vergrößernverkleinern
Während Räikkönen 2014 total entttäuscht, schafft es Alonso bis zum Heim-GP in Monza zumindest zwei Mal aufs Podium. Dennoch verläuft die Saison auch für ihn ernüchternd

Nicht nur Sebastian Vettel nervt die Hinhaltetaktik von Fernando Alonso. Bei McLaren winken dem Ex-Weltmeister 70 Millionen Euro.

Von Stefan Schnürle

'Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern' ist offenbar das Motto von Fernando Alonso.

Denn noch vor zwei Jahren sagte Alonso über seinen wahrscheinlich neuen Arbeitgeber McLaren: "Für Lewis ist es gut, einen Schritt nach vorne zu machen. Prost hat McLaren verlassen, Senna hat McLaren verlassen und ich auch - normalerweise war das Leben danach besser."

Es war nicht der einzige verbale Ausrutscher des Spaniers, mit dem er viele Sympathien bei Fans und Teamchefs verspielte.

Belastetes Verhältnis mit McLaren

Fünf Jahre zuvor war Alonso als zweimaliger Formel-1-Weltmeister von Renault zu McLaren-Mercedes gekommen.

Dort traf er jedoch auf den starken Neueinsteiger Lewis Hamilton, der Alonsos Meinung nach von der Führungsriege bevorzugt wurde.

"Wir hatten unsere Aufs und Abs, die eine Extra-Herausforderung darstellten. Und es ist kein Geheimnis, dass ich mich nie heimisch gefühlt habe", sagte Alonso, nachdem er seinen neuen Arbeitgeber nach nur einem Jahr wieder verlassen hatte.

Dennis steht Rückkehr nicht im Weg

Der Zoff mit dem Team und Boss Ron Dennis gipfelte damals in einem angeblichen Erpressungsversuch Alonsos in der Spionageaffäre, die dem Rennstall den Verlust aller Konstrukteurspunkte sowie 100 Millionen Dollar Strafe einbrachte (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Die Voraussetzungen für eine neuerliche Zusammenarbeit könnten demnach besser sein, auch wenn Dennis erklärte, im Sinne des Erfolgs einer möglichen Rückkehr von Alonso nicht im Weg zu stehen.

Angeblich ist McLaren diese Rückkehr sogar 70 Millionen Euro für zwei Jahre wert, berichtet die italienische Sporttageszeitung "Tuttosport".

Doch das der Erfolg mit der neuen Honda-Power sofort eintritt, ist eher unwahrscheinlich. Deshalb soll Alonso auf eine Klausel im Vertrag bestanden haben, die es ihm ermöglicht, das Arbeitsverhältnis mit McLaren bei ausbleibenden Erfolgen vorzeitig zu beenden.

Probleme bei der Vertragsauflösung

Ein Monat ist es her, seit Sebastian Vettel seinen Abschied von Red Bull bekannt gegeben hat. Da Red-Bull-Teamchef Christian Horner direkt danach Vettels neuen Arbeitgeber nannte, ist es seitdem ein offenes Geheimnis, dass Vettel zu Ferrari wechselt.

Doch die Scuderia bestätigt den Wechsel von Vettel weiterhin nicht, obwohl er angeblich längst in trockenen Tüchern ist. Grund dafür sollen juristische Probleme bei der Vertragsauflösung von Alonso sein.

Die Anwälte des Spaniers versuchen demnach, für Alonso eine Abfindung von 50 Millionen Euro herauszuschlagen

McLaren macht Druck auf Alonso

Doch Alonso muss aufpassen, da McLaren sich nicht ewig auf der Nase herumtanzen lassen wird. Denn solange die Fahrerpaarung nicht offiziell ist, kann der Rennstall nicht auf große Sponsorensuche gehen.

"Zwischen Brasilien und Abu Dhabi wollen wir eine Entscheidung von Fernando haben. Ansonsten müssen wir über eine alternative Besetzung nachdenken", kündigte Teamchef Eric Boullier bei "Bild" bereits an.

Wartet Alonso zu lange, könnte er im nächsten Jahr ohne Cockpit dastehen. Dabei sagte er bereits mehrmals, dass er längst weiß, was er im nächsten Jahr machen wird. Doch ob er damit einen Wechsel zu McLaren, zu den Langstreckenrennen oder ein Jahr Pause meint, verrät er nicht.

Fahrerkollegen sind genervt

Bei seinen Fahrerkollegen verscherzte es sich Alonso mit dieser Hinhaltetaktik ebenfalls zusehends.

Nicht nur Vettel ist genervt, seinen Wechsel nicht offiziell verkünden zu dürfen. Besonders Kollegen, die bei der Cockpit-Suche auf Alonsos Entscheidung warten müssen, sind aktuell nicht gut auf den zweimaligen Weltmeister zu sprechen.

Alonso, den viele Fans bereits als "Stinkstiefel" ansehen, ist damit auf dem besten Weg die letzten Sympathien zu verspielen.

Smedley verteidigt Alonso

Der langjährige Ferrari-Renningenieur Rob Smedley verteidigt Alonso allerdings vehement gegen diese Kritik.

"Ich finde es nicht schwierig, mit Alonso zu arbeiten, und schon gar nicht halte ich ihn für einen Unruhestifter. Seine Ansichten sind stimmig, er weiss genau, was er will, so wie die meisten Menschen, die gut sind in ihrem Job", sagte Smedley bei "crash.net".

"Ich habe oft selber gesagt, dass ich Alonso für den besten Fahrer unserer Ära halte. Ich bin ein großer Fan. Er bringt einem Team so viel. Ich bin ziemlich überrascht davon, dass Ferrari ihn ziehen lässt", fuhr Smedley fort.

"Fernando fährt sehr intelligent"

Mit dieser Meinung steht er nicht allein, denn nach wie vor sind viele Experten überzeugt, dass Fernando Alonso der kompletteste Fahrer im Feld ist.

"Wenn ihm kein siegfähiges Auto zur Verfügung steht, visiert er den zweiten Platz an. Fernando fährt sehr intelligent: Er verschleißt Reifen und Motor nie über Gebühr. Fernando besitzt das technische Verständnis eines ganz großen Fahrers", schwärmte der ehemalige Motorsportdirektor von Michelin, Pierre Dupasquier, einmal.

Doch auch der beste Fahrer der Welt ist abhängig davon, dass die Mitarbeiter seines Rennstalls alles für ihn tun. Das Feindbild der Kontrahenten auf der Rennstrecke zu sein, ist ebenfalls nicht hilfreich.

Alonso sollte sich daher genau überlegen, wie weit er sein Spielchen mit Ferrari und McLaren noch treiben will.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel