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Lewis Hamilton (l., mit Sebastian Vettel) hatte auch bei der Siegerehrung in Singapur großen Spaß

München und Singapur - Hamilton nutzt das Pech von Rosberg und hat im Titelkampf die Trümpfe in der Hand. Erfahrung und Nervenstärke sprechen für ihn.

München/Singapur - Lewis Hamilton passte perfekt ins Bild.

Vor der beeindruckenden Kulisse des Nachthimmels von Singapur strahlte der Brite mit seinem Brillanten im Ohr um die Wette.

Doch nicht nur Hamiltons Schmuck sorgte für Glanzpunkte auf dem Podium des Singapur-GP, auch in den Augen des Briten war ein deutliches Funkeln zu erkennen.

"Davon habe ich gestern Nacht geträumt. Aber man glaubt ja nicht, dass es dann auch tatsächlich passiert. Ich habe die ganze Zeit auf dieses saubere Wochenende gewartet", jubelte er sichtlich gerührt.

WM-Führung erobert

Mit seinem Triumph zum Auftakt der Asien-Tour sicherte er sich nicht nur den siebten Saisonsieg, sondern zog auch erstmals seit Barcelona in der Fahrer-WM wieder an seinem Teamkollegen Nico Rosberg vorbei. 

"Danke an das Team. Was sie leisten, ist unglaublich. Das Gefühl im Rennen, das Wissen, ein super Auto zu haben - ohne das Team hätte ich das nicht geschafft", lobte Hamilton im Anschluss seine Crew.

Rosberg mit Nullnummer

Ganz anders dagegen der Gemütszustand des zweiten Silberpfeil-Piloten. Schon vor dem Start hatte Rosberg Probleme mit seinem Lenkrad, auch ein Austausch der Steuereinheit konnte das Problem anschließend nicht lösen.

Der Wiesbadener fuhr aus der Boxengasse los, doch nach 14 quälend langsamen Runden war sein Arbeitstag dann frühzeitig beendet. 

"Irgendwo war ein Mini-Defekt drin, der ausgelöst hat, dass keine Knöpfe funktioniert haben", analysierte Rosberg.

"Ein sehr ernüchterndes Ergebnis. Es ist ein doofes Gefühl, weil eine Kleinigkeit das ganze Rennen zerstört. Es waren viele, viele Punkte heute. Wenn Lewis ins Ziel kommt, sehr, sehr viele", fügte er noch während des Rennens hinzu.

Wolff entschuldigt sich

"Wir hatten bei Nico ein Hardwareproblem. Es sieht so aus, als wäre ein Kabel innerhalb der Lenksäule gebrochen", erklärte Motorsportchef Toto Wolff bei "Sky". Noch während des Grand Prix entschuldigte er sich bei seinem Schützling.

"Wenn du als Fahrer so viele wichtige Punkte verlierst, ist das natürlich ein ganz bitterer Moment. In einem Team muss es allerdings immer möglich sein, sich zu entschuldigen. So viel Charakter muss man haben", sagte Wolff.

Hamilton verteidigt Spitze

Rosberg blieb nichts anderes übrig, als vom Kommandostand aus zuzusehen, wie sein größter Rivale unaufhaltsam in Richtung des nächsten Saisonsieges fuhr.

Schon am Start behauptete der Brite souverän seine Führung und kam vor Vettel und Alonso aus der ersten Runde.

Safety Car sorgt für Spannung

Während sich Alonso und die beiden Red-Bull-Piloten einen spannenden Kampf lieferten, zog Hamilton an der Spitze einsam seine Kreise. Erst eine Safety-Car-Phase zur Hälfte des Rennens sorgte wieder für Spannung.

"Mir war nicht klar, in welcher Situation ich mich befand. Ich hatte keine Ahnung, welche Folgen die Safety-Car-Phase haben würde", klagte Hamilton. 

Wolff: Hamilton ein Superstar

Wenig später hatten sich seine Sorgen aber wieder verflüchtigt. Der Weltmeister von 2008 flog nach dem Restart förmlich über den Marina Bay Street Circuit und nahm Vettel und Co. zwischenzeitlich mehr als zwei Sekunden pro Runde ab.

"An solchen Tagen zeigen Fahrer wie Lewis, was den Unterschied zwischen einem Star und einem Superstar ausmacht", lobte Wolff.

Lauda schwärmt

Als Hamilton zehn Runden vor Schluss noch einmal in die Box musste, durfte Sebastian Vettel zwar noch einmal kurz am Sieg schnuppern, doch wenig später hatte der Brite die alte Reihenfolge wieder hergestellt.

Vettel durfte als Zweiter aber immerhin noch sein bestes Saisonergebnis bejubeln.

"Lewis ist sein Geld wert. Er ist ein sensationelles Rennen gefahren. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen", schwärmte Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda.

Trümpfe bei Hamilton

Drei Punkte liegt Hamilton nun vor seinem ärgsten Verfolger, das Pendel im Titelkampf schlägt nach dem zweiten Sieg in Folge wieder klar in seine Richtung aus.

Pünktlich zur entscheidenden Saisonphase ist Hamilton voll da. Rosberg dagegen wackelt, auch wenn ihm dieses Mal die Hände gebunden waren.

"Wenn man Weltmeister werden will, muss man dem Druck standhalten. Der ist jetzt da", sagte Wolff mit Blick auf den Deutschen. Hamilton kämpfte in seiner Karriere bereits dreimal um den Titel, für Rosberg ist diese Situation noch Neuland.

Bessere Siegquote bei Hamilton

Doch nicht nur die aktuelle Form und die Erfahrung sprechen für Hamilton, auch die Siegquote ist deutlich besser.

Der Brite hat bereits mehr als doppelt so viele Siege (7) auf dem Konto wie sein ärgster Widersacher (3), präsentiert sich im direkten Duell wie in Bahrain oder zuletzt in Monza meist kompromissloser und nervenstärker.

Sollte es am Ende gar auf einen Punktegleichstand hinauslaufen, hätte Hamilton daher die Nase vorn.

Lauda: "Kampf wird noch härter werden"

Noch ist die WM aber nicht entschieden, auch Rosberg hat im Verlauf der Saison bewiesen, dass er stark zurückkommen kann. "Der Kampf wird nun bis Ende des Jahres noch härter werden", prophezeit Lauda.

Dessen ist sich auch Toto Wolff bewusst: "Mir werden jetzt wohl noch ein paar weitere graue Haare wachsen, weil die zwei noch enger

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