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Nico Rosberg reist zum ersten Mal seit vier Monaten nicht als WM-Führender an eine Rennstrecke

München - Lewis Hamilton setzt im Duell mit Nico Rosberg auch in Suzuka vor allem mental voll auf Angriff. Der Brite wählt kühne Worte.

Ayrton Senna gegen Alain Prost: Das wohl härteste Duell zweier Teamkollegen in der Formel 1 fand 1989 in Suzuka seinen Höhepunkt.

Senna musste gewinnen und setzte zum Überholmanöver an, doch Prost ließ das nicht zu und provozierte eine Kollision.

Während Prost ausschied, fuhr Senna weiter, wurde allerdings nachträglich disqualifiziert - und Prost sicherte sich den Titel.

25 Jahre später dürfen sich die Fans auf dem Suzuka International Circuit (2. Training, Fr. ab 6 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und ab 7 Uhr im LIVE-TICKER) auf eine Neuauflage dieses Spektakels freuen.

Lewis Hamilton und Nico Rosberg kämpfen im Mercedes-internen Zweikampf um eine mögliche Vorentscheidung im Titelkampf. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Rosberg gefrustet

Bei den Kontrahenten könnte die Stimmungslage könnte unterschiedlicher nicht sein.

Rosberg erlebte zuletzt in Singapur einen herben Rückschlag. Probleme mit einem Kabel in der Lenksäule und ein anschließender Kurzschluss bescherten ihm die zweite Nullnummer der Saison.

Der Deutsche reist nun erstmals seit mehr als vier Monaten nicht als WM-Führender an die Rennstrecke: "Singapur war für mich der härteste Moment des Jahres, das fühlt sich jetzt immer noch so an."

Auch wenn Rosberg unmittelbar vor dem Rennen in Japan betont: "Die Zeit heilt alle Wunden. Ich bin optimistisch, ich habe die Chance, eines der besten Rennen des Jahres zu gewinnen."

Hamilton mit Aufholjagd

So wirklich vor Selbstvertrauen strotzt allerdings vor allem Hamilton.

Während er noch im Juni scheinbar aussichtslos zurücklag, hat er in den letzten Wochen eine beeindruckende Aufholjagd hingelegt und hat sich auch für Japan viel vorgenommen.

"Suzuka ist seit 1980 im Rennkalender, und seitdem haben alle Großen des Sports dort gewonnen. Ich werde alles geben, um meinen Namen dieser Liste hinzuzufügen", sagt er.

Hamilton: "Gute Gedanken für gute Ergebnisse"

Während Rosberg nachdenklich wirkt, kommt es für Hamilton gar nicht erst in Frage, sich am Ende der Saison mit weniger als mit Platz 1 zufrieden zu geben.

"Daran denke ich gar nicht. Wenn du alles anzweifelst, wirst du nie irgendwo hinkommen. Gute Gedanken führen zu guten Ergebnissen. Ich werde alles dafür tun, und ich werde gewinnen", meint der Brite.

Und er fügt an: "Das Wochenende könnte hart für mich werden, die kommenden fünf Rennen könnten hart werden. Vielleicht wird es aber auch die beste Zeit meines Lebens."

Motivation im Extrem

Immer wieder sucht Hamilton den Weg in die Öffentlichkeit, versucht Außenstehende in seinen Bann zu ziehen.

Er liebt das Extreme in der Auseinandersetzung mit seinem Teamkollegen und zieht daraus seine Motivation.

Der impulsive Brite kennt nur schwarz oder weiß, Kompromisse gibt es nicht.

Spiel mit den Medien

Auch Rosberg weiß sich zu verkaufen.

Doch Hamilton beherrscht das Spiel mit den Medien nahezu perfekt.

Als diese Rosberg nach dem Crash in Spa als Bösewicht darstellten, tat Hamilton nichts, um den Vorwurf der Absicht zu entkräften.

Hamilton forciert Vorwürfe

Im Gegenteil: Er forcierte die Vorwürfe, ohne dabei konkret zu werden und so selbst in die Schusslinie zu geraten.

Er spekulierte darauf, dass Rosberg mit dieser Rolle nicht zurechtkommen würde - und lag offenbar genau richtig.

Rosberg wackelt

Fakt ist, dass der Wiesbadener in Monza das Rennen durch ungewöhnliche Fehler verlor.

Hamilton saß ihm im Nacken und es entstand der Eindruck, als wolle Rosberg ein neuerliches Rad-an-Rad-Duell vermeiden. Die Pfiffe der belgischen Fans hatten ihm weh getan.

Hamilton scheint dagegen egal zu sein, was die Leute außerhalb seines Umfelds denken. Er will sich auf dem Weg zu seinem zweiten Titel von nichts ablenken lassen.

Vertragsverhandlungen auf Eis

Selbst die Verhandlungen über eine Verlängerung seines Vertrags liegen vorerst auf Eis -auf beiderseitigen Wunsch.

"Wir haben beide den Wunsch gehabt und beschlossen, das Thema zu vertagen, weil die Meisterschaft so intensiv ist", sagte Motorsportchef Toto Wolff der "Sport Bild".

Und ergänzte: "Statt über kaufmännische Themen zu beraten, wollen wir die Saison zu Ende fahren." 

Friedenspakt, oder nicht?

Gleiches gilt für den internen Betriebsfrieden zwischen den "Silberfeinden" Rosberg und Hamilton, den viele Experten anzweifeln.

"Wenn du 25 Jahre lang auf den Gewinn einer Fahrer-WM programmiert wirst, dafür kämpfst und schuftest, kann keiner von dir verlangen, dass dein größter Gegner plötzlich dein bester Buddy ist" sagte Wolff der "Bild"-Zeitung über das brisante Duell.

Mehr noch: "Wir brauchen gar keinen Friedenspakt, kein Schunkeln für die Öffentlichkeit." (News)

Konstrukteurs-WM möglich

Zumal es für Mercedes ja auch noch um den Konstrukteurs-Titel geht.

Bei einem weiteren Doppelsieg - dem achten in diesem Jahr - wären die Silberpfeile bereits vier Rennen vor Schluss uneinholbar.

Auch Hamilton betont immer wieder, wie wichtig dieser Erfolg für das Team ist.

Hamilton: Wie mein letztes Rennen

Doch zunächst einmal geht es einzig und allein um seinen persönlichen Triumph.

Und in diesem Fall kennt der Brite keine Kompromisse: "Die nächsten Rennen werde ich so fahren, als ob es keine anderen mehr in meinem Leben gäbe."

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