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Sebastian Vettel debütierte 2007 für BMW-Sauber in der Formel 1

Sebastian Vettel freut sich trotz drohender Zuschauerrolle auf Austin. Doch für Red Bull ist der Weltmeister bereits Geschichte.

Von Carsten Arndt

München - Sebastian Vettel winkt am Wochenende eine neue Perspektive. Und zwar die des Zuschauers.

"Ich glaube nicht, dass ich am Samstagnachmittag in Austin viel zu tun habe. Ich werde wohl eher beim Qualifying zuschauen als teilnehmen", sagte der Noch-Weltmeister im Vorfeld des Großen Preis der USA (Training, Freitag ab 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER).

Grund ist ein Motorenwechsel. Da das Reglement beim fünften Wechsel einzelner Komponenten sowieso eine Rückversetzung in der Startaufstellung um zehn Plätze vorsieht, wird sich Red Bull wohl dazu entscheiden, direkt den komplette Motor zu wechseln und damit aus der Boxengasse zu starten.

Vettel schwärmt von Texas

Und das, obwohl der 27-Jährige ein großer Fan der Rennstrecke in Austin ist: "Viele Kurven erinnern mich an andere berühmte Rennstrecken."

Auch das Umfeld in Texas gefällt Vettel: "Austin ist eine Stadt, die Spaß macht - man bekommt dort einen wirklichen Eindruck vom texanischen Lebensstil und von den Traditionen."

"Bescheurte Regel"

Doch während sich Vettel über die "komplett bescheuerte Regel" ärgert, ist es seinem Team vermutlich gar nicht so unrecht, dass der 27-Jährige so wenig Zeit wie möglich in seinem Boliden verbringt.

Geht es nach Christian Horner, Helmut Marko und Co., wird der Heppenheimer in seiner verbleibenden Vertragslaufzeit zum Sinnbild der drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Keine Einblicke mehr

"In alles, was die Entwicklung für nächstes Jahr betrifft, ist Vettel ab sofort nicht mehr involviert und erhält keine Informationen", erklärte Marko, der in Interviews sonst immer von "Sebastian" gesprochen hatte, der österreichischen "Kleinen Zeitung".

Nach der Bekanntgabe von Vettels Abschied hatte der Motorsportberater der Bullen noch pathetisch erklärt, er und der viermalige Weltmeister werden "weiter Freunde bleiben". Doch die Gemütslage des 71-Jährigen hat sich offenbar schnell gewandelt.

Vom Freund zum Gegner

Denn mittlerweile ist Vettel in Reihen der Bullen nur noch geduldet. Als vollwertiges Mitglied des Teams kann er nicht mehr angesehen werden.

"Nächstes Jahr ist Sebastian nicht mehr Red-Bull-Teammitglied, sondern unser Gegner. Und in alles Wissen, was ihm dann etwas bringen würde, weihen wir ihn jetzt natürlich nicht mehr ein", sagte Marko der "Bild".

Red Bull erlaubt Ferrari-Test nicht

Auch bei der Vorbereitung auf seine vermeintliche Ferrari-Zukunft legt ihm sein baldiges Ex-Team Steine in den Weg.

Zwei Tage nach dem Ende der laufenden Saison testet die Scuderia bereits für die neue Saison. Ursprünglich war dann auch geplant, dass Vettel seinen voraussichtlich zukünftigen Dienstwagen erstmals kennenlernen soll.

Doch Red Bull hat etwas dagegen. "Den Test darf er für Ferrari noch nicht fahren", bestätigte Marko: "Das steht fest und das haben wir Sebastian auch mitgeteilt".

Alle Kontakte werden gekappt

Schneller als gedacht wird die über Jahre aufgebaute Beziehung zwischen dem 27-Jährigen und dem Getränkehersteller gekappt - auch als Werbeträger ist Vettel zukünftig nicht mehr denkbar.

Red Bull unterstützt ihn bereits seit dessen elftem Lebensjahr - und war beispielsweise auch Sponsor von Michael Schumacher, als dieser für Ferrari fuhr. Doch bei Vettel wird es solch eine Regelung nicht geben.

"Sollte sein in der Szene allgemein erwartetes Engagement bei Ferrari Realität werden, stellt sich die Frage nach einer Zusammenarbeit im Sponsoringbereich schlicht aus dem Grund nicht, da Ferrari Vertragspartner eines brasilianischen Energydrinks ist", erklärt Red Bull bei "Motorsport-Total.com".

Trauriges Ende droht

Im Vorjahr stand Vettel in Austin noch ganz oben auf dem Podest. Es war sein neunter Sieg in Folge und ein weitere Demonstration der damaligen Red-Bull-Dominanz.

Doch diese ist mittlerweile Geschichte - genau wie das vermeintliche unzerstörbare Band zwischen Vettel und dem Getränkeriesen.

Auf seinen letzten Red-Bull-Tagen mutiert er zum Einzelkämpfer, oder - je nach Betrachtungsweise - auch zur vielzitierten, handlungsunfähigen "Lame Duck".

So bleibt Vettel am Sonntag wohl nur, die Strecke zu genießen.

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