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Nico Rosberg startet in Austin von Startplatz eins

Von Carsten Arndt

München/Austin - Da gerade niemand anderes in der Nähe war, musste eben ein Kameramann herhalten.

Nach seinem Husarenritt auf die Pole beim Qualifying in Austin (Rennen ab 20.45 Uhr im LIVE-TICKER, Highlights ab 24 Uhr im TV auf SPORT1) demonstrierte Nico Rosberg mit einem angedeuteten Schlag in Richtung des verdutzten Pressemannes seine wiederentdeckte Angriffslust.

"Das war ein großartiger Tag, ich bin sehr zufrieden. Unser Plan ist voll aufgegangen", freute sich Rosberg auf der anschließenden Pressekonferenz, nachdem er seinen Teamkollegen Lewis Hamilton deutlich in die Schranken gewiesen hatte (Bericht).

Wolff: "Fantastische Runde"

"Nico hat eine fantastische Runde hingelegt. Immer wenn der Eine das Momentum auf seiner Seite hat, schlägt der Andere zurück", bilanzierte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Zwar ist es aus Sicht von Rosberg noch etwas früh, die Korken knallen zu lassen - schließlich hatte Rosberg in den Quali-Duellen schon häufiger die Nase vorn. Doch zumindest holte sich der Deutschen das dringend benötigte Erfolgserlebnis. (DIASHOW: Die Bilder des Qualifyings)

Erster Schritt getan

Nach zuletzt vier Siegen in Folge schien sich Rosberg mit Platz zwei abgefunden zu haben, nichts war mehr zu sehen vom Selbstbewusstsein von vor einigen Wochen. (DATENCENTER: Das Qualifying-Ergebnis)

Nun hat er zumindest den ersten Schritt in Richtung einer mögliche Wende getan.

"Für den Nico war es unheimlich wichtig heute, Lewis zu schlagen", erklärte Niki Lauda.

"Für die Motivation ist das wahnsinnig wichtig. Der wurde ja in den vergangenen vier Rennen demoralisiert", so der Mercedes-Aufsichtsratschef weiter.

Probleme bei Hamilton

Der Überflieger der letzten Wochen, der auch in den Trainingssessions klar dominiert hatte, hatte am Samstag mit seinem Auto und dessen Bremsen zu kämpfen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Der Brite schloss nicht aus, dass diese im Rennen erneut auftauchen könnten, was dem Ex-Weltmeister durchaus Sorgen bereitet.

"Wenn du auf einer Strecke wie Austin einmal das Vertrauen in die Bremse verloren hast, dann bist zu geliefert", so Hamilton.

"Das Auto ist sehr schnell, aber wir haben das ganze Wochenende immer wieder kleine Gremlins im Auto, daran müssen wir arbeiten. Das ist nicht unser Anspruch, das muss einfach besser werden", äußerte sich auch Wolff selbstkritisch.

Freud und Leid für Sutil

Sorgen, die man im Hause Sauber gerne hätte. Doch ausgerechnet an einem Wochenende, an dem die Zukunft des Rennstalls immer wieder in Frage gestellt wurde, setzten die Schweizer in Person von Adrian Sutil ein echtes Ausrufezeichen.

Der Gräfelfinger fuhr sensationell in die Top Ten und sprach anschließend von "einem kleinen Sieg".

Nur wenig später dürfte sich seine Laune aber wieder drastisch verschlechtert haben, denn Sauber bestätigte die Verpflichtung des Schweden Marcus Ericsson für die kommende Saison. Dieser soll sich mit kolportierten 15 Millionen Euro ins Team eingekauft haben. (SHOP: Jetzt Motorsport-Artikel kaufen)

Kein Platz mehr für Sutil?

"Wir sind davon überzeugt, dass die künftige Zusammenarbeit mit Marcus dem Team einen frischen Impuls geben wird", sagte Teamchefin Monisha Kaltenborn.

Da laut übereinstimmenden Medienberichten Ersatzpilot Giedo van der Garde das zweite Cockpit für 2015 bekommen soll, wäre für Sutil kein Platz mehr. (Hier gibt es Tickets für die Formel 1).

Vettel hofft auf Top Ten

Dieses Szenario droht Sebastian Vettel zwar nicht, aber nach wie vor ist auch seine Zukunft nicht offiziell geklärt. Fakt ist nur, dass er Red Bull am Saisonende verlässt.

Auf seiner Abschiedstour ließ er es im Qualifying wie angekündigt ruhig angehen und drehte lediglich in Q1 ein paar Runden, da er das Rennen wegen eines Motorenwechsels sowieso aus der Box angehen wird.

"Das Wichtigste war für uns heute Vormittag erledigt, am Nachmittag haben wir nur unsere Pflicht getan. Es besteht schon die Möglichkeit, dass man nach vorn kommen kann - sonst würden wir gar nicht losfahren. Es sollte möglich sein, in die Top 10 vorzustoßen", analysierte der Weltmeister.

"Morgen kommt es drauf an"

Damit würde sich Rosberg sicherlich nicht zufrieden geben. Alles andere als Sieg Nummer fünf in dieser Saison wäre nach dem Ergebnis des Qualifyings eine Enttäuschung.

Doch die neunte Pole in dieser Saison ist lediglich der Türöffner in Richtung Wende. Um sie zu durchschreiten, wird der Wiesbadener auch am Sonntag sein ganzes Können aufbieten müssen - dessen ist er sich bewusst:

"Es ist natürlich gut, hier in den Vereinigten Staaten von der Pole zu starten. Aber erst morgen kommt es darauf an. Wir sind noch nicht am Ziel angelangt."

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