2012 startete der Red-Bull-Pilot mit dem Grand Prix von Singapur seine Aufholjagden, die er schließlich mit den WM-Titeln krönte. 2011 und 2013 vergrößerte er den ohnehin schon satten Vorsprung auf die Rivalen bis zum Saisonende auf jeweils über 100 Punkte.

Ricciardo frohlockt

Auch in diesem Jahr kommen nun die Strecken, die den "Bullen" liegen dürften: nicht mehr so viele Vollgasgeraden, dafür umso mehr Kurven.

Doch es ist nicht Vettel, der jetzt frohlockt und noch auf eine Wende im Titelkampf hofft, sondern sein junger, forscher Teamkollege Daniel Ricciardo.

Mit 166 Punkten hat er vor den letzten sechs Rennen 50 Zähler Rückstand auf den zweitplatzierten Lewis Hamilton, 72 Punkte liegt er hinter WM-Spitzenreiter Nico Rosberg. Sein Vorsprung auf Vettel beträgt 60 Punkte.

Ansage an das Team

"Die kommenden paar Strecken liegen uns sehr gut. Wenn es eine Chance gibt, die Mercedes im Titelkampf herauszufordern, bin ich mir sicher, dass da Entscheidungen getroffen werden", sagte der Australier nach dem Italien-GP im Brustton der Überzeugung.

Und ja, er nahm in diesem Zusammenhang auch das Wort "Teamorder" in seinen Mund.

Wenn es nach drei Siegen in dieser Saison noch eines Beweises für sein in astronomische Höhen gestiegenes Selbstvertrauen bedurft hätte; nach dem Grand Prix von Italien lieferte er ihn.

Der aktuelle Weltmeister also soll ihn, die erst vor dieser Saison von Toro Rosso zu den großen "Bullen" gewechselte Nachwuchshoffnung, in den verbleibenden Rennen der Saison unterstützen.

Platz fünf in Monza

Dass er nach zuvor zwei Erfolgen in Serie am vergangenen Wochenende in Monza mit Platz fünf das Podium klar verpasst hatte, störte den dauergrinsenden Australier nicht weiter.

Ricciardo konnte sich dennoch als Sieger fühlen - vor allem im teaminternen Duell gegen Vettel, der 2014 noch keinen einzigen Sieg feiern konnte.

Nachdem Ricciardo in Monza zu Beginn vom neunten auf den zwölften Platz zurückgefallen war, pflügte er wieder einmal in atemberaubender Manier durch das Feld - bis er auch Vettel überholte und den berühmten Teamkollegen noch auf Platz sechs verdrängte.

"Der Honigdachs hatte viel Spaß, es hat ihm sehr gut geschmeckt", kommentierte der 25-Jährige auf Twitter seine gefräßige Jagd durch den Königlichen Park von Monza. Bereits vor dem Rennen hatte er sich mit dem Honigdachs verglichen, "dem furchtlosesten Kerl im Tierreich", wie Ricciardo sagt.

Horner gegen Teamorder

Bei seinen Verantwortlichen aber beißt er mit seinen Vorstellungen zumindest vorerst noch auf Granit. "Wir lassen sie fahren. Die Lücke zwischen Daniel und den Mercedes-Piloten ist enorm. Es macht überhaupt keinen Sinn für uns, da einzugreifen", erteilte Teamchef Christian Horner Ricciardos Forderung nach einer Teamorder eine Absage.

Von Vettel selbst ist zu diesem Thema noch nichts zu hören gewesen.

Der Heppenheimer hat auch nach dem verkorksten Rennen in Italien keinen Grund, sich über den Kampf um den Titel Gedanken zu machen.

Er wäre fürs Erste wohl schon zufrieden, wenn er einmal problemlos über die komplette Renndistanz kommen würde.

Vettels Probleme

Wie schon so oft in diesem Jahr war er auch in Monza auf der falschen Strategie unterwegs. Er wurde viel zu früh an die Box zum Reifenwechseln geholt. "Wir haben einen groben Fehler gemacht und müssen und werden uns dafür bei ihm entschuldigen", sagte Motorsportchef Helmut Marko bei "motorsport-magazin.com".

Ein weiteres Problem ist bei Vettel der Umgang mit den Reifen, die von der Fahrweise des Hessen sehr stark beansprucht werden und deshalb nicht so lange halten wie bei anderen Piloten. Was sich auf dem langen zweiten Stint umso negativer bemerkbar machte. Außerdem, so Vettel, habe ihm von Anfang an der Speed gefehlt: "Ich bin wieder nur herumgerutscht."

Wäre Mark Webber noch sein Teamkollege und hätte der jetzt mit diesen Problemen zu kämpfen, wäre die Entscheidung für eine Stallorder zu Gunsten von Vettel vermutlich schon gefallen.

Einem viermaligen Weltmeister will man die Degradierung zum Wasserträger offenbar nicht antun - zumindest noch nicht.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel