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Singapur und München - Im letzten Moment sichern sich die Silberpfeile in der Singapur-Quali die erste Startreihe. Vettel und Alonso wittern ihre Chance.

Toto Wolff hatte so etwas in der Art wohl schon kommen sehen.

Nassgeschwitzt stand der Motorsportchef von Mercedes am Kommandostand - was nicht nur mit den immer noch hohen Temperaturen beim nächtlichen Qualifying zum Großen Preis von Singapur (Bericht) zu tun hatte (Highlights ab 22.30 Uhr im TV auf SPORT1).

"Die ganzen zwei Tage lief es schon nicht rund. Wir haben nie wirklich konstante Runden hinbekommen", sagte der Österreicher bei "Sky".

Probleme bei Rosberg

Dazu kam bei Nico Rosberg das Problem, dass er sich nur schwer an die neuen Bremsen gewöhnen konnte, die er sich schon im Hinblick auf das Rennen hatte aufziehen lassen.

Dass die Silberpfeile trotz allem und auf dem letzten Drücker in die erste Startreihe rasten, führte bei Wolff zu einer "großen Erleichterung".

Auch Lewis Hamilton, der sich mit einem minimalen Vorsprung von nur 0,007 Sekunden auf Rosberg seine sechste Pole-Position in dieser Saison sicherte, musste erst einmal richtig durchpusten.

"Es war ein aufregendes Qualifying, weil niemand erwartet hat, dass es so eng werden würde", sagte der Weltmeister von 2008.

Nicht unter Top 5

Vor der letzten Runde im entscheidenden dritten Durchgang waren beide Mercedes-Piloten nicht einmal unter den Top Fünf vertreten.

Christian Horner vermutete dahinter das große Misstrauen zwischen den beiden Favoriten auf den Titel. "Wir hatten das Gefühl, dass sie sich gegenseitig nicht die Daten zeigen würden", sagte der Red-Bull-Teamchef: "Dann haben wir gesehen, was sie wirklich für ein Potenzial haben."

Aber auch die "Bullen" selbst demonstrierten während der Zeitenjagd in der glitzernden Nacht von Singapur ihre Qualitäten.

Nicht einmal zwei Zehntelsekunden lag Daniel Ricciardo hinter dem Mercedes-Duo zurück, dicht dahinter folgte Sebastian Vettel auf Platz vier.

Vettel hofft auf guten Start

"Die Pole war in Reichweite, aber ich erwischte nicht die beste letzte Runde", sagte der viermalige Weltmeister bei der "BBC" und hatte bei "RTL" bereits das Rennen im Kopf. "Es ist schwer zu überholen. Aber: ein guter Start und eine gute Strategie, und dann könnte es schon anders aussehen."

Was beim Deutschen noch recht verhalten klingt, hört sich beim Australier Ricciardo schon etwas kämpferischer an.

"Wenn der Start funktioniert, geht es nur darum, klug zu agieren und etwas mit der Strategie zu probieren", sagte der WM-Dritte: "Und wenn wir ihnen nahe genug kommen, dann werden wir auch einen Überholversuch starten. Eine Gelegenheit habe ich mir in diesem Jahr schließlich noch nicht entgehen lassen.?

Stimmt. Wenn sich einer in dieser Saison als wahrer Überholkünstler hervorgetan hat, dann der dreimalige Rennsieger Ricciardo.

Selbst Ferrari mischt mit

Beim nächtlichen Spektakel am Sonntag müssen die Silberpfeile aber nicht nur das aktuelle Weltmeister-Team fürchten.

Auch die Ferrari-Truppe, die in dieser Saison noch keinen einzigen Grand Prix gewonnen hat, scheint just seit der angekündigten Trennung vom langjährigen Boss Luca di Montezemolo kräftig aufgeholt zu haben.

Ganze fünf Tausendstelsekunden fehlten Fernando Alonso im Qualifying auf Vettel. Auch Teamkollege Kimi Räikkönen wäre ohne den mysteriösen Motordefekt in Q3 wohl schneller gewesen als es sein siebter Platz vermuten lässt.

Alonsos Plan für das Rennen hat jedenfalls verblüffende Ähnlichkeit mit dem der Red-Bull-Kollegen und ist noch ein wenig konkreter gefasst: "Wir brauchen einen guten Start, überholen zwei oder drei Autos und sind dann auf eine starke Strategie angewiesen."

Reifen als große Unbekannte

Vor allem die Reifentaktik könnte von größerer Bedeutung sein als bei anderen Rennen. "Man muss genau aufpassen. Wer mit den Reifen besser umgeht, der gewinnt das Rennen", sagte Mercedes-Aufsichtsratsboss Niki Lauda bei "RTL".

Und als ob es ohnehin nicht schon knifflig genug wäre, den richtigen Umgang mit den Reifen zu finden, wird diese Aufgabe für das Rennen noch einmal erschwert. Denn direkt nach dem Qualifying setzten sintflutartige Regenfälle ein.

"Wir wissen nicht, wie die Strecke sein wird", grübelte Rosberg über die veränderten Bedingungen.

Es hat schon Rennen in dieser Saison gegeben, in die die Mercedes-Piloten siegessicherer gegangen sind.

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