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Jules Bianchi verunglückte in der 43. Runde des GP von Japan

Suzuka - Beim schweren Unfall von Jules Bianchi verketteten sich mehrere Unglücksfaktoren. Ein Ex-Weltmeister fordert neue Regeln.

Der schwere Unfall von Marussia-Pilot Jules Bianchi in Suzuka schockt die Formel 1. Nach seinem Zusammenstoß mit einem Bergungsfahrzeug wurde der Franzose notoperiert und befindet sich auf der Intensivstation.

SPORT1 beleuchtet die Faktoren, die zur Katastrophe führten:

• Das Wetter:

In Suzuka herrschten widrige Bedingungen. Der Taifun "Phanfone" war aus dem Südwesten im Anmarsch. Als Vorboten gab es am Sonntag schon vor dem Rennen sintflutartige Regenfälle. Die Strecke stand zu Rennbeginn komplett unter Wasser. Im weiteren Verlauf wurde insbesondere die Ideallinie trockener, daneben sorgten große Pfützen jedoch weiterhin für Rutschgefahr. Zudem schränkte die aufspritzende Gischt die Sicht der Piloten erheblich ein.

Erschwerend kam hinzu, dass der zwischenzeitlich abgeebbte Regen kurz vor dem Unfall wieder zunahm und die Strecke feuchter wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Bianchi wie der Rest des Feldes nicht auf Vollregenreifen, sondern den profilloseren Intermediates unterwegs.

Schon Tage vor dem Rennen wurde über eine Vorverlegung des Starts wegen des nahenden Taifuns spekuliert. Am Ende entschieden sich die Verantwortlichen dagegen.

"Die Leute sind schon 1976 daran gescheitert, die Startzeit zu verlegen und tun es heute immer noch. Es ist offensichtlich der Druck von TV und Medien, der es nicht erlaubt", kritisierte Sebastian Vettel nach dem Rennen.

• Doppel-Gelb statt Safety Car:

Nach Adrian Sutils Abflug ins Kiesbett in der 42. Runde wurde auf dem Streckenabschnitt doppelt die gelbe Flagge geschwenkt. Doppelt gelb zeigt den Fahrern große Gefahr an: Die Strecke ist ganz oder teilweise blockiert oder Mitglieder der Streckensicherung auf der Strecke. Fahrer müssen in Bereichen mit doppelt geschwenkter Gelber Flagge jederzeit bereit sein, anzuhalten. Es herrscht Überholverbot.

Dennoch wird die Verantwortung für die Geschwindigkeit in Gelbzonen letztlich den Fahrern überlassen. Im Kampf um gute Resultate gilt es für sie wiederum, den eigenen Zeitverlust zu minimieren.

In einer Safety-Car-Phase hingegen kann das Tempo des Feldes von außen diktiert werden - gerade an Gefahrenstellen.

Die Entscheidung der Rennleitung, doppelt Gelb schwenken zu lassen, anstatt das Safety Car auf die Strecke zu schicken, war reglementarisch nachvollziehbar. Zumal die betroffene Kurve sieben kein Hochgeschwindigkeitsbereich ist und Sutils Sauber in unmittelbarer Nähe einer Abstelltasche zum Stehen kam. Dennoch hätte Bianchis Unfall mit einer Safety-Car-Phase wohl verhindert werden können.

Jacques Villeneuve, Weltmeister von 1997, fordert deshalb ein neues Reglement: "Die Safety-Car-Regeln müssen geändert werden, da sollte man sich Amerika zum Vorbild nehmen. Dort kommt das Safety-Car jedes Mal auf die Strecke, wenn es einen Unfall gibt. Es sollte keinen Spielraum mehr für subjektive Einschätzungen geben."

• Das Pech:

"Freak Accident", nannte Williams-Chefingenieur Rob Smedley den Unfall von Bianchi.

Zusammen mit den bereits genannten Faktoren hatte die ungewöhnliche Art der Kollision fatale Folgen: Bianchis Marussia schlidderte Rückwärts gegen das Bergungsfahrzeug. Dabei brach offenbar der Überrollbügel ab, da die zerklüftete Bauweise des Trucks den Aufprall nicht gleichmäßig abfedern konnte. "Für so etwas gibt es keine Crash-Tests", so Smedley.

Zudem war der angeforderte Rettungshubschrauber für Bianchis Art der Verletzungen angeblich schlechter ausgerüstet als der Rettungswagen, mit dem Bianchi letztlich zum Krankenhaus gebracht wurde. So musste das medizinische Team auf den schnellen Lufttransport verzichten.

Niki Lauda, selbst auf dem Nürburgring schwer verunglückt, mahnte: "Wir gewöhnen uns daran, wenn nichts passiert, und plötzlich sind wir dann alle überrascht. Dabei müssten wir uns darüber im Klaren sein, dass Motorsport immer gefährlich ist."

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