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Beide Red-Bull-Piloten, Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo, landeten in Singapur auf dem Podium

München - Peter Kohl kritisiert nach dem Singapur-GP das Regel-Wirrwarr beim Funkverkehr. Force India bekommt ein Sonderlob.

TOPS:

Lewis Hamilton: Perfekte Leistung. Dass kein anderer Fahrer mit identischem Material am Start war, ändert daran gar nichts. Nach dem Safety Car war die Aufgabe nicht leicht. Er hat die Reifen bis zum Limit ausgequetscht, das hat ihn nach seinem letzten Stopp gerade so vor Ricciardo gehalten. Dadurch musste er nur noch ein rennentscheidendes Manöver gegen Vettel setzen.

Sebastian Vettel: Seine wohl beste Saisonleistung. Im ersten Stint stärker als Ricciardo, mit deutlich besserem Start. Hatte etwas Pech mit dem Zeitpunkt, zu dem das Safety Car raus musste. Mehr war einfach nicht drin.

Felipe Massa: Diesmal schneller als Bottas, aufgrund eines deutlich besseren Reifenmanagements. Beide wurden nach dem Safety Car auf eine Zwei-Stopp-Strategie umgestellt, der Brasilianer konnte seinen Fahrstil der Situation besser anpassen. Bottas hatte allerdings das Pech, dass es Probleme mit seinem Lenkrad gab. Massa scheint dennoch in der zweiten Saisonhälfte endlich ins Rollen zu kommen.

Sergio Perez: Das Team ist volles Risiko gegangen mit einem späten dritten Stopp und das hat sich bezahlt gemacht. Perez hat das gut umgesetzt mit einer sehr aggressiven Fahrweise. Von Startplatz 15 auf sieben nach vorne zu fahren ist aller Ehren wert. Dass er Sutil ins Heck geknallt ist, und damit die Safety-Car-Phase auslöste, war allerdings sein ureigener Fahrfehler, der das Gesamtbild etwas trübt.

Sahara Force India: Mit jetzt schon 117 Punkten hat das Team so viele geholt, wie nie zuvor. Der hauseigene Rekord von 109 Zählern aus dem Jahr 2012 ist bereits fünf Rennen vor Saisonende übertroffen. Ein Top-Resultat für ein Mittelfeldteam mit engem Budget. Ganz offensichtlich hat die Truppe von Vijai Malijah viel aus wenig gemacht. Hut ab!

Pastor Maldonado: Sutil, Maldonado und Perez waren nach den ersten Stopps sehr dicht beisammen, eine Ausgangslage prädestiniert für das obligatorische Safety Car. Perez hat dann dafür gesorgt, dass selbiges raus musste. Maldonado nicht, und das allein verdient schon Anerkennung. Dazu war er den ersten Saisonpunkten so nahe wie noch nie in diesem Jahr.

Jean-Eric Vergne: Dank fulminantem, äußerst unterhaltsamen Schlussspurt von Startplatz 12 auf Rang sechs gefahren. Dabei hatte er seine Reifen am Ende länger drauf als Perez und Magnussen. Glück gehört dazu. Aber eben auch Können. Zwei 5-Sekunden-Strafen kann man kompensieren, wenn man seine Chancen nutzt und die eigenen Ressourcen optimal einsetzt.

FLOPS:

Sauber: Technischer Doppel-K.o. So kann Marussia nach wie vor vom Monaco-Resultat zehren. Die Luft wird dünn für die Schweizer, denn es gibt nur noch fünf Chancen, Marussia zu überholen und damit etliche Millionen aus dem Prämientopf zu sichern. Und die scheinen überlebensnotwendig.

Ferrari: Die Strategie für Alonso war top. Trotzdem kann der Spanier letztendlich nichts gegen die vor ihm fahrenden Red Bulls unternehmen. Räikkönen fehlt ebenfalls die Power, um sich im Pulk mit Bottas, Button, Magnussen und Perez durchzusetzen, die alle mit Mercedes Motoren unterwegs sind. Am Ende lässt sich der Finne auch noch von Vergne abkochen. Die Kundenteams Sauber und Marussia leiden beide unter dem schwachen Ferrari-Motor. Was nutzen die ganzen Personal-Rochaden, wenn nichts dabei rumkommt?

McLaren: Ein Motor- oder Elektronikproblem legt Button, der bis dahin ein ausgezeichnetes Rennen gefahren ist, lahm. Magnussen wäre in seinem Sitz fast verschmort. Das ein ehemals absolutes Top-Team immer wieder aufgrund technischer Unzulänglichkeiten strauchelt, ist peinlich. So wird man gegen Force India am Ende des Jahres, trotz deutlich größerem Budget, nur die Rücklichter sehen.

Regeländerungen: Der Versuch, die Boxenfunkregeln zu modifizieren, um den Fahrern wieder mehr Eigenverantwortung zu übertragen, ist mal richtig in die Hosen gegangen. Was für ein Interpretations-Chaos von Freitag bis Sonntag! Mehrfach ist Rennleiter Charlie Whiting zurück gerudert, am Ende wusste niemand mehr so richtig, was erlaubt ist und was nicht. Eigentlich hätte Ricciardo bestraft werden müssen im Rennen, einige Ansagen an den Australier durch seinen Renningenieur waren - Stand Sonntag - nicht erlaubt. Passiert ist gar nichts. So macht man sich lächerlich. Sowas gehört gründlich vorbereitet und entsprechend kommuniziert, bevor man es umsetzt.

Des einen Leid, des anderen Freud. Durch den Ausfall von Nico Rosberg ist der Kampf um den WM-Titel absolut offen. Singapur hat einmal mehr gezeigt, dass auch Mercedes nicht vor Problemen gefeit ist, und andere durchaus davon profitieren können. Das erhöht die Spannung für das Rennen in knapp zwei Wochen im japanischen Suzuka. Ich freue mich heute schon drauf

Bis demnächst!
Pedal To The Metal,
Ihr Peter Kohl

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