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Unter der Führung von Luca di Montezemolo wurde Ferrari acht Mal Teamweltmeister. © Getty Images

Nach über 20 Jahren an der Spitze von Ferrari nimmt di Montezemolo seinen Hut. Nachfolger wird der Boss des Mutterkonzerns.

Am Wochenende beim Heim-Grand-Prix in Monza hatte er seinen bevorstehenden Rücktritt noch dementiert, nun wird er seinen Posten doch räumen.

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo will sein Amt am 13. Oktober anlässlich der 60-Jahr-Feier von Ferrari in Nordamerika räumen.

Sein Nachfolger wird der Fiat-Vorsitzende Sergio Marchionne. Das gab der Ferrari-Mutterkonzern am Mittwochmorgen bekannt.

Di Montezemolo steht seit 1991 an der Spitze von Ferrari und wurde noch vom damaligen Fiat-Chef Gianni Agnelli ins Amt berufen. Am Mittwoch sprach der 67-Jährige vom "Ende einer Epoche".

Schwache Leistungen

Zuletzt hatten italienische Medien über einen Konflikt zwischen Montezemolo und Marchionne berichtet, der sich auch an den schwachen Leistungen des Formel-1-Teams in der jüngeren Vergangenheit entzündet habe.

Die italienische "Gazzetta dello Sport" hatte bereits berichtet, dass Marchionne persönlich bei der geplanten Aufsichtsratssitzung des Sportwagenherstellers seine Absicht erklären würde, selbst das Ruder zu übernehmen.

Auch Ferrari-Geschäftsführer Amedeo Felisa soll künftig Verantwortung in Maranello übernehmen. Die Führungsriege komplettieren soll ein US-Manager von Chrysler.

Im Herbst an die Börse

Erst zu Beginn dieses Jahres hat Fiat den amerikanischen Konkurrenten übernommen, noch im Herbst will der neue Konzern an die New Yorker Börse gehen. Auch deshalb ist der Druck zuletzt gestiegen, beim sportlichen Aushängeschild personelle Änderungen vorzunehmen.

Laut di Montezemolo beginne nun "eine neue Phase", und es sei richtig, dass das Unternehmen von Fiats Vorstandsvorsitzendem Marchionne geführt werde.

Marchionne räumte Meinungsverschiedenheiten mit Montezemolo über die Führung des Rennstalls ein, dessen Leistungen in dieser Saison trotz des Top-Duos Kimi Räikkönen und Fernando Alonso erneut enttäuschend waren.

Marchionne dankt di Montezemolo

"Ich will jedoch Luca persönlich für all das danken, was er für mich, Ferrari und Fiat getan hat", sagte Marchionne.

Der 62-Jährige hatte erst am vergangenen Rennsonntag öffentlich die anhaltend schlechten Leistungen der Roten angeprangert. "Seit sechs Jahren gewinnen wir nicht mehr", spielte er darauf an, dass Ferrari zuletzt 2008 den Konstrukteurs-Titel gewinnen konnte.

Auf einen Rennsieg wartet die Scuderia seit 16 Monaten, ausgerechnet in Monza verlor sie den dritten Platz in der diesjährigen Team-Wertung an Williams.

Erfolge gleich gutes Marketing

Für Marchionne sind Erfolge für das italienische Traditionsteam aber auch integraler Bestandteil eines überzeugenden Marketings von Fiat.

"Wir können so eine Situation nicht akzeptieren. Ich will keine Siebt- oder Zwölftplatzierten und genauso wenig will das Fiat", polterte er.

Die stetig wachsenden Absatzzahlen bei den Straßen-Sportwagen aus dem Hause Ferrari reichen ihm nicht: "Es ist eine Sache, Autos zu verkaufen und für gute Bilanzen zu sorgen - eine ganz andere ist der essentielle Teil unserer Arbeit: Ferrari in der Formel 1 siegreich zu präsentieren. Das ist nicht verhandelbar."

Alonso wartet auf dritten Titel

Um die Siege einzufahren, wurde 2008 Fernando Alonso mit viel Geld nach Maranello gelockt. Doch bis heute konnte ihm das Team kein Auto zur Verfügung stellen, mit dem er den WM-Titel hätte holen können.

Der Spanier, der zuletzt immer wieder Meldungen über einen Wechsel dementiert hatte, pflegt zwar ein gutes Verhältnis zu di Montezemolo.

Ein möglicher Rücktritt des Präsidenten habe aber keinen Einfluss auf seine persönliche Zukunftsplanung, hatte er am Rande des Italien-GP am vergangenen Wochenende gesagt.

Den nun feststehenden Wechsel an der Spitze von Ferrari könnte der zweimalige Weltmeister nun als letzten Motivationsschub verstehen, noch einmal um den Titel fahren zu können.

Comeback von Ross Brawn?

Um dafür die technischen Voraussetzungen zu schaffen, soll Ross Brawn wieder zurückgeholt werden. Auch der jetzige Teamchef Marco Mattiacci setzt sich für ein Comeback des Briten ein.

Das "Superhirn" war von 1997 bis 2006 Technischer Direktor der Scuderia, die in dieser Zeit sechsmal den Konstrukteurs-Titel holte und mit Michael Schumacher fünfmal den Fahrerweltmeister stellte.

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