Mercedes schreibt Geschichte und erntet den verdienten Lohn. Doch die Vergangenheit zeigt, dass sich das Blatt schnell wenden kann.

Es war zwar nur eine Frage der Zeit, doch der Jubel fiel deswegen nicht weniger euphorisch aus. Zahlreiche Champagner-Flaschen ließen in Sotschi ihr Leben - und das vollkommen zu Recht.

Mercedes hat in Sotschi als erster deutscher Rennstall in der Geschichte der Formel 1 die Konstrukteurs-WM gewonnen und sich damit für jahrelange harte Arbeit belohnt.

Unter der Leitung des neuen Motorsport-Chefs Toto Wolff, der 2013 das Amt von Norbert Haug übernahm und einer der Hauptgaranten für den Erfolg ist, hat sich das Werksteam nach schwierigen Jahren zu Beginn Stück für Stück an die Spitze der Königsklasse gekämpft.

Was 2010 mit dem vielversprechenden aber glücklosen Comeback von Michael Schumacher begann, erfährt nun mit dem WM-Titel seine vorläufige Krönung.

"Wir haben so lange auf dieses Ziel hingearbeitet und jetzt ist Mercedes Weltmeister. Ich muss mich selbst kneifen, wir sind nun Teil der Mercedes-Benz-Geschichte", jubelte Wolff und fasste zusammen, was unbestreitbarer Fakt ist: "Wir sind die Besten".

Wolff und Co. durchbrachen mit ihrem Erfolg die vierjährige Dominanz von Red Bull. Kaum ein Fan der Königsklasse wird darüber wirklich traurig sein.

Im Gegensatz zu Mercedes hat der Brause-Rennstall keinerlei Strahlkraft. Die Sympathien für das Team definieren sich alleine über die jeweilige Fahrerpaarung.

Der Mythos der Silberpfeile hat dagegen lange Tradition, was den Titel für jeden Formel-1-Romantiker noch viel wertvoller macht. Doch nun gilt es, die Erfolge auch in der Zukunft zu bestätigen.

Red Bull hat sich nach der vergangenen Saison schlicht zu sicher gefühlt und nun die fällige Quittung dafür bekommen.

Und die heißt nicht nur gewaltiger Rückstand in der Teamwertung - sondern auch der Verlust des viermaligen Weltmeisters und Imageträgers Sebastian Vettel.

Auch wenn Vettel in dieser Saison nicht den besten Eindruck hinterlassen und durch seine ewigen Meckereien an Sympathien eingebüßt hat, wird ihn Daniil Kwjat trotz offensichtlich vorhandenem Talent (noch) nicht ersetzen können - sowohl sportlich, als auch als Werbeträger.

Vettel sucht höchstwahrscheinlich den Weg zu Ferrari, einem Rennstallt mit Tradition. Dort soll er das Team wieder zurück zu alter Stärke führen.

Die Scuderia wird ihm dafür alle finanziell erdenklichen Mittel zur Verfügung stellen. Mit einer "gewaltigen Investition" blasen die Italiener zur Mercedes-Jagd.

Dazu drängt mit McLaren-Honda eine vermeintliche neue Supermacht an die Spitze die wohl mit Fernando Alonso in der kommenden Saison von Null auf Hundert durchstarten will.

Mercedes tut also gut daran, die Zügel nicht schleifen zu lassen und weiterhin so akribisch und gewissenhaft zu arbeiten wie in diesem Jahr.

Ansonsten findet man sich in der schnelllebigen Welt der Formel 1 plötzlich in der Verfolgerrolle wieder - Red Bull hat es vorgemacht.

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