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Lewis Hamilton steuert auf den zweiten WM-Titel seiner Karriere zu

Von Stefan Schnürle

München - Fünf Siege in Folge und 24 Punkte Vorsprung in der Formel 1-Fahrerwertung sprechen aktuell eine deutliche Sprache, wer die Nummer 1 bei Mercedes ist. Selbst zwei zweite Plätze würden Lewis Hamilton in den letzten beiden Rennen reichen, um seinen zweiten WM-Titel nach 2008 zu holen.

SPORT1 nennt die Gründe, warum Hamilton besser als sein Teamkollege Nico Rosberg ist.

Risikofreudiger:

In den entscheidenden Momenten ist Hamilton angriffslustiger als Rosberg. Das jüngste Beispiel ist der Austin-GP, in dem Hamilton den Deutschen ohne große Gegenwehr überholen konnte. "Nico hat sich nicht verteidigt. Ich habe ihn fast nichtsahnend erwischt", sagte Hamilton nach dem Rennen.

Rosberg ist in Zweikämpfen aktuell besonders vorsichtig, nachdem er nach Meinung der Mercedes-Bosse Schuld am Crash mit seinem Teamkollegen in Spa hatte. Eine weitere von ihm verursachte Kollision darf er sich nicht erlauben.

Auch beim Umgang mit den Reifen ist Rosberg oft konservativer, was ihm möglicherweise den Sieg in Austin kostete (BERICHT: Wie das Kaninchen vor der Schlange).

"Beide Fahrer bekamen die Anweisung, auf die Reifen aufzupassen. Nico hatte drei Sekunden Vorsprung auf Lewis - es schien, als hätte er zu viel auf die Reifen aufgepasst. Vor allem, wenn derjenige dahinter auf den gleichen Reifen pusht", lautete jedenfalls die Erklärung von Motorsportchef Toto Wolff nach dem Rennen.

Rosberg hatte zudem Pech, dass sein ERS zur Abwehr der Hamilton-Attacke nicht richtig funktionierte. Dennoch machte er die Tür nicht so kompromisslos zu, wie es Hamilton wohl an Rosbergs Stelle getan hätte.

Professionalität:

Hier hatte Rosberg lange Zeit klar die Nase vorn im Vergleich zu Hamilton. Erst gut ein Jahr ist es her, als Ex-Pilot John Watson den Mercedes-Piloten nach dem Monaco-GP scharf für seine mangelnde Professionalität kritisiert.

"Lewis muss entscheiden, ob er ein Formel-1-Fahrer oder ein Hip-Hop-Star sein will. Man muss auch Respekt vor seinem Job haben, den man macht", sagte Watson.

Die zwischenzeitlichen Beziehungskrisen mit der ehemaligen Sängerin der Pussycat Dolls schienen sich auch auf Hamiltons Leistung auf dem Cockpit auszuwirken.

Sein Manager Simon Fuller ist Fernsehproduzent von "American Idol" und als Manager von Victoria und David Beckham bekannt. Hamilton stellte ihn 2011 ein, um seine Popularität über die Grenzen der Formel 1 hinaus zu steigern.

Nun hat sich Hamilton von Fuller getrennt. Ein klares Zeichen, dass zukünftig die Formel 1 im Mittelpunkt stehen soll und keine Auftritte auf dem roten Teppich. Aktuell ist Hamilton fokussiert wie nie und verbringt sogar ähnlich viel Zeit mit seinen Mechanikern wie der akribisch arbeitende Rosberg.

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Rückhalt im Team:

Dass Hamilton diesen Weg eingeschlagen hat, ist auch seinem Team Mercedes zu verdanken. Während es bei McLaren häufiger Stress mit den Bossen gab, ließ Mercedes Hamilton stets seine Freiheiten und stand ihm immer zur Seite.

Erheblichen Anteil daran hat besonders Aufsichtsratschef Niki Lauda, der Watsons Forderung aus dem letzten Jahr nachkam: "Niki sollte da sein und Lewis helfen, seine Probleme auszusortieren, und ihm zeigen, was Mercedes von ihm erwartet."

Genau das tat Lauda während der Saisonpause in langen Gesprächen auch und half Hamilton damit zurück in die Spur.

"Lewis Hamilton ist unschlagbar - so einfach ist das. Denn er wird Rennen für Rennen noch besser und macht keinen einzigen Fehler. Er hat einen starken Charakter und ist absolut fokussiert", schwärmte Lauda nach dem Rennen in Austin.

Auch wenn Lauda versucht, Rosberg nicht schlechter zu behandeln, ist allen klar, dass Hamilton der Lieblingssohn des Österreichers ist.

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Weniger Fehler:

Hamilton macht in diesem Jahr fast keinen Fehler, was nicht immer so.

So rutschte er 2007 mit der Chance den WM-Titel perfekt zu machen, bei der Einfahrt in die Boxengasse ins Kiesbett. Ein peinlicher Fehler, der ihm letztendlich den Titel kostete.

Auch drei Jahre später leistete sich im Titelkampf innerhalb kürzester Zeit Fehler in Monza, Singapur und Südkorea und verspielt damit die Weltmeisterschaft.

In diesem Jahr ist Hamilton dagegen konstant wie nie und Fehler macht nur sein WM-Gegner Rosberg, wie in Spa und in Italien, als sich Rosberg im Rennen gleich zwei Mal in der Schikane nach Start und Ziel verbremste.

Nutznießer Hamilton startete damals seine Siegesserie, die bis heute anhält.

Selbstbewusstsein:

Nach fünf Siegen in Folge ist Hamiltons Selbstbewusstsein natürlich groß wie nie. Deshalb hatte der Brite auch nach dem klar verlorenen Qualifying gegen Rosberg nie Zweifel an seinem Rennsieg (

).

"Vor dem Rennen gab es keine Sekunde und keinen Moment, in dem ich nicht gedacht hätte: Ich kann das gewinnen. Die Möglichkeit wird irgendwann da sein. Ich muss nur dranbleiben und sie wird kommen."

Auch das Überholmanöver von Hamilton war stellvertretend für sein gewachsenes Selbstbewusstsein in den letzten Wochen: "Ich war ein Stück weg, würde ich sagen. Aber ich war selbstbewusst. Da war viel Gegenwind vor Turn 12 und ich habe nur auf den richtigen Moment gewartet, in dem ich nah genug dran bin, um innen anzugreifen."

Mit dem 32. Sieg überholte Hamilton in Austin zudem Nigel Mansell und ist damit erfolgreichster Engländer der Formel-1-Geschichte. Vieles spricht dafür, dass Hamilton den Weltmeister von 1992 am Ende des Jahres auch bei der Anzahl der Weltmeister-Titel hinter sich lässt.

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