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Peter Kohl kritisiert nach dem Russland-GP den Auftritt des Präsidenten. Er ist vom Kreis der Fahrer für Bianchi beeindruckt.

TOPS:

Mercedes AMG: Gratulation zum vorzeitigen WM-Titel bei den Konstrukteuren. Die Zahlen sprechen für sich: neun Doppelsiege, 13 von 16 Rennen gewonnen, nur auf dem Red-Bull-Ring nicht auf der Pole, 26 Podest-Platzierungen bis hierhin. Mehr Dominanz geht fast nicht. Nach Jahren, in denen das Werksteam teils heftige Schelte einstecken musste, der verdiente Lohn!

Lewis Hamilton: Der 29-Jährige rappt die Formel 1 derzeit fast nach Belieben. Das gesamte Wochenende über eine Klasse für sich. Mit jetzt neun Saisonsiegen bei eventueller Punktgleichheit am Ende des Jahres trotzdem Weltmeister, weil Nico Rosberg erst vier Siege hat und nicht mehr ausgleichen kann. Das macht den Triumph von Sotschi noch wertvoller.

Valtteri Bottas: Die coole Socke aus Finnland holt sich die fünfte Podest-Platzierung der Saison. Die Pole hat er nur knapp verpasst, die schnellste Rennrunde hat er im letzten Umlauf eingesackt - die erste seiner noch jungen Formel-1-Karriere.

McLaren: Die Truppe aus Woking kommt spät, aber sie kommt wenigstens noch. In Suzuka und Sotschi haben Button und Magnussen insgesamt 32 Punkte geholt, die direkten Konkurrenten Ferrari nur zehn, Sahara Force India nur sechs. Leicht möglich, dass McLaren am Ende Ferrari in der Konstrukteurs-Wertung verdrängt. In Abu Dhabi gibt es ja die doppelte Punktzahl.

Jenson Button und Kevin Magnussen: Das Material wird besser, und die beiden machen was draus. Button hat immer noch keine Vertragsverlängerung in der Tasche, lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen und zeigt zuletzt in Suzuka und in Sotschi, wie wertvoll er dank seiner Erfahrung und seiner Cleverness fürs Team auch weiterhin sein kann. Magnussen liegt in seiner Debüt-Saison nach 16 Rennen in der Fahrerwertung zwei Punkte vor Kimi Räikkönen. Mehr muss man dazu wohl nicht sagen.

Sergio Perez: Schleppt sich mit den letzten Tropfen Benzin ins Ziel und rettet den letzten Punkt gegen Massa im deutlich schnelleren Williams. Wieder vor Hülkenberg im Ziel, zum vierten Mal in den letzten fünf Rennen.

Esteban Gutierrez: So lange er auf den Softs unterwegs war, hielt er den Sauber in den Punkten, stellte Teamkollege Sutil in den Schatten. Pech für ihn, dass die Strategie nicht der Weisheit letzter Schluss war.

Marcus Ericsson: Scheint seit Suzuka endlich in der Formel 1 angekommen zu sein. Gute Vorstellung das ganze Wochenende über. Denkbar knapp an Q2 gescheitert, hielt im Rennen lange Maldonado in Schach und ließ Teamkollege Kobayashi keine Schnitte.

Farbe in den Auslaufzonen: Der beigemischte Quarzsand sorgt dafür, dass die Autos sehr schnell zum Stehen kommen. Eine clevere Idee. Zudem sorgt selbiger Sand auch dafür, dass ein Fahrer bei einem Verbremser richtig bestraft wird, denn seine Reifen werden schnell abgeschmirgelt - wie bei Rosbergs Fehler zu Rennbeginn. So soll das sein.

Gott sei Dank nichts passiert: Nach dem Horrorunfall von Jules Bianchi war es gut für den Rennsport, die Formel 1 und alle Beteiligten, dass es diesmal keine negativen Vorkommnisse gab.

Solidarität: Es hilft Bianchi nicht direkt, aber es ist wohltuend zu sehen, dass in einer Welt der ausgeprägten Egoisten doch einmal sowas wie Gemeinsamkeit und Einheit gibt. Der Kreis der Fahrer in der Vorstart-Aufstellung wenige Minuten vor Rennbeginn hat hoffentlich anhaltende Symbolkraft!

SO LALA:

Nico Rosberg: Das gesamte Wochenende nicht wirklich auf Augenhöhe mit Hamilton. Dank überlegenem Auto und gutem Reifen-Management aber wenigsten bestmögliche Schadensbegrenzung. Verliert trotzdem langsam den Anschluss.

Pirelli: Niemand kannte die Strecke zuvor, deshalb auch keine Kritik für die Reifenwahl, die leider zu konservativ ausfiel.

Toro Rosso: Belebend zu Beginn. Stark in den Freien Trainings, im Qualifying mit beiden Autos in den Top 10, dafür war dann im Rennen leider schnell die Luft raus.

Die Strecke: Hat durchaus Reiz und Tücken. Aber das Grau in Grau in Fangzäunen und Gittern ist dann doch auf die Dauer dröge. So entsteht der Eindruck, es handelt sich um einen Parcours, der auf einen Hotel-Parkplatz gebastelt wurde.

FLOPS:

Felipe Massa: Für den schlechten Startplatz kann er nichts, aber die Rennperformance war dünn. Schaffte es nicht, am Sprit sparenden Perez vorbeizukommen.

Force India: Schwere Schlappe im Kampf gegen McLaren. So langsam scheint dem Team die Luft auszugehen.

Wenn Sport zum Spielball der Mächtigen wird: Putins Selbstinszenierung und die Regie, die während des Rennens lieber ihn als das Racing zeigt. Brauche ich nicht, will ich nicht, kann ich drauf verzichten!

Das Rennen: Irgendwie hat es wenig hergegeben und war über weite Strecken fad. Leider.

Jetzt gibt es erst mal eine Pause von knapp drei Wochen bis zum Grand Prix der USA in Austin. Ich freue mich schon auf einen knackigen Saison-Schlussspurt, der hoffentlich in Texas eingeläutet wird!

Bis dahin!

Pedal To The Metal,

Ihr Peter Kohl

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