vergrößernverkleinern
Nach 38 Siegen für Red Bull Racing verkündete Sebastian Vettel seinen Abgang

München - Sebastian Vettels Abgang bei Red Bull sorgt für neue Kräfteverhältnisse. Er selbst könnte sich bei Ferrari einen Traum erfüllen.

Sebastian Vettel sorgte für ein Erdbeben.

In der Nacht von Freitag auf Samstag, vor dem Qualifying von Suzuka (Highlights ab 16.25 Uhr im TV auf SPORT1), hat der viermalige Weltmeister die Bombe platzen lassen: Der Heppenheimer kehrt Red Bull zum Saisonende den Rücken und eröffnet so den Poker um die besten Cockpits 2015.

"Nach 15 erfolgreichen und schönen Jahren mit Red Bull habe ich mich dazu entschlossen, Ende des Jahres das Team zu verlassen", sagte Vettel.

"Es ist ein großer Schritt, und natürlich fällt es einem nicht leicht, eine solche Entscheidung zu treffen. Die Chance, Formel 1 zu fahren, der erste Sieg mit Toro Rosso, die vier WM Titel mit Red Bull Racing und vieles mehr haben Red Bull und mich zu einer Art Familie zusammengeschweißt."

Entscheidung "für etwas Neues"

Dass Vettel zuletzt in Daniel Ricciardo interne Konkurrenz bekommen hat, gegen die der Serienweltmeister immer häufiger den Kürzeren zog, dürfte seine Entscheidung erleichtert haben.

Ebenso wie der Fakt, dass Mastermind und Vettel-Vertrauter Adrian Newey sich aus dem Tagesgeschäft bei Red Bull zukünftig zurückziehen wird.

Zudem sah sich der Weltmeister selbst in Zeiten des größten Erfolgs mit Vorwürfen konfrontiert, seine Triumphe aufgrund der überlegenen Technik einzufahren. Zur Legende fehle ein Titel für einen Traditionsrennstall der Königsklasse. Gut möglich, dass das Vettels nächstes Ziel ist.

"Ich bin nicht gegangen, weil mir irgendetwas stinkt, sondern es ist eine Entscheidung für etwas Neues", freute sich Vettel nach dem Qualifying dann auch bei "Sky" auf die zukünftige Aufgabe: "Über meine Zukunftspläne werde ich in Kürze etwas bekanntgeben."

Beim Qualifying in Suzuka musste er sich allerdings mit einem neunten Platz zufrieden geben.

Auf Schumachers Spuren

Red-Bull-Motorenchef Helmut Marko sprach offen über Vettels Zukunft: "Wir hatten gestern Abend ein gemeinsames Dinner, auf dem Seb uns mitgeteilt hat, dass er zu Ferrari gehen möchte. Er sucht eine neue Herausforderung und ein neues Abenteuer und dabei wollen wir ihm nicht im Wege stehen."

Bei der Scuderia würde Vettel in die großen Fußstapfen seines Vorbilds und Freundes Michael Schumacher treten.

Der kam 1996 als Doppelweltmeister zu Ferrari, als der Traditionsrennstall am Boden lag. Schumacher brachte den alten Glanz zurück und fuhr sich in die Herzen der Tifosi. Ein Privileg, das Vettel trotz seiner 38 Siege für Red Bull Racing verwehrt blieb.

Alonso vor dem Absprung

Schumachers Nachfolger Fernando Alonso fuhr nach anfänglichen Erfolgen zuletzt immer häufiger hinterher. Die Liebesbeziehung zwischen dem Spanier und Ferrari ist merklich abgekühlt. Treuebekenntnisse hört man von Alonso nicht mehr: "Die Frage ist sehr schwierig zu beantworten. Ich werde das tun, was für Ferrari am besten ist."

Alonsos Weg könnte zu McLaren führen. Der britische Rennstall wird ab der kommenden Saison mit Honda-Motoren beliefert. Und der japanische Großkonzern will alte Zöpfe abschneiden und ein neues Fahrerduo auf Topniveau installieren. Auch Sebastian Vettel soll auf der Wunschliste stehen.

Kräfteverhältnisse verschieben sich

Größter Gewinner des Wechsels dürfte allerdings Daniil Kwjat sein. Red Bull bestätigte, dass der 20-jährige Russe in der kommenden Saison vom Zweitteam Toro Rosso aufsteigt und schon in seiner zweiten Formel-1-Saison Pilot eines potenziellen Siegautos sein wird.

In die Königsklasse ist mit Vettels Entscheidung Bewegung gekommen. Die Kräfteverhältnisse unter den Mercedes-Verfolgern werden neu austariert. Für Vettel indes könnte der Wechsel der entscheidende Schritt auf dem Weg in den Olymp sein.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel