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Das Sauber-Team bestritt 1993 in Südafrika sein erstes Formel-1-Rennen

Von Carsten Arndt

München - Noch sind die Verträge für ein Engagement in der Formel 1 nicht auf dem Wühltisch gelandet.

Doch was sich in den letzten Tagen und Wochen in der Königsklasse abspielt, erinnert an Zustände im Sommerschlussverkauf.

Beliebteste Shoppingobjekte waren dabei die Cockpits im Sauber-Rennstall. Mit Felipe Nasr und Marcus Ericsson haben sich gleich zwei Paydriver zugeschlagen - und dafür eine Menge Geld gezahlt.

Ericsson mit hoher Mitgift

Der Schwede Ericsson soll zwischen 15 und 20 Millionen hingelegt haben, um auch weiterhin in der Formel 1 an den Start gehen zu können.

Nasr komplettiert die neue Luxus-Fahrerpaarung.

"Beim Sauber-Team einen Vertrag zu unterschreiben, ist ein wichtiger Schritt in meiner Karriere. Es ist ein unvergesslicher Moment, den ich all meinen Unterstützern, meiner Familie, meinen Freunden, meinen Sponsoren, meinen ehemaligen Teams und meinem Heimatland widme", sagte der Brasilianer.

In erster Linie sollte sein Dank aber wohl dem Sponsor gelten. Die Banco do Brasil ist ein großer und finanzkräftiger Förderer Nasrs.

In diesem Jahr ist das Logo der brasilianischen Bank noch auf dem Williams zu sehen, 2015 fließen die Millionen auf Schweizer Konten.

Chaos bei Sauber

Leidtragender ist unter anderem der bisherige Stammfahrer Adrian Sutil, der sich trotz gültigen Vertrags in der kommenden Saison einen neuen Arbeitgeber suchen muss.

Auch Ersatzfahrer Giedo van der Garde soll bereits einen Vorvertrag unterschrieben haben - und sitzt nun ebenfalls auf der Straße.

Zwischenzeitlich war in verschiedenen Medien von bis zu sieben angeblich bereits geschlossenen Verträgen die Rede. Die Empörung über das Vorgehen von Teamchefin Monisha Kaltenborn und Co. wurde immer größer.

Paydriver als Lebensversicherung

Die Krux an der Sache: Die Teams sind auf die Mitgift-Millionen angewiesen, um die Arbeitsplätze - im Falle von Sauber etwa 300 - zu erhalten. Auf Einzelschicksale kann da keine Rücksicht genommen werden.

Die überbordenden Kosten in der Königsklasse zwangen in dieser Saison bereits Caterham und Marussia in die Knie.

Während die Engländer durch eine einmalige Crowdfunding-Aktion versuchen, zumindest beim Saisonabschluss in Abu Dhabi an den Start gehen zu können (News), haben die Russen inzwischen Konkurs angemeldet.

Auch Force India und Sauber kämpfen mit finanziellen Problemen. "Wir erleben die schlimmste Saison unserer Geschichte", erklärte Kaltenborn - und holte sich deshalb zwei neue Geldgeber ins Boot.

Fahrendes Sicherheitsrisiko

Was aus moralischer Sicht bereits Stoff für Diskussionen bietet, bringt aber auch noch weitere Probleme mit sich.

Schon mehrfach erwiesen sich Pastor Maldonado, Esteban Gutierrez und Co. als Sicherheitsrisiko. (SHOP: Jetzt Motorsport-Artikel kaufen).

"Ich kann es noch immer nicht fassen, was für Leute in der Formel 1 mitfahren. Das ist einfach dumm", schimpfte Kimi Räikkönen, nachdem die Renn-Stewards im vergangenen Jahr in Monaco sieben Crashs und Kollisionen, drei Safety-Car-Phasen sowie einen kompletten Rennabbruch zu verzeichnen hatten.

Moss: "Nicht gut genug"

"Wer auch immer ihnen die Cockpits gegeben hat, muss verrückt sein", stimmte Lewis Hamilton zu.

"Das Problem ist, dass die Fahrer, die Geld mitbringen, nicht wirklich gut sind", sagte Rennsport-Legende Stirling Moss: "Es ist mehr als unglücklich, dass Fahrer sich heutzutage einfach in ein Team einkaufen können, wenn sie einen gefüllten Geldbeutel haben".

Lauda ebnet den Weg

Doch das Thema Paydriver ist nicht neu. Einst hatten die Bezahlfahrer in der Königsklasse sogar einen guten Ruf. Allen voran Niki Lauda, der heutige Mercedesaufsichtsratschef und dreimalige Weltmeister.

1972 kaufte sich Lauda mit einem Kredit der Raiffeisenbank in Höhe von zwei Millionen Schilling ein Cockpit bei March und gilt damit als erster Bezahlfahrer überhaupt.

Ihm folgten Legenden wie Juan Manuel Fangio oder auch Michael Schumacher. 1993 bezahlte der Kerpener 100.000 Dollar für sein erstes Rennen beim britischen Jordan-Rennstall, ein Sponsor stellte das Geld bereit.

20 Jahre später beendete er als Rekordweltmeister seine beispiellose Karriere.

Andere Zeiten

Doch von solchen Erfolgen ist heute nicht mehr auszugehen. Zum einen weil einigen Piloten schlicht das Talent und die nötige Ausbildung fehlt.

Zum anderen, weil sie sich mit ihren Millionen zwar einen Startplatz in der Königsklasse des Motorsports kaufen können, allerdings nicht in einem der Top-Teams.

So haben sie lediglich die Möglichkeit, sich bei den Großen der Branche zu empfehlen - durch sportlich überzeugende Leistungen.

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